Es wäre wohl eine sehr überschaubare Mannschaftsvorstellung geworden, hätte der Kick-off des FC 08 Homburg wie ursprünglich geplant stattgefunden. Dass der Verein das Familienfest rund ums Waldstadion angesichts der hochsommerlichen Temperaturen absagte, war aus organisatorischer Sicht nachvollziehbar. Auf dem Trainingsplatz wurde trotzdem geschwitzt. Cheftrainer Roland Seitz bat seine Mannschaft am Vormittag zur ersten Einheit der Sommervorbereitung – allerdings mit einer handverlesenen Gruppe.
Der FCH ist damit offiziell in die Vorbereitung auf die Saison 2026/27 gestartet. Nach fünf Wochen Sommerpause, in denen die Spieler individuelle Laufpläne absolviert hatten, rollte am Waldstadion wieder der Ball. Gemeinsam mit Co-Trainer Sven Sökler, Athletiktrainer Clemens Struck und dem neuen Torwarttrainer Florian Beck leitete Seitz die erste Einheit bei hochsommerlichen Temperaturen. Viel Betrieb herrschte dabei allerdings weder auf noch neben dem Platz. Es standen nur 14 Spieler auf dem Rasen, darunter mit Niklas Zapotoczny und Irakli Maruashvili aus der U19, sowie Noel Weinel aus der U23, drei Talente aus dem eigenen Nachwuchs.
Dass der Trainingsauftakt personell schmal ausfiel, passte zur aktuellen Lage beim FCH. Nach zahlreichen Abgängen befindet sich der Verein erneut in einem größeren Umbruch. Mit Torwart Jonas Weyand, Innenverteidiger Aaron Manu und dem am Sonntag vorgestellten Angreifer Marc Ehrhart standen drei Neuzugänge erstmals im Mittelpunkt. Ehrhart wechselt vom FK 03 Pirmasens nach Homburg und unterschreibt einen Vertrag bis Juni 2028.
Der 24-Jährige kommt mit einer starken Empfehlung aus der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar: In der vergangenen Saison war er in 31 Ligaspielen an 35 Treffern direkt beteiligt, erzielte 27 Tore, bereitete acht weitere vor und sicherte sich die Torjägerkanone. Insgesamt kommt Ehrhart für den FKP auf 100 Oberliga-Spiele, 48 Tore und 15 Vorlagen. Für den FCH ist er damit ein interessanter Offensivspieler. Zugleich wird man ihm Zeit – und Spielpraxis – geben müssen, um den Sprung aus der Oberliga eine Klasse höher zu bestätigen.
Für Ehrhart ist der Wechsel nach Homburg auch persönlich besonders. Sein Vater Harry Ehrhart trug einst selbst das Trikot des FCH. „Dass ich damit gleichzeitig auch in die Fußstapfen meines Vaters Harry Ehrhart treten darf, der selbst schon für den FCH gespielt hat, bedeutet mir sehr viel“, wird Marc Ehrhart in der Vereinsmitteilung zitiert. Sportlich soll der Stürmer helfen, eine Lücke in der Offensive zu schließen, die durch mehrere Abgänge entstanden ist.
Roland Seitz sieht in Ehrhart einen Spieler, der seine Abschlussqualität bereits deutlich nachgewiesen hat. „Marc hat in der Oberliga eindrucksvoll gezeigt, dass er weiß, wo das Tor steht. Er ist offensiv flexibel einsetzbar und bringt viel Qualität mit. Wir hatten ihn bereits seit längerer Zeit auf dem Zettel und freuen uns deshalb sehr, dass er nun Teil unserer Mannschaft ist“, erklärte der Cheftrainer und sportliche Leiter.
Trotz des neuen Angreifers bleibt der Kader des FCH vorerst dünn. Nicht mittrainieren konnten Hilal El-Helwe, der wegen Achillessehnenproblemen pausieren muss, sowie Nico Jörg nach seiner Adduktoren-Operation. Lukas Hoffmann arbeitet nach seiner Oberschenkelverletzung weiter individuell an seinem Comeback.
Auch Frederic Baum war beim Trainingsauftakt nicht auf dem Platz zu sehen. Im Umfeld hält sich seit einiger Zeit hartnäckig das Gerücht, dass auch er den Verein verlassen könnte. Offizielle Aussagen oder Hinweise von Vereinsseite gibt es dazu bislang allerdings nicht. Entsprechend bleibt die Personalie mit Vorsicht zu behandeln.
Brisant wäre eine weitere Bewegung im zentralen Mittelfeld allemal. Mit Miguel Gonçalves hat der FCH dort bereits einen Leistungsträger verloren. Der luxemburgische Nationalspieler wechselte zu Fortuna Düsseldorf. Seitz ordnete den Abgang ein: „Man muss auch festhalten, dass er uns als A- und U21-Nationalspieler von Luxemburg etwa zehn Spiele in der Saison gefehlt hätte.“ Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass der FCH mögliche Entwicklungen im Zentrum nicht unvorbereitet treffen würden.
Der eigentliche Befund bleibt dennoch klar: Der FCH braucht noch Spieler. Viele Spieler. Seitz formulierte das nach dem Trainingsauftakt deutlich: „Sieben bis acht Spieler müssen wir noch holen.“ Bis zum Trainingslager im Kleinwalsertal, das vom 20. bis 26. Juli angesetzt ist, soll das Aufgebot möglichst stehen. Derzeit wirkt der Kader davon noch ein gutes Stück entfernt.
Dabei betrifft der Umbruch nicht nur den Spielerkader. Auch im Trainerteam hat sich einiges verändert. Sven Sökler bleibt als Co-Trainer an Bord, der auslaufende Vertrag von Benjamin Schwarz wurde nicht verlängert. Auf der Torwarttrainer-Position hat Florian Beck Enver Marina ersetzt. Die größte Baustelle bleibt damit die Kaderzusammenstellung. Geplant wird mit 20 oder 21 Feldspielern, darunter zwei bis drei Nachwuchsakteure aus der eigenen U19 und U23, sowie drei Torhütern.
In der Vorbereitung wird es für den FCH nun schnell intensiv. Bis Donnerstag soll täglich um 10 und 15 Uhr trainiert werden, am Freitag ist eine weitere Einheit um 14 Uhr geplant. Das erste Testspiel steht bereits am Samstag, 4. Juli, auf dem Programm. Dann treffen die Grün-Weißen um 13.30 Uhr in Reiskirchen auf den FC Emmelshausen-Karbach. Es folgen weitere Tests gegen den Karlsruher SC II, den SV Wehen Wiesbaden, den SV Darmstadt 98, den FK 03 Pirmasens, den FV Ravensburg, den SSV Reutlingen und die U23 der TSG Hoffenheim.
Bis zum ersten Spieltag der Regionalliga Südwest vom 7. bis 9. August bleibt noch Zeit. Der FC 08 Homburg ist wieder auf dem Platz. Die Mannschaft, mit der der Verein in die neue Saison gehen will, ist jedoch noch längst nicht komplett.



















