Die Stühle wurden im Schulungsraum der Feuerwache Homburg am vergangenen Donnerstag knapp. Den großen Andrang der Erbacher Bürgerinnen und Bürger verursachte eine Informationsveranstaltung rund um den Umbau des alten Resi-Kinos. Eingeladen hatten der Verein zur Förderung von Integration und Bildung, die Stadt Homburg und der Integrationsbeauftragte Nurretin Tan.
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Wer eine hitzige Diskussion um Minarette und Kuppeln erwartet hatte, wurde enttäuscht: sehr sachlich und nüchtern wurden die Pläne und Funktion des neuen Hauses der Islamischen Gemeinde erläutert. Der Mitorganisator der Info-Veranstaltung, Nurretin Tan, stellte daher auch von Anfang an klar: „Es ist wichtig, dass die Bevölkerung mitkriegt, was hier passiert und wie die Räumlichkeiten aussehen wenn der Umbau des Resi-Kino beendet ist.“
Planungsskizze
Planungsskizze
Die Pläne und spätere Verwendung der Liegenschaft erläuterte Adnan Özdemir, 2.Vorsitzender des islamischen Vereins: wie in den bisherigen Räumlichkeiten auch, soll in dem neuen Haus die soziale, kulturelle und religiöse Betreuung von Muslimen zur Kernaufgabe zählen. Durch den 600.000 Euro teuren Umbau werden weiterhin in 4 Räumen Schlafmöglichkeiten für bis zu 15 Personen entstehen. Auch Platz für Sprachkurse oder Hausaufgabenbetreuung werden zur Verfügung gestellt. Von dem Umbau können auch lokale Vereine und Institutionen profitieren, denn die Haupträume können für Veranstaltungen und Seminare genutzt werden. Finanziert wird der Umbau durch Spenden, Eigenleistung und einen Bankkredit.
Bürgermeister Klaus Roth sowie die 1.Beigeordnete der Stadt Homburg, Christine Becker, zeigten sich erfreut, dass rund um das alte Resi-Kino endlich was passiert. Gerade die Fassade ist seit langer Zeit kein schöner Anblick am Ortseingang von Erbach. Dies beschäftigte auch einen Großteil der anwesenden Gäste, zielten doch einige Fragen darauf ab, wann der Umbau endlich losgeht um schnellstmöglich die Front des Hauses optisch aufzuwerten. Den Baubeginn erhofft sich Adnan Özdemir auf Juni 2016 und rechnet mit einer Bauzeit von einem Jahr. Zunächst gilt es noch kleinere Mängel in der Planung zu beseitigen. Kritische Nachfragen gab es dagegen zur Verkehrsbelastung: die Zufahrt erfolgt zukünftig über die Martinstraße zu dem maximal 30 Stellplätzen umfassenden Privatparkplatz. Hier beruhigte der 2.Vorsitzende die Fragesteller und erläuterte, dass an den islamischen Feiertagen und beim Freitagsgebet sicherlich etwas mehr los sein könne. Unter der Woche rechne er aber nur mit wenigen Leuten, „da wir hier alle arbeiten“.
infoabend_resi_kino-40Die Nachfrage, ob am neuen Standtort eine Koran-Schule entstünde, beantwortete Ozdemir mit einem klaren Nein, machte aber auch deutlich, dass selbstverständlich religiöse Dinge vermittelt werden. Schließlich diene das neue Gebäude der islamischen Gemeinde auch als Gebetshaus. Wird bei den Gebeten nach Geschlechtern getrennt, ist dies bei der Hausaufgabenbetreuung und sonstigen Veranstaltungen nicht der Fall. Auch an Ferienangebote für Schülerinnen und Schüler wird zur Zeit gedacht. Konkrete Termine oder Veranstaltungen konnten an dem Info-Abend aber noch nicht genannt werden.
Die Vorwürfe in Richtung Stadt, warum der Verwahrlosung des alten Kinos nicht von gesetzlicher Seite Einhalt geboten wurde, erklärte Bürgermeister Roth mit der gesetzlichen Lage. Der Kauf sei eine Privatangelegenheit und die Stadt könne baurechtlich nur eingreifen, wenn Gefahr von einem Gebäude, zum Beispiel durch herunterfallende Dachziegel, ausgehe.

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Hintergrund:
Der Verein zur Förderung von Integration und Bildung wurde 1977 in der Uhlandstraße gegründet. Er hat zur Zeit 70 Mitglieder und nutzt Räumlichkeiten in der Dürestraße 40. Er beschäftigt einen hauptamtlichen Imam und besitzt 6 ehrenamtliche Vorstände. Der Verein widmet sich der sozialen, kulturellen und religiösen Betreuung von Muslimen. Durch verschiedene öffentliche Veranstaltungen wie das Freundschaftsfest (13.05. – 15.05.) und den Tag der offenen Moschee (03.10.) wird die Bevölkerung aktiv eingeladen. Da die bisherigen Räumlichkeiten den Bedarf nicht mehr decken können, hat der Verein vor 10 Jahren das alte Resi-Kino in Erbach erworben. Nach einer geplanten Bauzeit von 12 Monaten soll ein zweigeschossiger Bau entstehen, der in seinen Ausmaßen bleibt, allerdings in der Länge um 12 Meter gekürzt wird.
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