Er ist 42, hat italienisches Feuer in den Adern und betreibt das vielleicht exklusivste Friseurstudio in weiter Umgebung. Serafino Russo ist nicht nur ein Friseur, er verkauft Lebensqualität. Sowohl mit seiner Art, seiner Philosophie und dem Salon selbst, seinem Zweitwohnsitz. Während viele noch zu Standart und Low-Budget Coiffeuren gehen, empfängt Serafino in seinem Reich nur Menschen, die sowohl seine Einstellung mögen als auch gleichzeitig die nahbare Professionalität suchen. Das Schild am Eingang selektiert schon direkt. Er mag Menschen, die keine Kompromisse in Sachen Styling eingehen möchten, die sichtbaren und spürbaren Mehrwert schätzen, das Besondere und Originelle suchen und für die ein Friseurbesuch mehr ist als nur Haareschneiden. Die Messlatte hängt also hoch für Fino und sein Team. Wir haben uns mit dem Ausnahmefriseur getroffen und mit ihm und Mitarbeiter Sascha Salto über das Konzept, den Preiskampf in der Szene und die Gedanken hinter dem Betrieb eines hochwertigen Salons unterhalten.
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Eleganz, Weite, Ruhe und Professionalität verspricht Serafino Russo
HOMBURG1: Hallo Fino, schön, dass wir uns bei all der vielen Arbeit bei dir an deiner Wirkungsstätte treffen können. Allein dein Salon ist ja schon etwas Besonderes, was macht deinen Salon designmässig aus, was war dir bei der Gestaltung wichtig?
Serafino Russo: Grundsätzlich war die ganze Geschichte ja schon länger in meinem Kopf. Als ich vor ca. drei Jahren diese Räumlichkeiten gefunden habe, hatte ich es auch vom Design-Aspekt direkt vor Augen. Ich wollte es wohnlich gestalten, nicht wie den typischen Friseursalon. Es gibt sehr viele Details, die diese Location für mich angenehm machen – und ich sage extra „für mich als Chef“, weil ich ja die meiste Zeit hier verbringe, länger als jeder Mitarbeiter und jeder Kunde. Für mich ist es auch wichtig, dass ich in meiner Freizeit gerne hierher gehen will, hier gerne frühstücke oder auch mal sonntags hier bin. Wir haben eine Einbauküche, einen tollen Aufenthaltsraum… Es ist gestaltet wie eine Wohnung, nur ohne Betten und Wohnaccessoires, sondern alles rund um den Friseurjob.
HOMBURG1: Du bist schon lange im Friseurgeschäft, lange hier in Homburg, aber bist auch genau so viel in Deutschland und Europa unterwegs, um immer nach neuen Trends zu forschen. Würdest du sagen, du bringst einen großen Hauch Internationalität in unsere Stadt mit deinem Handwerk?
Serafino Russo: Das müssen natürlich die Kunden beurteilen, alle die herkommen wollen und schon hier waren. Ich bin aber schon fest der Meinung, dass der Salon hier in Homburg, im Saarland, auch mit diesem Konzept, diesem Servicegedanken schon eine einmalige Geschichte ist. Es ist ein gewisses Risiko dabei, sich von den ganzen Low-Budget Friseuren abzugrenzen und zu sagen, wir arbeiten nur auf Termin, wir bieten Top-Dienstleistung mit hervorragendem Service, nehmen uns Zeit für die Kunden. Es ist immer einfacher billig, statt hochpreisig zu arbeiten.
HOMBURG1: Dein Salon heißt ja „Serafino Russo – Haare und mehr“ – Wie definierst du das „mehr“, wie sieht dein Konzept aus und welche Zielgruppe sprichst du an?
Serafino Russo: Dieser Salon war immer ein Traum von mir. Die meisten Friseure haben eher szenetypische Namen. Mir war es wichtig, den eigenen Namen an der Tür zu sehen. Das „mehr“ heißt z.B., dass bei uns auch Events wie Weinproben, Charityveranstaltungen oder auch Champagnerpartys stattfinden – je nachdem wie ich Lust und Zeit habe. Aber natürlich bedeutet das „mehr“ auch, dass wir eben nicht nur Haare schneiden, sondern unseren Kunden Full-Service an Wohlbefinden bieten. Angefangen bei den Getränken, dem Rundum-Service, der Ruhe… Es gibt auch oft kleine Häppchen und Delikatessen. Grundsätzlich ist es ja so, dass ich selbst mein bester Kunde bin. Ich umgebe mich gerne mit schönen Dingen, das müssen gar nicht die teuren Sachen sein ,aber ein schönes Ambiente, tolle Menschen, kreative Leute – das ist meine Welt. Keine Nörgler, keine Menschen, die immer auf der Jagd sind nach Irgendwas, weil dann wirst du nie zufrieden sein. Meine Zielgruppe sind Menschen, die in ihrem privaten Umfeld gern einen schönen Urlaub machen, schön wohnen. Menschen, die diesen Mehrwehr nicht nur bei sich, sondern eben auch woanders zu schätzen wissen. Sehr wichtig ist auch, dass man als Dienstleister, wie wir es sind, ein Dankeschön erhält. Es hat seinen Preis gehabt, aber an der Kasse heißt es trotzdem: Es war schön, danke. Das ist für mich selbst und natürlich auch für meine Mitarbeiter sehr angenehm und ein zufriedenes Gefühl, eine Wertschätzung gegenüber der erbrachten Dienstleistung.
