Anzeige
Anzeige
Anzeige

Alljährlich reflektiert der Globale Militarisierungsindex (GMI) des BICC (Bonn International Centre for Conflict Studies) auf Basis der aktuellsten vorliegenden Zahlen Militarisierungs- und Demilitarisierungstendenzen. Im regionalen Fokus stehen 2022 die NATO-Erweiterung und das 100-Milliarden-Sondervermögen der Bundeswehr sowie die Aufrüstung in Ozeanien und Ostasien.

Der GMI 2022 untersucht nicht nur die geplante Erweiterung der NATO um die Mitgliedsstaaten Schweden und Finnland. Er vergleicht auch anhand der drei Parameter Personal, finanzielle Ressourcen und Schwere Waffen die erweiterte NATO mit Russland und der Organisation des Vertrags über Kollektive Sicherheit (OVKS). „Auch wenn die NATO in allen diesen Bereichen vorne liegt – die von uns vorgenommene Gegenüberstellung der beiden Blöcke soll keinem neuen Kalten Krieg argumentativ den Weg bereiten“, betont Dr. Markus Bayer, Wissenschaftler am BICC. Das Anliegen des GMI sei, so Bayer, vielmehr ein anderes: „Der Index will dazu anregen, über die Nutzung gesellschaftlich verfügbarer Ressourcen zu diskutieren und für diese Diskussion eine faktenbasierte Basis bereitzustellen.“

Unter dieser Leitlinie betrachteten die Forscher auch das 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr. Sie entwickelten zwei unterschiedliche Szenarien für die Militarisierung Deutschlands für die kommenden fünf Jahre. „Dem Szenario Zielerreichung folgend, dürfte Deutschland im Jahr 2027 eine deutliche Militarisierungsdynamik aufweisen. Es würde vom GMI-Platz 103 auf Platz 89 klettern“, stellt Markus Bayer dar. Beim Szenario Zielverfehlung hingegen sei Militarisierungsdynamik geringer und Deutschland würde im globalen Ranking lediglich um fünf Plätze auf Rang 98 klettern.

Fokus Ostasien und Ozeanien

In diesem Jahr spitzte sich der Konflikt zwischen China, Taiwan und den sog. AUKUS-Staaten (Australia, UK und US) im Chinesischen Meer und im Pazifischen Ozean weiter zu. Die GMI-Autoren Markus Bayer und Paul Rohleder stellen dem militärischen Potenzial der kooperierenden AUKUS-Staaten (Australien, Vereinigtes Königreich und USA) das Chinas gegenüber. „Alles in allem erlaubt die Gegenüberstellung AUKUS-China zwar nur sehr bedingt Rückschlüsse darauf, wer in einer Blockkonfrontation die stärkere Partei wäre. Sie zeigt aber, welche großen Ressourcen die beiden Blöcke für das Militär aufwenden und wie sich ihr Wettrüsten militärisch-politisch auf die gesamte Region auswirkt“, analysieren die Autoren.

Erstmals nahmen sie auch für Nordkorea und Taiwan – zwei zentrale Länder in dem Regionalkonflikt –eine Schätzung ihres Militarisierungsgrades vor, die demnach weltweit auf Platz 1 bzw. Platz 21 liegen würden. Wegen der unsicheren Datenlage tauchen diese Staaten jedoch im offiziellen Ranking nicht auf.

Militarisierung weltweit

Der GMI umfasst 154 Staaten und basiert auf den aktuellsten vorliegenden Zahlen (in der Regel die des Jahres 2021). Die zehn Länder, die im GMI 2022 den höchsten Militarisierungsgrad aufweisen, sind Israel, Kuwait, Armenien Singapur, Oman, Bahrein, Griechenland, Russland, Brunei und Saudi-Arabien. Diese Staaten stellen ihrem Militär im Verhältnis zu anderen gesellschaftlichen Bereichen besonders viele Ressourcen zur Verfügung. Was den generellen Militarisierungstrend angeht, bietet der GMI 2022 ein scheinbar widersprüchliches Bild. So setzt sich der generelle Aufwärtstrend der Vorjahre zunächst nicht weiter fort. „Dies hängt vor allem mit den gesunkenen relativen Militärausgaben zusammen, die, gemessen am BIP (Bruttoinlandsprodukt), durchschnittlich von 2,3 auf 2,2 Prozent zurückgingen. Verantwortlich hierfür ist vor allem die wirtschaftliche Erholung nach der Covid-19-Pandemie“, erklären Bayer und Rohleder. Gleichzeitig wuchs die Anzahl an schweren Waffen trotz positiver Bevölkerungsentwicklung relativ und absolut an: „Hier erreicht die Militarisierung einen so hohen Wert, wie er zuletzt 2012 gemessen wurde“, stellen die Autoren fest.

Der Globale Militarisierungsindex (GMI) des BICC bildet alljährlich das relative Gewicht und die Bedeutung des Militärapparats von Staaten im Verhältnis zur Gesellschaft als Ganzes ab. Der Index wird durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Sie finden den Globalen Militarisierungsindex 2022 des BICC unter gmi.bicc.de/

Originalpublikation: Bayer, M., & Rohleder, P. (2022). Global Militarisation Index 2022. Bonn: BICC. unter https://www.bicc.de/publications/publicationpage/publication/global-militarisati…

Anzeige
Vorheriger ArtikelWeihnachtssingen im Homburger Waldstadion – „Sport trifft Kultur“
Nächster ArtikelVerbraucher fordern gesetzliche Regeln für Künstliche Intelligenz

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.