Bosch-Chef Stefan Hartung gibt sich trotz geopolitischer Verwerfungen und zunehmendem Preisdruck selbstbewusst: „Bosch kann Zukunft – auch unter ungünstigen Bedingungen. 2026 wird ein Jahr des Vorankommens sein.“ Bei der Bilanzvorlage in Stuttgart skizzierte die Konzernführung eine Strategie, die auf massive Investitionen in Zukunftstechnologien setzt, während gleichzeitig schmerzhafte Struktureinschnitte das Unternehmen wettbewerbsfähiger machen sollen. Der Technologiekonzern peilt für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent an und will die operative EBIT-Rendite auf vier bis sechs Prozent steigern – ein deutlicher Sprung gegenüber den zwei Prozent, die 2025 zu Buche standen.
Das abgelaufene Geschäftsjahr fiel durchwachsen aus. Zwar kletterte der Umsatz leicht auf 91,0 Milliarden Euro, nach 90,3 Milliarden im Vorjahr. Bereinigt um Wechselkurseffekte lag das Plus sogar bei 4,1 Prozent. Doch die Profitabilität litt erheblich: Rückstellungen für Struktur- und Personalanpassungen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro drückten die operative EBIT-Rendite von 3,5 auf zwei Prozent. Der Free-Cash-Flow schrumpfte auf rund 300 Millionen Euro, nach etwa 900 Millionen im Jahr zuvor. Allein in Forschung, Entwicklung und Sachanlagen flossen rund zwölf Milliarden Euro – ein Bekenntnis zur Innovationskraft, das sich auch in rund 6 300 Patentanmeldungen niederschlug. Damit behauptete Bosch erneut den Spitzenplatz unter den Patentanmeldern in Deutschland.
Die Verhandlungen über den Stellenabbau an den deutschen Mobility-Standorten sind inzwischen abgeschlossen. „Die Verhandlungen waren nicht einfach, aber auf beiden Seiten von hohem Verantwortungsbewusstsein geprägt“, räumte Hartung ein. Die Maßnahmen würden nun „so schnell und konsequent wie nötig, aber auch so sozialverträglich wie möglich“ umgesetzt. Weltweit sank die Beschäftigtenzahl zum Jahresende 2025 auf 412 774 – ein Rückgang um rund 5 085 Stellen, der vor allem den Bereich Mobility und den Standort Deutschland traf. Hartung verwies darauf, dass China derzeit die Maßstäbe beim Preisniveau in der Automobilbranche setze. Im internationalen Wettbewerb gehe es aber nicht allein um Kosten: „Wir können Angebote und Lieferketten an regionale Gegebenheiten anpassen und liefern zugleich Weltniveau.“
Finanzchef Markus Forschner unterstrich, dass Wettbewerbsfähigkeit das Fundament für profitables Wachstum bilde: „Das stärkt unsere Robustheit gegenüber künftigen Herausforderungen und fördert zugleich die Investitionskraft für unsere Zukunft.“ Um sich am Kapitalmarkt flexibler bewegen zu können, wird Bosch erstmals zur Jahresmitte einen Konzernzwischenabschluss samt Zwischenlagebericht veröffentlichen. Damit könne das Unternehmen unterjährig leichter Finanzinstrumente wie Anleihen begeben, erklärte Forschner, auch wenn die Eigenfinanzkraft bereits hoch sei. Die Eigenkapitalquote lag 2025 bei 41,6 Prozent, die Liquidität bei 7,4 Milliarden Euro.
Besonders viel verspricht sich der Konzern vom Geschäft mit Sensorik und automatisiertem Fahren. Der globale Sensormarkt könnte Experten zufolge bis 2031 ein Volumen von mehr als 440 Milliarden US-Dollar erreichen. Bosch positioniert sich hier mit seiner Sensorplattform „BMI5″, die etwa Robotern hilft, sich auch unter schwierigen Bedingungen zu orientieren, indem sie künstliche Umgebungen äußerst realistisch erzeugt. Im Bereich der Inertialsensoren für autonome Fahrzeuge sieht der Konzern weiteres Absatzpotenzial. „Diese Sensoren funktionieren für ein automatisiertes Auto etwa so wie der Gleichgewichtssinn im Innenohr des Menschen“, veranschaulichte Hartung. Analysten prognostizieren, dass sich der Markt für intelligente Sensoren in automobilen Anwendungen bis Mitte der nächsten Dekade auf mehr als 80 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppeln wird.
Auch die softwaredefinierte Mobilität rückt ins Zentrum der Wachstumsstrategie. Bosch rechnet damit, dass der Markt für Automobilsoftware bis 2030 ein Volumen von rund 200 Milliarden Euro erreicht. Mit der neuen „Bosch AI Extension Platform“, einem KI-fähigen Hochleistungsrechner, will der Konzern das Autofahren hochpersonalisiert gestalten. In Verbindung mit einer Interior-Sensing-Lösung erkennt das System, wer am Steuer sitzt und welche Passagiere an Bord sind – und passt alles vom Außenspiegel über das Fahrverhalten bis zur optimierten Airbag-Auslösung an. Bei Fahrerassistenzsystemen, Sensortechnologien und zentralen Fahrzeugrechnern sicherte sich Bosch 2025 Aufträge im Wert von zehn Milliarden Euro. „Natürlich brauchen die Autos der Zukunft nicht nur Algorithmen, sondern auch Antriebe“, betonte Hartung mit Blick auf die Elektromobilität. Allein 2026 sollen mehr als sieben Millionen Lösungen und Komponenten für elektrisches Fahren ausgeliefert werden. Erst kürzlich kündigte Bosch zudem ein Gemeinschaftsunternehmen mit Tata AutoComp Systems in Indien an, das sich ab Jahresmitte auf Entwicklung, Fertigung und Vertrieb von E-Achsen und E-Motoren konzentrieren soll.
Künstliche Intelligenz treibt darüber hinaus das Konsumgüter- und Servicegeschäft voran. BSH Hausgeräte bringt etwa ein Backofenmodell mit KI-basierter Sprachfunktion auf den Markt, das weder externe Lautsprecher noch zusätzliche Apps benötigt. Marktexperten schätzen den globalen Absatz an Haushaltsgeräten bis 2030 auf rund fünf Milliarden Einheiten, wobei das Luxus- und Premiumsegment besonders in Nordamerika zulegen dürfte. Im Bereich Power Tools sind seit Jahresbeginn die ersten 30 Geräte der Produktlinie Expert erhältlich, darunter ein Wandscanner, der erstmals Bosch-Radartechnologie mit KI-Objektdetektion kombiniert. Der Geschäftsbereich Bosch Global Service Solutions wiederum erwartet durch KI-basierte Anwendungen ein durchschnittlich zweistelliges Umsatzwachstum bis 2030 – das Portfolio reicht von digitalen Mobilitätsdiensten wie eCall und Pannenhilfe bis zu Lösungen für Flottenbetreiber und Logistikanbieter.
Bei der Entwicklung der einzelnen Unternehmensbereiche zeigte sich 2025 ein differenziertes Bild. Der Bereich Mobility kam mit 55,8 Milliarden Euro auf ein minimales Umsatzplus von 0,1 Prozent, wechselkursbereinigt waren es 2,9 Prozent, doch die operative EBIT-Rendite fiel von 3,8 auf 1,8 Prozent. Industrial Technology erzielte 6,5 Milliarden Euro Umsatz und verbesserte seine Rendite deutlich von 1,2 auf 3,5 Prozent, obwohl der nordamerikanische Markt schwächelte. Consumer Goods verzeichnete mit 19,9 Milliarden Euro einen nominalen Rückgang von 1,9 Prozent, wechselkursbereinigt allerdings ein Plus von 4,1 Prozent – fehlende Impulse aus der Bauindustrie in China und den USA bremsten hier. Energy and Building Technology stach mit einem Umsatzsprung von 13,0 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro hervor, wobei Einmalkosten aus Zu- und Verkaufsaktivitäten die operative Rendite auf 0,5 Prozent drückten.
Regional betrachtet blieb Europa mit 44,2 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahr, während Amerika mit 18,5 Milliarden Euro um 3,8 Prozent zulegte und wechselkursbereinigt sogar um 9,3 Prozent wuchs. In der Region Asien-Pazifik stiegen die Erlöse auf 28,3 Milliarden Euro, was bereinigt einem Plus von fünf Prozent entspricht. Die Forschungs- und Entwicklungsquote erreichte 8,7 Prozent vom Umsatz, die absoluten Ausgaben lagen bei 7,9 Milliarden Euro. „Bosch ist bereit, auch in schwierigen Zeiten hohe finanzielle Vorleistungen zu erbringen“, bekräftigte Forschner. Mit der Strategie 2030 will der Konzern unter die drei führenden Anbieter in seinen wesentlichen Märkten vorrücken – getragen von Innovationskraft, regionaler Anpassungsfähigkeit und dem Willen, auch in einem volatilen Umfeld offensiv zu investieren.




