HOMBURG1: Würdest du also sagen, dass du wählerisch bist, was deine Kunden angeht?
Serafino Russo: Ja, man kann schon sagen, dass ich mir meine Kunden aussuche. Der Salon ist ganz klar nicht für jeden geeignet. Das kommuniziere ich auch sehr transparent, z.B. sind Laufkunden nunmal einfach nicht erwünscht. Menschen, die der Meinung sind, sie müssen genau „jetzt“ einen Haarschnitt haben, sind unerwünscht, weil wir uns auf den Kunden vorbereiten wollen. Das kann man nur machen, wenn man genau weiß, wer kommt. Der Platz muss sauber sein, wir nehmen uns die Zeit, jeden Kunden richtig zu empfangen und das geht einfach nicht spontan – das sind Störfaktoren für den gesamten Ablauf. Unsere Termine gehen über e-mail, Facebook oder den Anrufbeantworter und wir rufen die Kunden dann bei Zeit zurück. Im Laden selbst gibt es kein störendes Telefonklingeln. Das sind alles kleine Faktoren in einem großen Ganzen, das nicht funktionieren würde, wenn jeden Tag 20 Laufkunden zu uns kommen würden. Es geht nicht um Zeit – Zeit und Platz haben wir genug. Ich persönlich möchte es einfach nicht. Ich möchte eine gewisse Demut von Kunden haben. Ich möchte, dass sich der Kunde die Zeit nimmt und seinen Besuch bei uns plant. Genau wie ein Besuch beim Arzt, zum Notar etc. und so ist es auch bei Serafino Russo.
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„Um so weniger Eiswürfel man in den Whiskey schüttet, umso purer schmeckt er“ – so beschreibt Serafino Russo sein Lebensgefühl und die Natürlichkeit, mit der er das Leben wahrnimmt.
HOMBURG1: Der Gang zum Friseur ist für Menschen ja unterschiedlich wichtig, wir alle haben unterschiedliche Prioritäten. Manch einer will auch nicht mehr als 15€ für einen Schnitt ausgeben. Wie stehst du zur aktuellen Preispolitik im Friseurhandwerk allgemein?
Serafino Russo: Ich bin jetzt schon einige Jahre dabei und habe mir genau darüber schon viele Gedanken gemacht. Man hört ja sehr oft: Der Friseur verdient nichts, das Gehalt ist eine Frechheit, wie kann man Menschen nur so bezahlen? Folgende Rechnung: Man geht als Kunde zu einem 10-15€-Friseur, dann ist doch auch klar, dass für den einzelnen Mitarbeiter selbst nicht mehr viel übrig bleiben kann. Wenn ich 10€ für einen Haarschnitt bezahle, kann der Friseur eine bestimmte Anzahl pro Stunde machen und kann gar nicht so viel verdienen. Also ist es wichtig, dass man transparent rüber bringt: Ein gutes Gehalt wird in erster Linie von der Kundschaft getragen. Natürlich muss der Mitarbeiter, der diesen höheren Preis dann verlangt, auch eine gewisse Qualität mitbringen, eine Persönlichkeit und hohes Fachwissen besitzen. Ich kann nicht den Mitarbeiter fördern, ihn gut bezahlen, damit er zufrieden und top geschult ist, wenn ich von dem einzelnen Kunden keinen angemessenen Preis verlangen kann. Ich geh dabei noch viel weiter. Ich möchte sogar, dass der Kunde das versteht, es mitträgt und sagt: Ja, ich boykottiere diese 15€-Friseure, weil sie aus genannten Gründen kein Geld verdienen. Ich gehe lieber zu jemanden, der zwar einen guten Preis verlangt, aber dadurch auch gewährleistet ist, dass der Mitarbeiter von dem Geld leben kann. Ich habe hier sehr viele Jobanfragen von potentiellen Kandidaten. Viele bringen dann ihren Verdienstnachweis mit, wenn es um die Gehaltsfrage geht und es ist katastrophal, wenn man sich das anschaut.
serafino_russo_homburg1-1110983Auf der anderen Seite ist es leider so, dass 80% der potentiellen Mitarbeiter im Friseurhandwerk gar nicht gewillt sind, mehr zu leisten. Denn in einem Salon wie hier zu arbeiten, bedeutet aktiv mitzuarbeiten und nicht nur seine X-Stunden pro Woche. Es ist mehr Arbeit, mal ein Seminar, mal ein Wochenende und so weiter. Aber wie bereits gesagt: das eine geht nicht ohne das andere.
