Wer in diesem Sommer mit dem Auto Richtung Frankreich aufbricht, sollte mehr im Gepäck haben als nur Sonnencreme und Reiseproviant. Denn im Nachbarland haben sich die Verkehrsregeln in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Neue Mautsysteme, verpflichtende Aufkleber und Umweltplaketten können schnell zur Kostenfalle werden, wenn man sie übersieht. Jürgen Herbrich, Touristik-Experte des ADAC Nordbaden, erklärt, worauf es bei der Fahrt in den Süden ankommt.
Besondere Vorsicht ist bei den sogenannten „Freeflow“-Strecken geboten. Auf immer mehr französischen Autobahnen wird die Maut heute rein elektronisch abgerechnet, ganz ohne Schranken oder Mauthäuschen. „Ähnlich wie in Italien wird auf den sogenannten Freeflow-Abschnitten die Durchfahrt elektronisch erfasst. Kameras registrieren das Kennzeichen und eine Schranke oder ein klassisches Mauthäuschen gibt es nicht mehr“, so Herbrich. Das klingt bequem, hat aber einen Haken.
Denn die Zahlung erfolgt nicht automatisch. Reisende müssen selbst aktiv werden und die Gebühr innerhalb einer bestimmten Frist begleichen, etwa online, über Apps oder an Terminals auf Rastplätzen. „Wer die Zahlung vergisst, riskiert zusätzliche Gebühren oder Bußgelder“, warnt der Experte. Konkret werden ab dem 16. Tag nach der Durchfahrt 90 Euro zuzüglich der eigentlichen Maut fällig. Wer noch länger wartet, zahlt nach zwei Monaten sogar 375 Euro. Der ADAC rät deshalb, sich die geplante Route und die dort geltenden Regelungen schon vor der Abreise genau anzuschauen.
Ein weiteres Detail betrifft größere Reisemobile. Für Wohnmobile über 3,5 Tonnen gilt in Frankreich eine Aufkleberpflicht, die auch ausländische Fahrzeuge einschließt. Die sogenannten „Angles Morts“-Aufkleber weisen andere Verkehrsteilnehmer auf den toten Winkel hin und müssen gut sichtbar an beiden Seiten sowie am Heck des Fahrzeugs angebracht sein. Auch hier drohen Bußgelder, und zwar selbst dann, wenn die Aufkleber zwar vorhanden, aber an der falschen Stelle befestigt sind.
Wer eine französische Stadt ansteuert, kommt zudem oft an der Crit’Air-Plakette nicht vorbei. In vielen Kommunen gelten inzwischen Umweltzonen, die „Zones à Faibles Émissions“. Für die Einfahrt braucht jedes Fahrzeug eine gültige Umweltvignette, die nach Emissionsklasse vergeben wird. Herbrich empfiehlt, die Plakette rechtzeitig zu bestellen, da die Zustellung einige Tage dauern kann. „Die Umweltplakette sollte direkt beim offiziellen Portal des französischen Umweltministeriums bestellt werden, um Abzocke zu vermeiden“, betont er und warnt vor unseriösen Anbietern.
Auf der offiziellen Seite ist die Vignette mit 5,11 Euro inklusive Versand am günstigsten. Alternativ lässt sie sich auch in den nordbadischen ADAC-Geschäftsstellen in Bruchsal, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim und Pforzheim beantragen, wobei durch Bearbeitungsgebühren Gesamtkosten von rund 15 Euro entstehen. Ohne gültige Plakette werden in der Umweltzone etwa 70 Euro fällig.
Abseits dieser Formalitäten rät der Touristik-Experte, die Route frühzeitig zu planen, Verkehrs-Apps zu nutzen und ausreichend Pausen einzukalkulieren. Gerade in der Hauptreisezeit und an Wochenenden sei mit dichtem Verkehr zu rechnen. Wer sich vorbereitet, spart am Ende nicht nur Nerven, sondern auch bares Geld.






















