Es gibt Neuigkeiten aus der Homburger Wirtschaft: Die verkündeten, massiven Restrukturierungsmaßnahmen bei Bosch Rexroth in Homburg wurden nach langen Protesten in den Verhandlungen stark abgemildert. Ebenfalls wurden unbefristete Neueinstellungen durchgesetzt.

Bei Bosch Rexroth am Standort in Homburg werden Komponenten für die Mobil- und Industriehydraulik gefertigt. Anfang September 2020 verkündete das Bosch Rexroth Management die Verlagerung der Sparte Industriehydraulik und den gleichzeitigen Abbau von 155 Arbeitsplätzen in Homburg (wir berichteten). Nach dieser Verkündung entwickelte sich eine enorme Protestbewegung in der Belegschaft und darüber hinaus. Die rund 552 Bosch-Rexroth Beschäftigten demonstrierten der Werkleitung in den folgenden Betriebsversammlungen, was sie von den Arbeitgeberplänen halten. Mit einem schwarzen Holzsarg beerdigten die Arbeitnehmervertreter symbolisch den Homburger Standort und appellierten lautstark, dass ein einfaches Hinnehmen der Planungen nicht akzeptiert wird.

Gemeinsam mit Beschäftigten von Schaeffler und Casar Drahtseilwerk, ebenfalls von Stellenabbau bedroht, bildeten die Arbeitnehmer eine 1,5 km lange Menschenkette zwischen den Werkstoren von Bosch Rexroth und Schaeffler in Homburg. 1.500 Menschen, darunter auch viele Bürger rund um Homburg beteiligten sich an dieser Protestaktion Anfang Oktober 2020.

Bildergalerie: Gegen Personalabbau bei Casar, Bosch-Rexroth und Schaeffler

 

Aufgrund einer lang anhaltenden, guten Auftragslage ist es der Arbeitnehmervertretung gelungen, die Verlagerungsgespräche mit dem Arbeitgeber befristet bis zum 31.01.2021 auszusetzen. Somit konnte die Arbeitnehmervertretung Zeit gewinnen, um konkrete Gegenvorschläge zu entwickeln, berichtet die IG Metall Homburg-Saarpfalz. In dieser Zeit forderte der Betriebsrat auch die Einstellung von neuen Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen. Im Frühjahr 2021 wurden die Gespräche zur Herbeiführung eines Interessenausgleiches und Sozialplan fortgesetzt und nach über einem Jahr nach der Arbeitgeberverkündung wurde eine Einigung erzielt.

„Nach zähen Gesprächen und Verhandlungen mit dem Arbeitgeber ist es uns gemeinsam gelungen, ein Maßnahmenpaket zu schnüren, dass uns für die Zukunft stärken wird“, so Stephan Huber, Betriebsratsvorsitzender von Bosch Rexroth in Homburg. Huber weiter: “Folgendes wurde vereinbart: Die Sparte Industriehydraulik wird zum großen Teil bis 2025 schrittweise ins Bosch Rexroth Werk nach Lohr in Bayern verlagert. Ein Teil der Industriehydraulik-Komponenten wird weiterhin in Homburg gefertigt. Zukünftig werden in Homburg zusätzliche Teilkomponenten gefertigt, die heute noch dem Standort in Lohr zugeordnet sind und nach Homburg verlagert werden. Weiterhin wurden weitreichende Investitionen in die Sparte Mobilhydraulik am Standort in Homburg vorgenommen. Diese Sparte wird auch personell verstärkt. Die Zahl des geplanten Stellenabbaus von insgesamt 155 Beschäftigten konnte in den Verhandlungen auf 80 reduziert werden. Diese Arbeitsplätze werden durch freiwillige Aufhebungsverträge, Vorruhestandsregelungen, verbesserte Altersteilzeit oder Renteneintritte realisiert. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Im Gegenzug haben bis heute 70 befristete Beschäftigte ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bekommen.“

Huber zeigt sich sehr zufrieden: „In der Unternehmensgeschichte von Bosch Rexroth habe ich noch nicht erlebt, dass unmittelbar nach Verlagerungsankündigungen unbefristete Arbeitsverhältnisse durchgesetzt werden konnten. Durch die neuen, motivierten Beschäftigten können wir unseren Altersdurchschnitt stark reduzieren und mit den Investitionen hat unser Standort wieder Zukunftschancen.

„Die Solidarität, die Geschlossenheit der Beschäftigten mit der IG Metall, unser gemeinsamer Protest und kluge Vorschläge haben schlussendlich dazu geführt, dass die Restrukturierungsmaßnahmen stark gemildert wurden und prekär Beschäftigte nun eine sicherere Zukunft haben“, berichtet Martin Zimmer, zuständiger Gewerkschaftssekretär der IG Metall Homburg Saarpfalz. „Damit der Standort aber auch weiterhin gesichert ist, fordern wir das Unternehmen auf, mehr in den Bereich Qualifizierung zu investieren und den Schritt hin zu neuen, innovativen Produkten zu wagen.“

Huber und Zimmer ziehen Bilanz: „Hätte sich die Arbeitnehmervertretung nicht eingemischt, wäre das Aus für den Standort in Homburg besiegelt.“

 

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