Anzeige

Jedes fünfte kleinere Unternehmen in Deutschland steuert seine Digitalisierung ohne jede Strategie – ein Befund, der angesichts des rasanten technologischen Wandels aufhorchen lässt. Das geht aus einer repräsentativen Erhebung hervor, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten durchgeführt hat. Die Befragung fand Anfang 2026 statt und offenbart ein deutliches Gefälle: Während größere Konzerne längst strategisch planen, fehlt es gerade im kleineren Mittelstand an einem klaren Fahrplan für die digitale Transformation.

Konkret zeigt die Umfrage, dass 22 Prozent der Unternehmen mit 20 bis 99 Beschäftigten über keinerlei Digitalstrategie verfügen. 57 Prozent haben immerhin Strategien für einzelne Bereiche entwickelt, doch nur 21 Prozent arbeiten mit einem übergreifenden Gesamtkonzept. Auch in der nächstgrößeren Kategorie – Betriebe mit 100 bis 499 Beschäftigten – sieht es kaum besser aus: 17 Prozent agieren völlig planlos, 59 Prozent setzen auf Einzelstrategien, und lediglich 23 Prozent verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Erst ab 500 Beschäftigten dreht sich das Bild merklich: Nur acht Prozent dieser Unternehmen haben keine Strategie, 62 Prozent nutzen bereichsbezogene Pläne und 25 Prozent eine zentrale Gesamtstrategie.

Anzeige

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst mahnt angesichts dieser Zahlen zum Handeln: „Digitalisierung ist eine Daueraufgabe für die Unternehmen. Und sie erfordert einen Plan, ganz unabhängig von der Größe, der Branche oder den zur Verfügung stehenden Mitteln.“ Gerade für kleinere Betriebe, die oft mit knappen Ressourcen wirtschaften, kann das Fehlen einer klaren Richtung zum ernsthaften Wettbewerbsnachteil werden. Wer digitale Projekte nur punktuell und ohne Gesamtperspektive angeht, riskiert Insellösungen, die langfristig mehr kosten als sie einbringen.

Der Digitalverband nutzt die Veröffentlichung der Studie auch als Auftakt für seine Veranstaltung TRANSFORM, die am 18. und 19. März in Berlin stattfindet. Die Mischung aus Kongress, Expo, Praxis-Workshops und Dialogforen soll genau jene Brücke schlagen, die vielen Unternehmen offenbar noch fehlt – zwischen technologischer Möglichkeit und strategischer Umsetzung. Wintergerst betonte: „Mit unserer Tech-Show TRANSFORM wollen wir an zwei Tagen sichtbar machen, was Digitalisierung heute schon bedeutet und bedeuten kann, durch Erfahrungsberichte aus der Praxis, Workshops und Masterclasses. Sehr wichtig ist auch der direkte Austausch zwischen weltweit führenden Technologie-Unternehmen und Startups, zwischen kleinen, mittelständischen und großen Unternehmen.“ Erwartet werden mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher, 320 Rednerinnen und Redner gestalten über 200 Stunden Programm auf drei Bühnen.

Anzeige

Die Eröffnung übernehmen drei prominente Dax-Vorstände: Bayer-CEO Bill Anderson, Siemens-CEO Dr. Roland Busch und Commerzbank-CEO Dr. Bettina Orlopp berichten aus der Digitalisierungspraxis ihrer Konzerne und Branchen. Darüber hinaus stehen unter anderem Dr. Sven Deglow, CEO der Deutschen Kreditbank, Aletta von Massenbach, CEO des Flughafens BER, sowie Hauke Stars, IT-Vorständin bei Volkswagen, auf dem Programm. Auch aus dem Bereich Sicherheit und Verteidigung sind hochrangige Stimmen vertreten: Dr. Gundbert Scherf, Co-CEO und Gründer von Helsing, Generalleutnant Michael Vetter aus dem Bundesverteidigungsministerium und BSI-Präsidentin Claudia Plattner sprechen auf der Veranstaltung.

Politische Prominenz ist ebenfalls reichlich vertreten. Gleich drei Mitglieder des Bundeskabinetts haben zugesagt: Digitalminister Dr. Karsten Wildberger, Arbeitsministerin Bärbel Bas und Bildungsministerin Karin Prien. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner ergänzt das politische Aufgebot. Am ersten Veranstaltungstag findet parallel die Digital Office Conference statt, die sich praxisnah mit digitalen Büroanwendungen befasst. Zudem treten beim 18. Innovators‘ Pitch sechs junge Startups in den Kategorien „Future Technologies in Logistics“ und „Future Technologies in Education“ vor Jury und Publikum an. Der zweite Tag gehört unter anderem der Konferenz Work & Culture, die aktuelle Fragen der digitalen Arbeitswelt aufgreift, sowie einem Career Day, der Jobsuchende und Unternehmen zusammenbringt.

Anzeige

Die Botschaft hinter den Zahlen und dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm ist letztlich dieselbe: Digitalisierung lässt sich nicht aussitzen. Wer ohne Strategie unterwegs ist, verliert den Anschluss – und das gilt für den 30-Personen-Betrieb genauso wie für den Dax-Konzern. Die Erhebung macht deutlich, dass vor allem im kleineren Mittelstand noch erheblicher Nachholbedarf besteht, während die Großen zumindest strukturell besser aufgestellt sind. Ob die TRANSFORM dazu beitragen kann, diese Lücke zu schließen, wird sich an den konkreten Impulsen messen lassen, die Teilnehmende aus Berlin in ihre Unternehmen mitnehmen.

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
(Visited 109 times, 1 visits today)
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein