Foto: FC 08 Homburg

Der FC 08 Homburg hat die richtige Antwort auf den schwachen Auftritt in Freiberg gegeben. Beim hoch gehandelten SV Sandhausen gewannen die Grün-Weißen am Samstag vor 2036 Zuschauern mit 3:1 und zeigten dabei über weite Strecken genau das Gesicht, das Trainer Roland Seitz eine Woche zuvor vermisst hatte: mutig, zweikampfstark und mit Zug nach vorne. Eine frühe Rote Karte gegen Sandhausens Marco Kehl-Gómez prägte die Partie entscheidend – den verdienten Homburger Sieg erklärt sie allein aber nicht.

Personell musste Seitz erneut umbauen. Julian Günther-Schmidt fehlte mit einer Zerrung im Knie, für ihn rückte Hilal El-Helwe erstmals nach seiner Verletzung wieder in die Startelf. Michael Guthörl ersetzte den gesperrten Birkan Çelik. Jacob Roden fällt mit seinem Syndesmosebandriss ohnehin länger aus, Marc Ehrhart stand ebenfalls nicht zur Verfügung. Von der ersten Minute an war zu erkennen, dass der FCH diesmal anders auftreten wollte. Homburg versteckte sich beim nominell stärksten Kader der Liga nicht, spielte nach vorne und kam früh in gefährliche Situationen. Nach einem Steilpass von Frederik Schumann hatte Emir Kuhinja bereits in der sechsten Minute die erste gute Gelegenheit, bekam den Ball im Strafraum aber nicht sauber unter Kontrolle.

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Sandhausen meldete sich ebenfalls früh an. Nach einem missglückten Homburger Abwehrversuch verhinderte Michael Gelt einen möglichen Rückstand. Insgesamt war der FCH in dieser Anfangsphase aber gut im Spiel, suchte immer wieder den Weg hinter die Sandhäuser Kette und bekam deutlich mehr Zugriff als noch eine Woche zuvor in Nöttingen.

In der 22. Minute wurde es erstmals turbulent. Armend Qenaj brachte den Ball zunächst im Sandhäuser Tor unter, der Treffer zählte wegen einer Abseitsstellung jedoch nicht. Kurz darauf setzte sich Schumann zentral durch und wurde von Marco Kehl-Gómez zu Fall gebracht. Schiedsrichter Marcel Rühl entschied auf Notbremse und zeigte dem Sandhäuser Kapitän Rot.

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Über genau diese Szene wurde anschließend diskutiert. Das Foul an Schumann selbst war unstrittig. Sandhausens Trainer Kevin Stotz störte sich vielmehr daran, dass mit Lukas Mazagg möglicherweise noch ein weiterer Verteidiger hätte eingreifen können und damit auch eine Gelbe Karte vertretbar gewesen wäre. Schumann selbst sah die Sache eindeutig: „Ich würde sagen, ich war frei durch. Für mich ist es eine klare rote Karte, weil er mich runterzieht und ich dadurch nicht weiterlaufen kann.“

Die Entscheidung war zweifellos eine Schlüsselszene. Ob zwingend Rot oder auch Gelb vertretbar gewesen wäre, lässt sich diskutieren. Eine Fehlentscheidung, die den Homburger Sieg entwerten würde, war der Platzverweis aber keineswegs. In Überzahl übernahm der FCH endgültig die Kontrolle. El-Helwe zwang Sandhausens Torhüter mit einem Freistoß zur Parade, wenig später scheiterte Simon Joachims nach einem Eckball. Homburg ließ den Ball laufen, fand immer wieder Räume und drängte auf die Führung.

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Die fiel in der 35. Minute. Tim Steinmetz brachte den Ball von der rechten Seite in die Mitte, El-Helwe nahm direkt ab. Sein Abschluss wurde noch abgefälscht und schlug zum 1:0 ein. Für den Rückkehrer war es das passende Ende einer starken ersten Halbzeit. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt verdient. Zwar kam auch Sandhausen trotz Unterzahl vereinzelt gefährlich nach vorne, insgesamt hatte der FCH das Spiel aber weitgehend im Griff. Seitz sprach später davon, dass seine Mannschaft von Beginn an ein anderes Gesicht gezeigt habe. „Wir waren einfach da. Wir haben von den ersten Minuten dagegen gehalten. Wir haben nach vorne gespielt, haben die Chancen rausgespielt.“

Nach der Pause hätte Homburg das Spiel deutlich früher entscheiden müssen. Kuhinja eroberte kurz nach Wiederbeginn stark den Ball und legte für El-Helwe auf, der frei vor dem Tor knapp vorbeischoss. Qenaj ließ die nächste gute Gelegenheit liegen, nach einer Ecke vergab Kuhinja aus kurzer Distanz. Genau darin lag an diesem Nachmittag das größte Homburger Manko. Der FCH erspielte sich genügend Möglichkeiten, machte aber zu wenig daraus. Seitz zählte nach dem Spiel gleich mehrere Situationen auf, in denen das 2:0 längst hätte fallen müssen. Die Überlegenheit war deutlich, das Ergebnis blieb aber gefährlich knapp.

