Der Gersheimer Bürgermeister Michael Clivot rückt beim Entsorgungsverband Saar (EVS) weiter in die erste Reihe. Seit dem 1. Juli 2026 führt er den Vorsitz der Verbandsversammlung, und am 18. August wählten ihn die Mitglieder zum stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Dem Kontrollgremium gehört Clivot bereits seit 2024 an – die laufenden Projekte und die drängenden Fragen des Verbandes sind ihm also längst vertraut.
Der EVS ist alles andere als eine abstrakte Behörde. In der Verbandsversammlung sitzen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister aller 52 saarländischen Städte und Gemeinden. Das Gremium entscheidet über Wirtschaftsplan, Satzungen, den Maßnahmenplan Abwasser, die Geschäftsführung und den Jahresabschluss. Der Aufsichtsrat wiederum überwacht die Geschäftsführung und behandelt die grundlegenden Angelegenheiten des Verbandes.
Für das entgegengebrachte Vertrauen bedankt sich Clivot bei seinen kommunalen Kolleginnen und Kollegen. „Der EVS erfüllt mit der Abwasserreinigung und der Abfallentsorgung Aufgaben, die für den Alltag der Menschen, für den Umwelt- und Gewässerschutz und für die Funktionsfähigkeit unserer Kommunen unverzichtbar sind“, sagt er. Diese Verantwortung wolle er gemeinsam mit allen Beteiligten konstruktiv und verlässlich wahrnehmen.
Ganz oben auf der Agenda steht ein Großvorhaben in Velsen. Dort entsteht das EVS-BioMasseZentrum, in dem künftig jährlich rund 55.000 Tonnen Biogut und etwa 5.000 Tonnen Grüngut verwertet werden sollen. Aus diesen Abfällen gewinnt der Verband Biogas und hochwertigen Kompost. Rund 50 Millionen Euro fließen in die Anlage, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant. Clivot nennt das Projekt „eines der bedeutendsten Zukunftsprojekte des EVS und einen wichtigen Baustein für eine moderne Kreislaufwirtschaft im Saarland“. Nun gehe es darum, den Bau erfolgreich abzuschließen und den Zeit- sowie Kostenrahmen so weit wie möglich zu halten.
Genau dieser Kostenrahmen bereitet ihm Sorgen. Steigende Bau-, Energie-, Personal- und Betriebskosten setzen dem Verband zu, hinzu kommen die wachsenden CO₂-Kosten in der Abfallverwertung. Für Clivot bleibt trotz aller nötigen Investitionen eine bezahlbare Gebührenentwicklung das Ziel. „Neue gesetzliche Anforderungen dürfen nicht ohne eine angemessene Finanzierung allein auf die Kommunen und die Gebührenzahlenden abgewälzt werden“, mahnt er und fordert klare Prioritäten und eine vorausschauende Finanzplanung.
Ein Herzensthema ist für den Bürgermeister einer Grenzgemeinde die Kooperation mit dem französischen Abfallverband Sydeme aus Ostlothringen. Beide Partner arbeiten seit 2011 zusammen, nutzen ihre Anlagen grenzüberschreitend und lasten so Kapazitäten besser aus. „Die Grenze darf dabei kein Hindernis sein“, betont Clivot. Er will die bewährte Partnerschaft fortführen und prüfen, wo sie sich ausbauen lässt.
Doch nicht nur der Müll fordert den Verband. Der EVS muss weiterhin erheblich in Kläranlagen, Hauptsammler und Anlagen zur Regenwasserbehandlung investieren. Starkregen und andere Folgen des Klimawandels erhöhen den Druck auf die Infrastruktur, dazu kommen neue europäische Vorgaben zur Entfernung von Spurenstoffen und zur Energieeffizienz.
Bei all dem legt Clivot Wert darauf, große Städte und kleine ländliche Gemeinden gleichermaßen mitzunehmen. „Der EVS ist ein Gemeinschaftswerk der 52 saarländischen Städte und Gemeinden“, sagt er. Entscheidungen müssten fachlich fundiert, transparent und für die Kommunen umsetzbar sein. Auf die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Holger Schäfer, den Geschäftsführern Holger Schmitt und Thomas Collmann sowie den Beschäftigten und kommunalen Vertretern freue er sich.



















