Auf dem Gelände der Firma Moehwald wurden Dr. Stefan Kaufmann, Markus Uhl, Ammar Alkassar und Michael Forser (v.l.n.r.) die neuesten Entwicklungen beim Thema Wasserstoff in Homburg vorgestellt. - Foto: Bill Titze

Die Nachricht sorgte vergangene Woche für einiges Aufsehen: Das Saarland soll vom Wirtschaftsministerium 400 Millionen für ein neues Wasserstoffprojekt bekommen. In Homburg profitiert man (noch) nicht von einer solchen Förderung. Das soll sich jedoch bald ändern, wie Bürgermeister Michael Forster bei einem Besuch des Beauftragten der Bundesregierung für grünen Wasserstoff, Dr. Stefan Kaufmann, verdeutlichte.

Was wird aus den Arbeitsplätzen in der saarländischen Automobilindustrie? Es ist eine der entscheidenden Zukunftsfragen für die hiesige wirtschaftliche Entwicklung. Schließlich hängen tausende Arbeitsplätze am Verbrennungsmotor, der, wenn es nach den politischen Entscheidungsträgern geht, in den kommenden Jahrzehnten nach und nach von den Straßen verschwinden soll. Gerade Homburg mit seinen vielen Zulieferern ist von dieser Entwicklung besonders betroffen.

Nicht zuletzt deshalb hatte der Homburger Bundestagsabgeordnete Markus Uhl (CDU) seinen Fraktionskollegen Kaufmann in seinen Wahlkreis eingeladen. „Es geht heute darum, davon zu überzeugen, dass hier viel Innovation stattfindet und Homburg ein wichtiger Punkt auf der deutschen Wasserstoff-Karte ist“, erklärte Uhl auf dem Gelände der Firma Moehwald, das als Veranstaltungsort diente.

Schon vor einiger Zeit entstand die Idee einer Wasserstoffstrategie für die Kreisstadt. „Homburg soll sich zu einem Kompetenz – und Anwenderzentrum in Sachen Wasserstoff entwickeln“, fasste Forster das Ziel beim Besuch des Wasserstoff-Beauftragten des Bundes zusammen. „Denn die Brennstoffzelle ist eine der zukunftsträchtigen Technologien bei der Mobilität.“

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet die Stadt Homburg in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken und verschiedenen hier ansässigen Zulieferern an einem sogenannten Wasserstoff-Campus. Herzstück soll laut Angabe der Stadt eine Wasserstoff-Tankstelle sein, die unter anderem die Fuhrparks der Unternehmen mit Wasserstoff beliefern soll. Darüber hinaus ist ein Leitungsnetz geplant, durch das die Tankstelle mit dem Gas versorgt wird. Woher der Wasserstoff genau kommen soll, steht jedoch noch nicht fest. Genauso wenig, wie das Projekt finanziert werden soll.

Forster machte dann auch gar keinen Hehl daraus, dass der Besuch des Wasserstoff-Beauftragten in erster Linie dazu dienen sollte, einen Fürsprecher auf Bundesebene für die Homburger Initiative zu gewinnen. „Der Bund muss dabei helfen, ansonsten ist diese nicht umzusetzen. Deshalb bitte ich Sie, Homburg in Erinnerung zu behalten.“ Um die Werbetrommel zu rühren, war auch der Bevollmächtigte für Innovation und Strategie der saarländischen Landesregierung, Ammar Alkassar, nach Homburg gekommen. Er betonte, dass vor Ort ein „Ökosystem“ geschaffen werden soll, das Vorbildcharakter für ganz Deutschland hat. „Die Politik kann beim Thema Wasserstoff aber nur Anschübe geben. Das Engagement muss aus der Wirtschaft kommen.“

Nicht umsonst fand der Termin denn auch auf dem Gelände der Firma Moewald statt, die gerade an der Entwicklung eines integrierten Messsystems für die Brennstoffzelle arbeitet und dieses Projekt vorstellte. Mit Bosch und Wegener Härtetechnik waren darüber hinaus  noch zwei andere Firmen vertreten, um Kaufmann von der Innovationskraft des Standorts Homburg zu überzeugen. Während Bosch unter anderem die in Homburg produzierten Musterkomponenten für mobile Brennstoffzellen präsentierte, erläuterte man am Stand von Wegener, wo bei der Wärmebehandlung von Metallen derzeit Wasserstoff verwendet wird und was diesbezüglich in der Zukunft geplant ist.

Was die Zukunftaussichten für die Homburger Wasserstoff-Initiative anbelangt, ließ sich der Bundes-Beauftragte Kaufmann erwartungsgemäß vor Ort nichts entlocken. „Ganz wichtig ist es bei so etwas, Netzwerke zu bilden, bei denen die gesamte Wertschöpfungskette über Projekte definiert wird“, riet der 51-jährige Stuttgarter. „Außerdem muss natürlich auch die Frage beantwortet werden, wo der Wasserstoff überhaupt herkommt. Hier liegt momentan auch der Fokus bei der Bundesregierung.“

In Homburg geht es nun zunächst darum, die erforderlichen Schritte zu gehen, um überhaupt an Finanz-Töpfe kommen zu können, wie man von Seiten der Stadtwerke auf HOMBURG1-Anfrage mitteilt. „Einen konkreten Beschluss, mit dem Bau einer Anlage zu beginnen, gibt es derzeit noch nicht.“ Vor der Entscheidung müssten auch noch die Gremien vor Ort ihre Entscheidungen treffen. „Erst in einem zweiten Schritt können dann Fördergelder beantragt werden.“ Es gibt also noch einiges zu tun, bevor der Traum von Wasserstoff-Tankstelle und Leitungsnetz in die Tat umgesetzt werden kann.

 

 

 

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