Mehr als 35 Jahre nach dem Fall der Mauer hat der Bund einen internationalen Gestaltungswettbewerb für ein Denkmal ausgeschrieben, das an die Opfer der kommunistischen Diktatur in Deutschland erinnern soll. Der Standort liegt im Berliner Spreebogenpark, eingefasst zwischen Bundeskanzleramt und Deutschem Bundestag – und damit an einem Ort, der symbolisch kaum aufgeladener sein könnte. Für viele Betroffene und ihre Familien endet damit ein jahrzehntelanges Warten auf einen zentralen Erinnerungsort in der Hauptstadt.

Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer unterstrich die Bedeutung des Vorhabens: „Wir schaffen endlich einen Ort für die Opfer der kommunistischen Diktatur in Deutschland – einen Ort, auf den viele Betroffene und ihre Angehörigen seit Jahrzehnten warten.“ Es gehe darum, eine Lücke in der deutschen Erinnerungslandschaft zu schließen. Besonders wichtig sei ihm, „dass viele der Betroffenen diesen Ort des würdigen Gedenkens noch selbst erleben können“.

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Das Denkmal soll jene Menschen sichtbar machen, die unter der SED-Herrschaft verfolgt, entrechtet, inhaftiert oder getötet wurden. Zugleich will es den Mut derjenigen würdigen, die sich dem Regime entgegengestellt haben. Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, ordnete das Projekt so ein: „Ein nationales Mahnmal ist mehr als ein bauliches Zeichen. Es ist ein öffentliches Bekenntnis dazu, das Leid der Betroffenen anzuerkennen und die Erinnerung an sie wachzuhalten.“

Der Wettbewerb richtet sich an Künstlerinnen und Künstler, Architekturbüros sowie Fachleute der Landschaftsarchitektur, die sich bevorzugt in interdisziplinären Teams zusammenfinden sollen. Bewerbungen sind bis zum 22. April 2026 möglich – die Frist beträgt fünf Wochen. Aus dem Bewerberfeld wählt eine Jury bis zu 25 Teilnehmende aus, die im Sommer ihre Entwürfe erarbeiten. Im November 2026 soll das Preisgericht dann über den Siegerentwurf entscheiden. Der Bau selbst ist für die Jahre 2027 und 2028 vorgesehen, der Bund stellt für Wettbewerb und Realisierung insgesamt fünf Millionen Euro bereit.

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Dieter Dombrowski, Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, bezeichnete die Auslobung als „einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer sichtbaren Erinnerungskultur“. Das Mahnmal solle das Gedenken an die Opfer „fest im öffentlichen Bewusstsein und in der Mitte unserer Gesellschaft verankern“.

Die Initiative geht auf einen Beschluss des Deutschen Bundestages zurück. Eine eigens eingerichtete Koordinierungsstelle bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur begleitet die Planungen seit mehreren Jahren, eng abgestimmt mit der UOKG. Ein Beirat aus Wissenschaft, Politik sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen flankiert den Prozess, während das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung den Wettbewerb organisatorisch ausrichtet. Damit nimmt ein Vorhaben konkrete Gestalt an, das für die Betroffenen weit mehr ist als ein Bauwerk – es ist ein längst überfälliges Zeichen der Anerkennung.