Erst in der 76. Minute folgte die überfällige Belohnung. Qenaj setzte sich auf der linken Seite stark durch und spielte den Ball in den Strafraum. Dort blieb Schumann cool und vollendete zum 2:0. Der Außenverteidiger, der bereits die Rote Karte herausgeholt hatte, krönte damit seinen starken Auftritt. Sandhausen war damit allerdings noch nicht geschlagen. Zunächst traf Vukoja in der 80. Minute den Pfosten, anschließend musste Gelt einen strammen Abschluss entschärfen. Aus der folgenden Ecke fiel dann das 1:2: Andermatt verlor Schulz in seinem Rücken aus den Augen, der Sandhäuser nutzte den Freiraum und köpfte ein.

Plötzlich wurde aus einem weitgehend kontrollierten Spiel noch einmal eine enge Angelegenheit. Der Größenvorteil des Gegners bei Standards war bekannt, trotzdem war das Gegentor vermeidbar. Genau solche Situationen wird der FCH in den kommenden Wochen weiter sauberer verteidigen müssen. Homburg verlor nach dem Anschlusstreffer aber nicht die Kontrolle. Die Mannschaft blieb ruhig, verteidigte die letzten Sandhäuser Angriffe und suchte selbst weiter den Weg nach vorne.

In der 89. Minute war die Partie entschieden. Joachims trieb einen Konter über links nach vorne, sein erster Abschluss wurde geblockt. Der Ball kam zu Kuhinja, der zum 3:1 einschob und damit seinen ersten Pflichtspieltreffer für den FCH erzielte. Kurz herrschte Verwirrung, weil der Linienrichter zunächst die Fahne gehoben hatte, der Treffer wurde nach Rücksprache mit Schiedsrichter Rühl aber gegeben.

Für Kuhinja war der Sieg vor allem die Reaktion, die sich die Mannschaft vorgenommen hatte. „Wir waren von Anfang an da“, sagte der Angreifer. In Freiberg habe die Bereitschaft in den Zweikämpfen gefehlt, „und heute wollten wir das ändern. Ich denke, das ist sehr gut gelungen.“ Auch Schumann sprach von einem deutlichen Unterschied: „Im Vergleich zur letzten Woche war es um Welten besser.“ Entscheidend sei die Reaktion der gesamten Mannschaft gewesen.

Seitz sah das genauso. Seine Mannschaft habe nach der Kritik der vergangenen Woche bewusst „ein anderes Gesicht“ zeigen wollen. Dass Sandhausen lange in Unterzahl spielte, ordnete der Trainer durchaus als Faktor ein. Gleichzeitig verwies er darauf, dass man eine solche Situation bei einem Topfavoriten erst einmal so kontrollieren müsse – zumal Homburg offensiv mit mehreren Ausfällen in die Partie gegangen war.

Unter dem Strich steht deshalb ein hochverdienter Auswärtssieg. Homburg war bereits vor dem Platzverweis gut in der Partie, nutzte die Überzahl anschließend konsequent zur Kontrolle und erspielte sich genügend Möglichkeiten für ein noch deutlicheres Ergebnis. Dass es nach dem 1:2 kurz noch einmal spannend wurde, hatte sich der FCH vor allem durch die eigene Chancenverwertung selbst zuzuschreiben.

Nach drei Spieltagen stehen damit sechs Punkte auf dem Konto. Für große Schlussfolgerungen ist es noch viel zu früh. Der Auftaktsieg gegen Mainz, der schwache Nachmittag in Freiberg und nun der starke Auftritt beim SV Sandhausen zeigen bislang vor allem, wie unterschiedlich die Grün-Weißen auftreten können. Angesichts des großen personellen Umbruchs und der aktuellen Verletzungssituation ist die Ausbeute aber ordentlich. Dass nun auch Michael Guthörl in Sandhausen verletzt vom Platz musste, zeigt gleichzeitig, wie dünn die Möglichkeiten auf einigen Positionen derzeit sind.

Am kommenden Samstag geht es zurück ins Waldstadion. Um 14 Uhr empfängt der FCH die Stuttgarter Kickers. Nach der überzeugenden Antwort am Hardtwald dürfte dabei vor allem eine Frage interessant werden: Gelingt es den Grün-Weißen erstmals in dieser Saison, zwei gute Auftritte hintereinander auf den Platz zu bringen?

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