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Gelebte Traditionen, regionale Identität und kultureller Wandel stehen im Mittelpunkt der jüngsten Entscheidung zum Immateriellen Kulturerbe des Saarlandes. Die Landesjury hat sechs neue Kulturformen in das Landesverzeichnis aufgenommen – darunter auch das deutsch-türkische Tulpenfest in Homburg. Damit erhält die Kreisstadt erstmals einen eigenen Eintrag in diese Liste, die bislang vor allem von historisch gewachsenen Bräuchen, Handwerkstechniken und Festformen geprägt war.

Das deutsch-türkische Tulpenfest findet seit gut elf Jahren jeweils im Frühjahr in Homburg statt und versteht sich als Fest der Begegnung. Musik, Tanz, Kunsthandwerk und Kulinarik schlagen dabei bewusst Brücken zwischen unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Ein besonderes Element ist die gemeinschaftliche Vorbereitung: Ehrenamtliche pflanzen bereits im Herbst Tausende Tulpen, die im Frühjahr die Kulisse für das Fest bilden. Für die Initiatoren Klaus Friedrich und Nurettin Tan ist die Aufnahme ins Landesverzeichnis ein starkes Zeichen der Anerkennung: „Dass dieses besondere ‚Fest der Begegnungen im Zeichen der Tulpe‘ nun als immaterielles Kulturerbe gewürdigt wird, ist für uns eine große Ehre.“

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Für Homburg ist die Entscheidung jedoch mehr als eine Auszeichnung für ein einzelnes Veranstaltungsformat. Mit dem Tulpenfest ist erstmals eine kulturelle Praxis aus der Stadt Teil des saarländischen Landesverzeichnisses – ein Umstand, der vor Ort durchaus mit Stolz aufgenommen wird. Gleichzeitig setzt der Eintrag einen besonderen Akzent innerhalb der Liste. Während viele der bislang aufgenommenen Kulturformen auf lange Traditionen zurückblicken und tief im Alltagsleben breiter Bevölkerungsschichten verankert sind, handelt es sich beim Tulpenfest um ein vergleichsweise junges, bewusst initiiertes Format.

Diese Einordnung wird auch von politischer Seite nicht ausgeblendet. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger betonte anlässlich der Aufnahme neuer Kulturformen, dass das Landesverzeichnis nicht nur Bewahrung, sondern auch Weiterentwicklung abbilden solle. Am Beispiel des Schwenkens sprach sie von einer „starken saarländischen Identität“, die durch das Verzeichnis sichtbar gemacht werde. Zugleich zeige die Liste, „wie vielfältig und wandelbar unsere gelebten Traditionen sind“. Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot verwies darauf, dass immaterielles Kulturerbe nicht ausschließlich an Alter oder historische Herkunft gebunden sei. Traditionen gäben Halt und stifteten Gemeinschaft, seien aber zugleich „gelebte Erinnerung und Zukunft zugleich“.

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Die Aufnahme des Tulpenfests wirft damit auch grundsätzliche Fragen auf, ohne den Stellenwert des Festes selbst infrage zu stellen. Das Land würdigt hier weniger eine über Generationen gewachsene Praxis als vielmehr eine zeitgenössische Form kultureller Verständigung. In einer Stadt, die stark von industrieller Geschichte, Vereinsleben und klassischen Bräuchen geprägt ist, setzt dieser Eintrag bewusst einen anderen Schwerpunkt. Welche Rolle solche modernen, projektorientierten Formate künftig im Verständnis von immateriellem Kulturerbe spielen sollen – als Ergänzung zu tradierten Bräuchen oder als eigenständige Kategorie – wird sich erst im weiteren Umgang mit dem Landesverzeichnis zeigen.

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