Foto: Stephan Bonaventura

Wohlstand lässt sich nicht per Beschluss verordnen – er muss erst entstehen. Auf diesen Grundsatz bringt die IHK Saarland ihre Kritik am Jahresbericht 2026 der Arbeitskammer. „Wer Wohlstand verteilen will, muss zuerst dafür sorgen, dass er entsteht“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé die Position zusammen. Der Bericht liefere zwar eine korrekte Bestandsaufnahme der Probleme, ziehe daraus aber die aus Sicht der Kammer falschen Schlüsse.

Dass die Ziele geteilt werden, stellt Thomé nicht infrage. Ein wirtschaftlich starkes Saarland mit sicheren Arbeitsplätzen und funktionierendem gesellschaftlichem Zusammenhalt – darüber herrsche kein Streit. Der Konflikt liegt woanders: „Entscheidend ist aber der Weg dorthin“, so Thomé. Dem Bericht liege die Annahme zugrunde, Fortschritt entstehe vor allem durch mehr staatliche Steuerung und zusätzliche Eingriffe. Genau an dieser Stelle scheiden sich die wirtschaftspolitischen Leitbilder.

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Die Kammer verschiebt bewusst die Perspektive. Nicht die Verteilung von Wohlstand sei die zentrale Frage, sondern dessen Entstehung. Diese finde dort statt, wo Unternehmen investieren, Neues entwickeln, ihre Produktivität steigern und sich international behaupten. Die Politik könne dafür günstige Rahmenbedingungen schaffen. „Wertschöpfung selbst kann sie aber nicht verordnen“, betont Thomé.

Besonders scharf fällt die Kritik an der geforderten Ausbildungsumlage aus. Sie setze am falschen Punkt an, argumentiert die IHK. Im Saarland gebe es längst mehr Ausbildungsplätze als Interessenten. Viele Betriebe würden gerne ausbilden, fänden aber schlicht keine passenden Bewerberinnen und Bewerber. Der eigentliche Engpass liege bei Berufsorientierung, Ausbildungsreife und dem Matching zwischen Betrieb und Nachwuchs – nicht bei fehlender Bereitschaft. Eine Umlage schaffe keines dieser Probleme aus der Welt, sondern erzeuge neue Bürokratie und zusätzliche Kosten, auch für jene Unternehmen, die bereits ausbilden.

Auch weitere Vorschläge des Berichts stoßen bei der Kammer auf Widerstand. Öffentliche Förderung stärker an tarif- und mitbestimmungspolitische Bedingungen zu knüpfen, betriebliche Flexibilität einzuschränken oder wirtschaftliche Entscheidungen weiter zu demokratisieren – all das schwäche mitten in der Transformation die Investitionskraft der Unternehmen. „Das Saarland braucht jetzt nicht weniger unternehmerische Freiheit, sondern mehr davon“, sagt Thomé.

Als ordnungspolitisch besonders heikel wertet die IHK den Verweis des Berichts auf weitergehende Formen demokratischer Einflussnahme bis hin zu Gemeinschaftseigentum. Das sei „das falsche Signal zur falschen Zeit“. Statt über Vergemeinschaftung zu diskutieren, müsse es um Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und neue Wertschöpfung gehen. Nur starke Unternehmen bildeten die Grundlage für Beschäftigung, Einkommen und soziale Sicherheit.

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Daraus leitet die Kammer eine klare Forderung ab: einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel. Dazu zählt sie wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, verlässliche Rahmenbedingungen und eine Kostenbelastung, die Investitionen ermöglicht statt verhindert.

Die Dringlichkeit unterstreicht Thomé mit einem eindringlichen Befund. Das Saarland stehe „mitten in einer historischen Bewährungsprobe“. Die industrielle Transformation erfordere enorme Investitionen, während viele Betriebe zugleich unter massivem Kostendruck stünden. „Die Zukunft unseres Landes entscheidet sich nicht zuerst in der Verteilung des Wohlstands, sondern in seiner Entstehung“, so Thomé. Genau dort müsse die wirtschaftspolitische Priorität liegen.

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