Wer in Deutschland Busse oder Lastwagen steuert, hält das Land buchstäblich am Laufen – doch ausgerechnet hier fehlt es seit Jahren an Nachwuchs. Mit einer am 27. Mai 2026 vom Bundeskabinett beschlossenen Änderungsverordnung will die Bundesregierung diesen Engpass nun spürbar entschärfen. Die vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) vorgelegte Reform soll Berufskraftfahrerinnen und -fahrer schneller in den Arbeitsmarkt bringen und auch internationale Bewerber gezielt ansprechen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder formuliert den Anspruch deutlich: „Ohne unsere Berufskraftfahrer in der Logistik und im ÖPNV würde Deutschland stillstehen.“ Mit der neuen Verordnung sollen bürokratische Hürden fallen, die bislang viele potenzielle Fahrer abgeschreckt haben. Im Zentrum steht eine konsequente Öffnung der Prüfungs- und Anerkennungswege.
Konkret heißt das: Die beschleunigte Grundqualifikation, bislang ein häufiger Stolperstein für Bewerber mit eingeschränkten Deutschkenntnissen, kann künftig in acht weiteren Sprachen abgelegt werden. Neben Deutsch werden Englisch, Hocharabisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch und Ukrainisch zugelassen. Auch der Sprachenkatalog der theoretischen Fahrerlaubnisprüfung wird ausgeweitet – um Ukrainisch und Kurmandschi.
Ebenso pragmatisch geht der Bund die Anerkennung ausländischer Führerscheine an. Die Ukraine und Montenegro werden in die Fahrerlaubnis-Verordnung aufgenommen, sodass dort erworbene Führerscheine prüfungsfrei in eine deutsche Fahrerlaubnis umgeschrieben werden können. Darüber hinaus sollen Führerscheine aus Drittstaaten, die bereits in einem anderen EU-Land umgetauscht wurden, auch hierzulande automatisch gelten. Für Logistikunternehmen, die seit Jahren mit Anerkennungsverfahren ringen, ist das eine deutliche Erleichterung.
Einen weiteren Hebel setzt das Ministerium bei der praktischen Prüfung an. Statt der bisherigen 210 Minuten soll der praktische Test künftig nur noch 120 Minuten dauern – eine Kürzung um 90 Minuten, die sowohl die Prüforganisationen entlastet als auch die Wartezeiten für Bewerber verkürzen dürfte. Damit folgt der Bund einer Forderung, die aus Verbänden und Fahrschulen seit Längerem zu hören ist.
Schnieder macht allerdings auch deutlich, dass der Staat nicht allein liefern kann. „Unsere Maßnahmen können langfristig nur greifen, wenn die Branche selbst aktiv wird und den Job für Bus- und Lkw-Fahrer attraktiver macht“, mahnt der Minister. Die Reform öffne Türen – durchgehen müssten Speditionen, Verkehrsbetriebe und Logistiker selbst, etwa über bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und moderne Arbeitszeitmodelle.
Dass der Druck wächst, zeigt der Alltag: Im Güterverkehr fehlen bundesweit zehntausende Fahrer, im öffentlichen Personennahverkehr müssen Linien ausgedünnt werden, weil Personal an den Steuern fehlt. Das Inkrafttreten der Änderungsverordnung ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Ob die Maßnahmen ausreichen, um den strukturellen Fachkräftemangel hinter dem Lenkrad zu beheben, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen – die ersten Weichen sind nun gestellt.




















