Verträge lesen, ein Budget aufstellen, Kredite einschätzen: Fähigkeiten, die im Alltag jeden treffen – im Lehrplan aber oft nur am Rande vorkommen. Die FDP Saar will das ändern und fordert einen verbindlichen Finanzkompetenzrahmen für alle Schulformen im Land.
Als Vorbild dient den Freien Demokraten das Nachbarland Luxemburg. Dort werde finanzielle Bildung über einen nationalen Aktionsplan fest im Bildungssystem verankert. Dem Saarland hingegen fehle nach Ansicht der Partei bislang ein durchdachtes Gesamtkonzept.
„Luxemburg macht vor, was moderne Bildungspolitik leisten muss: Finanzielle Bildung wird dort als Schlüsselkompetenz für ein selbstbestimmtes Leben verstanden und systematisch in den Unterricht integriert. Genau diesen Anspruch brauchen wir auch im Saarland“, erklärt Gudrun Bierbrauer-Haupenthal, stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Saar.
Mit einzelnen Fachstunden oder freiwilligen Projekten sei es aus Sicht der Liberalen nicht getan. Jeder junge Mensch solle die Schule mit dem Rüstzeug verlassen, um Verträge zu durchschauen, ein Haushaltsbudget zu führen, finanzielle Risiken zu erkennen und für die eigene Zukunft vorzusorgen. „Wer von jungen Menschen Eigenverantwortung erwartet, muss sie natürlich auch dazu befähigen. Finanzielle Bildung ist kein Spezialwissen für wenige, sondern gehört zur Allgemeinbildung“, so Bierbrauer-Haupenthal.
Konkret sieht das Konzept klar definierte Unterrichtsanteile innerhalb bestehender Fächer vor sowie einen praxisorientierten „Finanzführerschein Saarland“ zum Ende der Sekundarstufe I. Behandelt werden sollen dabei verbindlich lebensnahe Themen: Haushaltsplanung, Steuern, Versicherungen, Geldanlage, Verbraucherrechte, digitale Finanzangebote und die Vorbeugung von Überschuldung.
Dahinter steht für die FDP ein grundsätzliches Verständnis von Verbraucherschutz. „Der beste Verbraucherschutz ist nicht immer ein neues Gesetz. Der beste Verbraucherschutz ist der mündige Bürger“, betont die stellvertretende Landesvorsitzende. Ziel sei kein Staat, der finanzielle Entscheidungen vorgebe, sondern Menschen, die selbst gute Entscheidungen träfen. Mehr Finanzkompetenz bedeute am Ende mehr Eigenverantwortung und damit mehr Freiheit.
Dass es der Partei mit dem Vorhaben ernst ist, macht sie mit einem klaren Zeitplan deutlich: Die verbindliche Stärkung der finanziellen Bildung soll als zentrales bildungspolitisches Projekt in das Regierungsprogramm zur Landtagswahl 2027 einfließen.



