Wir sind hier im Dienstleistungssektor und es ist ja ganz einfach: Man rechnet den Stundenlohn eines Handwerkers und wenn man sich anschaut, dass ein Friseur bei einem Damenhaarschnitt 30-40€ verlangt und die Kundin aber in 20min abfertigen muss, ist der Stundenlohn zwar dementsprechend höher, aber in 20 min kann ich doch keine optimale Arbeit vollbringen. Das funktioniert einfach nicht. Gute Arbeit braucht seine Zeit und genau das kostet dann im Vergleich eben auch seinen Preis. Das wiederum heißt aber auch nicht, dass wir teurer sind als die anderen – denn die anderen machen in einer Stunde 3 Haarschnitte. Sie zahlen dann zwar einzeln z.B. nur 30€, aber wir verlangen dann für eine Stunde 60€. Letzten Endes ist also woanders der Friseur sogar teurer als hier. Wir schenken dem Kunden eben viel mehr Aufmerksamkeit, mehr Zeit dem Kunden zuzuhören, für eine gezielte Beratung und um den Menschen richtig wahrzunehmen. Wer sitzt hier eigentlich vor mir? Es ist ja nicht nur der Kopf. Es geht um viel mehr. Welchen Beruf übt der oder diejenige aus, wie will der Kunde wirken, wie zieht er sich an, wo macht er Urlaub, wo und wie verbringt er seine Freizeit? Es steckt viel mehr hinter einem guten Schnitt als der Blick auf die Gesichtsform und die Haarstruktur. Es geht um die Person. Wenn ich weiß, du arbeitest bei der Bank, kann ich dir nicht den mega freshen und hippen Haarschnitt verpassen – egal ob Mann oder Frau. Es zählt immer das gesamte Erscheinungsbild. Um das zu analysieren, braucht man Zeit. Die guten Friseure fragen „Was darf’s sein?“ und machen ihren Job – die Exzellenten machen mehr draus.
HOMBURG1: Du arbeitest ja nicht allein, ohne verlässliche Mitarbeiter geht nichts. Eng an deiner Seite ist Sascha in deinem Team. Fino, welche Ansprüche stellst du an dein Team, wer passt zu dir?
Serafino Russo: Nun, die Leute, die hier arbeiten, verdienen grundsätzlich gutes Geld wenn sie einsteigen und können im Laufe der Zeit auch noch mehr verdienen. Aber das Geld wird auch nicht verschenkt. Wir fördern und fordern hier. Ich habe schon viele kommen und gehen sehen. Ich selbst war viele Jahre beim Promifriseur und Weltmeister Bruno Schmidt, dort habe ich sehr viele unterschiedliche Leute kennengelernt. Was mir schon immer wichtig war: ich will sehen, dass Menschen Leidenschaft für ihren Job haben, dass viele Dinge hinten angestellt werden. Es ist wie im Leistungssport auf diesem Niveau zu arbeiten. Man kann in der Oberliga oder Verbandsliga spielen. Man kann aber auch versuchen alles zu geben, um in der Bundesliga und sogar Champions League zu spielen. Da kann man dann nicht zwei Sachen gleichmässig stark machen. Man muss einfach wissen, ich arbeite jetzt hier, es wird entsprechend gefordert, also muss man viele, viele Dinge – auch private Dinge – hinten anstellen. Dass das nicht jeder kann und von 10 vielleicht nur einer diesen Druck aushält, ist klar. Aber ich arbeite lieber mit einem kleinen engagierten Team, als wenn ich Leute im Team habe, deren Schmerz im Gesicht ich schon am frühen Morgen erkenne. Diese Menschen muss ich befreien, denn ich möchte nicht, dass Leute Schmerzen haben. Und dann bin ich eben manchmal der Erlöser.

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1 KOMMENTAR

  1. […] “Er ist 42, hat italienisches Feuer in den Adern und betreibt das vielleicht exklusivste Friseurstudio in weiter Umgebung. Serafino Russo ist nicht nur ein Friseur, er verkauft Lebensqualität.” So beginnt die Einleitung unseres Interview…und das Interview hat gezeigt: Serafino hat wirklich Feuer! Klick zum Interview […]

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