In Brüssel ist eine Entscheidung gefallen, die auch im Saarland aufmerksam verfolgt wird: Die EU-Mitgliedstaaten haben dem Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zugestimmt. Nach mehr als 25 Jahren zäher Verhandlungen steht damit die größte Freihandelszone der Welt mit über 700 Millionen Menschen vor der Umsetzung – mit spürbaren Folgen für exportstarke Regionen wie das Saarland.
Wirtschaftsminister Jürgen Barke bewertet den Beschluss als wichtiges Signal in einer angespannten weltwirtschaftlichen Lage. „Dieses Abkommen ist ein Lichtblick für internationale Kooperation und offenen Handel in einer Zeit vielerorts zunehmender Abschottung. Davon kann auch die exportorientierte saarländische Wirtschaft profitieren. Gerade für unsere Industrie eröffnet der südamerikanische Markt neue Chancen“, erklärte Barke. Aus saarländischer Sicht geht es dabei vor allem um bessere Absatzmöglichkeiten für Industriegüter und einen verlässlicheren Zugang zu wichtigen Rohstoffen.
Kern des Abkommens ist der weitgehende Abbau von Zöllen. Rund 90 Prozent der gehandelten Güter sollen künftig zollfrei werden. Für Unternehmen aus der EU würden Exporte nach Südamerika damit deutlich erleichtert. Vor dem Hintergrund gestiegener US-Zölle sieht die Landesregierung darin ein wichtiges Signal für die europäische Wirtschaft. In Deutschland gelten insbesondere die Automobilindustrie und die Chemieindustrie als Gewinner der neuen Regelungen, die mit geringeren Handelshemmnissen und besseren Marktchancen rechnen können.
Auch die saarländische Wirtschaft ist bereits eng mit den Mercosur-Staaten verflochten, allen voran mit Brasilien. Brasilien ist schon heute der wichtigste Handelspartner des Saarlandes in Südamerika. Im Jahr 2024 belief sich der Warenaustausch zwischen dem Saarland und den Mercosur-Staaten auf insgesamt rund 466 Millionen Euro, davon allein über 431 Millionen Euro mit Brasilien. Importiert werden vor allem Erze und Metalle, während saarländische Unternehmen insbesondere Maschinen und Metallerzeugnisse in die Region liefern. Der erleichterte Zugang zu Rohstoffen gilt dabei als zentraler Faktor für die Industrie im Land.
Barke sieht in dem Abkommen eine strategische Weichenstellung für den Standort Deutschland und die Region. „Das Mercosur-Abkommen stärkt Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit, sichert industrielle Wertschöpfung und trägt dazu bei, neue Absatzmärkte zu erschließen. Auch für das Saarland ergeben sich neue Chancen“, so der Minister abschließend. Bevor die Vereinbarung tatsächlich wirksam wird, steht jedoch noch ein wichtiger Schritt aus: Das Europäische Parlament muss dem Vertrag zustimmen. Die formelle Unterzeichnung des Abkommens ist für die kommende Woche geplant.

















