Im Tarifkonflikt um den kommunalen Nahverkehr im Saarland verschärft sich der Ton: Die Gewerkschaft ver.di hat dem Kommunalen Arbeitgeberverband Saar ein Ultimatum bis zum 2. April 2026 gestellt. Beschließt die Arbeitgeberseite bis dahin nicht, sämtliche offenen Forderungen ernsthaft zu verhandeln, will ver.di eine Urabstimmung einleiten – mit dem erklärten Ziel eines Dauerstreiks.
Den Beschluss fasste am 26. März eine Streikdelegiertenkonferenz, zu der Beschäftigte aus allen sechs saarländischen kommunalen Nahverkehrsbetrieben zusammenkamen. Ihre zentrale Forderung: Der KAV Saar müsse die Bereitschaft erklären, die Tarifgespräche auf Augenhöhe wiederaufzunehmen. Zugleich verlangt die Gewerkschaft, dass die Arbeitgeberseite ihr Verhalten in der letzten Verhandlungsrunde als Fehler anerkennt. Für die Dauer der einwöchigen Frist setzt ver.di weitere Arbeitskampfmaßnahmen aus.
Auslöser der Eskalation war eine Äußerung von Anne Yliniva-Hoffmann, der KAV-Vorsitzenden und SPD-Bürgermeisterin der Gemeinde Überherrn. Sie hatte ver.di öffentlich aufgefordert, „die Theatralik auf der Straße zu beenden und die Zeit stattdessen zu nutzen, um zu einer realitätsbezogenen Erwartungshaltung zu gelangen.“ Bei den Beschäftigten kam das als Provokation an. Wer ernsthaft an den Verhandlungstisch wolle, so die Haltung der Gewerkschaftsseite, könne nicht einseitig diktieren, welche Themen dort besprochen werden und welche nicht.
Besonders schwer wiegt aus Sicht der Arbeitnehmervertreter der Verlauf der jüngsten Verhandlungsrunde. Statt den Dialog fortzuführen, habe der KAV Vorschläge der Gewerkschaft mit Hohn und Spott quittiert und die Gespräche vorzeitig abgebrochen. Dieses Verhalten sei gegenüber Menschen, die täglich den öffentlichen Nahverkehr im Saarland am Laufen halten, schlicht inakzeptabel. Ver.di betonte, die Verantwortung für die zugespitzte Lage liege eindeutig bei der Arbeitgeberseite.
Sollte bis zum 2. April kein verbindliches, verbessertes Angebot auf dem Tisch liegen, will die Gewerkschaft den nächsten Schritt gehen. Stimmen mindestens 75 Prozent der Mitglieder in einer Urabstimmung zu, droht eine massive Ausweitung der Arbeitskämpfe bis hin zum unbefristeten Streik. Für die Fahrgäste im Saarland könnte das erhebliche Einschränkungen bedeuten.
Im Kern geht es ver.di um existenzsichernde Löhne, die später auch eine auskömmliche Rente ermöglichen, und um spürbar bessere Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass in den kommenden Jahren zahlreiche Beschäftigte aus dem Beruf ausscheiden werden. Ohne attraktivere Arbeitsplätze, so das Argument, lasse sich der Nahverkehr im Saarland langfristig nicht aufrechterhalten. Die Botschaft der Delegiertenkonferenz war unmissverständlich: Ohne die Beschäftigten fährt kein Bus und keine Bahn.



















