Symbolbild

Die Beschäftigten im Saarland fielen im ersten Halbjahr 2021 deutlich weniger krankheitsbedingt im Job aus. Insgesamt liegt der Krankenstand mit einem Rückgang von 0,7 Prozentpunkten bei 4,5 Prozent und damit über dem Bundesniveau (3,7 Prozent). Das bedeutet, dass an jedem Tag durchschnittlich 45 von 1.000 saarländischen Beschäftigten krankgeschrieben waren.

Der vergleichsweise niedrige Krankenstand hängt mit dem massiven Rückgang von Atemwegserkrankungen zusammen (minus 65 Prozent). Das geht aus der aktuellen Krankenstands-Analyse der DAK-Gesundheit für das Saarland hervor. Die Kasse sieht die geltenden Abstands- und Hygienemaßnahmen während der Pandemie als Ursache. Während Fehltage wegen Atemwegserkrankungen weniger wurden, gab es einen Anstieg von 23 Prozent bei den psychischen Leiden. Sie sind nach den Muskel-Skelett-Erkrankungen die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen.

Laut Studie der DAK-Gesundheit hatten die Beschäftigten im ersten Halbjahr 2021 insgesamt 13 Prozent weniger Fehltage als im Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der Fehltage ist im Saarland so gering wie seit sieben Jahren nicht mehr. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Atemwegserkrankungen. „Die Erkältungssaison ist nahezu komplett ausgefallen“, kommentiert Jürgen Günther, Leiter der DAK-Landesvertretung im Saarland die Ergebnisse.

Bis Ende Juni 2021 kamen auf 100 DAK-versicherte Arbeitnehmer nur 53 Fehltage. Das entspricht einem Rückgang von 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während im ersten Halbjahr 2020 Bronchitis und Co. noch die zweithäufigste Ursache für Krankmeldungen waren, rangieren diese nicht einmal mehr unten den Top-3 Krankheiten, die zu Arbeitsunfähigkeit führen. „Wir sehen, dass Homeoffice und verstärkte Hygienemaßnahmen sich positiv auf den Krankenstand ausgewirkt haben. Doch sie schützen nicht nur vor Corona. Auch gewöhnliche Erkältungserreger werden seltener übertragen“, ergänzt Günther.

Von dem Rückgang der Fehlzeiten im ersten Halbjahr 2021 ist die Mehrheit aller Berufsgruppen im Saarland betroffen. Besonders deutlich ist er bei Berufen, die verstärkt ins Homeoffice abgewandert sind: So hatten Berufe im Bereich Finanzdienstleistung, Rechnungswesen und Steuerberatung durchschnittlich 42 Prozent weniger Fehltage als im Vorjahreszeitraum. In Berufen mit viel direktem Menschenkontakt, etwa in Altenheimen, fiel der Rückgang geringer aus: Bei Altenpflegekräfte gab es nur ein Minus von durchschnittlich fünf Prozent.

Einen erhöhten Krankenstand im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet das Klinikpersonal. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich hier die Anzahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen mehr als verdoppelt hat. Klinikpersonal hatte im ersten Halbjahr 2021 allein wegen Depressionen und anderer psychischer Leiden pro Kopf durchschnittlich 2,4 Fehltage (im ersten Halbjahr 2020 nur 1,1 Tage). „Die Krankenpflege gehört zu den Branchen mit den höchsten Krankenständen“, so Günther. „Hier ist dringend eine wirksame Entlastung der Beschäftigten notwendig.“

Beinahe die Hälfte aller Fehltage lässt sich auf zwei Krankheitsarten zurückführen: An erster Stelle stehen Muskel-Skelett-Probleme, die jeden vierten Fehltag verursachten. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 verzeichneten sie einen Anstieg von dreizehn Prozent. Psychische Probleme nehmen mit einem Anteil von 22,6 Prozent am Krankheitsgeschehen den zweiten Platz ein. Mit 184 Fehltagen je 100 Versicherte liegen sie deutlich über dem Niveau des Vorjahreszeitraums (149 Tage/100-Versicherte).

Ein durchschnittlicher psychischer Krankheitsfall dauerte im Saarland unter Corona-Bedingungen 46,6 Tage, also fast sieben Wochen. Dieser Wert liegt nicht nur deutlich über dem aktuellen Bundesdurchschnitt (39,6 Tage), sondern übersteigt auch, was im Vorjahreszeitraum im Saarland gemessen wurde (44,4 Tage). „Die Pandemie stellt eine Belastung dar, die an kaum jemandem spurlos vorüber geht. Gerade für Menschen mit einer psychischen Erkrankung kann dies eine enorme Herausforderung bedeuten. Was uns als Folge aus den Lockdown-Zeiten noch bevorsteht, können wir heute nur schwer abschätzen.“ Jürgen Günther befürwortet Bestrebungen der Politik, für chronisch psychisch Erkrankte besondere Versorgungsformen zu fördern. „Strukturierte Behandlungsprogramme für Menschen mit Depressionen sind in Vorbereitung. Wir brauchen sie so schnell wie möglich.“

Für die Studie hat das Berliner IGES Institut Daten von mehr als 27.000 bei der DAK-Gesundheit versicherten Arbeitnehmern im Saarland ausgewertet. Eingegangen sind alle Fehlzeiten aus der Zeit von Januar bis einschließlich Juni 2021, für die eine Krankmeldung an die Kasse geschickt wurde.

Vorheriger Artikel„Fit im Alter“: Präventionsprojekt soll Teilhabe und Gesundheit älterer Menschen fördern
Nächster ArtikelZweisprachige, deutsch-französische Kinderakademie im Saarpfalz-Kreis

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.