Dafür, dass die Bahn nun mit bis zu 200 Sachen durch Bruchhof rasen darf spendiert sie vielen Anliegern am Bahnweg und in der Kaiserslauterer Straße Lärmschutzwände und sogenannten passiven Schallschutz wie Dämmung und Mehrfachverglasung. Doch bevor es leise wird entlang der ICE-Strecke wird es zwischen März und Juni noch einmal richtig laut. Auch nachts. Darauf bereiteten die Projekt-Ingenieurin Sabine Weiler und ihr Mitarbeiter Julian Hellwig bei einer vom Ortsvertrauensmann Manfred Rippel (SPD) organisierten Informationsveranstaltung im Sportheim des SV Bruchhof-Sanddorf die betroffenen Bürger vor.

Der 1845 gebaute Bahn-Streckenabschnitt Homburg-Bruchhof der einstigen Ludwigsbahn wurde in den letzten Jahren ertüchtigt und ausgebaut, weil er für Hochgeschwindigkeitszüge im europäischen Schienennetz von Bedeutung ist. Ließ die Strecke zuvor Höchstgeschwindigkeiten von 160 Kilometern zu, so sind es jetzt 200 Stundenkilometer. Das hat dazu geführt, dass der Abschnitt zwischen Erbacher Straße und Gut Königsbruch in das „Gesamtkonzept Lärmsanierung“ der Bahn aufgenommen worden ist, das finanziell mit 1,4 Milliarden Euro ausgestattet ist. Exakt vor einem Jahr hatte Sabine Weiler am gleichen Ort im Sportheim angekündigt, dass die DB Netz AG 2020 zwei Lärmschutzwände mit einer Gesamtlänge von 1600 Metern bauen wird. Von November bis Dezember wurden bereits vorbereitende Rodungsarbeiten an den Böschungen und entlang der Grundstücke durchgeführt.

Von der Brücke Erbacher Straße aus in Blickrichtung Kaiserslautern wird links am Bahnweg entlang eine Lärmschutzwand von 670 Metern Länge, rechts eine mit 930 Metern errichtet. Die Wand zur Kaiserslauterer Straße hin kann nur von der Bahn aus gebaut werden. Dazu muss die Strecke dann zeitweise nachts einseitig gesperrt werden, um die notwendigen Rammrohrgründungen im Boden vornehmen zu können. Vorgesehen ist nach Hellwigs Planung die Zeit vom 6. März bis 24. April und vom 10. Mai bis 9. Juni. Dann müssen die Anlieger nachts in ihrem jeweiligen Angrenzungsbereich mit verstärktem Lärm rechnen. Wer besonders lärmempfindlich ist und sich über Maßen belastet fühlt, der kann sich an die DB Netz AG wenden. „Gemeinsam werden wir dann nach einer Lösung suchen“, versprach Sabine Weiler. Wenn alles nach Plan läuft, dann sollen beide Wände bis Ende August fertig sein.

Ortsvertrauensmann Manfred Rippel, Stadtbaudirektor Michael Banowitz, Julian Hellwig und Sabine Weiler informierten die Bürger Bruchhofs über die Lärmschutzmaßnahmen an der Bahn. Foto: Rosemarie Kappler

Insgesamt halten die Wände den Lärm aber nicht überall in ausreichendem Maße zurück. Nach Vorausberechnungen der Ingenieure gibt es an unterschiedlichen Stellen Anlieger, denen Bahn und Bund zusätzlichen passiven Schallschutz im Rahmen einer Freiwilligen Leistung anbieten werden. Davon können dann auch Hauseigentümer an der Kaiserlauterer Straße in Richtung Homburg ab der Einmündung Berliner Straße profitieren. Mit mehrfachverglasten Fenstern, Rolladenkasten-Dämmungen, Schallschutzmatten in Dachschrägen und Schalldämmlüftern soll die Wohnqualität in Küche, Schlaf-, Wohn- und Esszimmern gewährleistet werden. Die Besitzer der entsprechenden Häuser werden von der DB Netz AG angeschrieben und bekommen einen Teilnehmerantrag für das Förderprogramm. Eine Wohnungsbesichtigung durch einen Experten in der zweiten Jahreshälfte wird dann vereinbart. Ein Gutachten zu zweckmäßigen Maßnahmen wird erstellt. Diese können auch abgelehnt werden. Bei realisierbaren Vorschlägen muss der Eigentümer lediglich ein Viertel der Kosten tragen. Sonderwünsche, etwa hinsichtlich Material, die teurer ausfallen, gehen zu Lasten des Eigentümers, ebenso wie Mehrkosten, die durch individuelle Handwerkerwahl entstehen.

Die Versammlung nutzte der früherer Ortsvorsteher Hans Engel erneut dazu, den Blick auf seinen Kampf für einen Bahnübergang für ältere Menschen hinzuweisen. Weilers Antwort hierzu war unmissverständlich: Die Bahn baut wegen des erhöhten Unfallrisikos überhaupt keine Bahnübergänge mehr, schon gar nicht an Schnelltrassen. (rk)

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