Wer in Blieskastel unterwegs ist, sieht sie immer wieder: achtlos abgestellte Müllsäcke, Kartons neben Containern, wilde Ablagerungen an Wegen und Plätzen. Was für manche eine vermeintliche Kleinigkeit ist, bedeutet für Stadt, Umwelt und Steuerzahler einen erheblichen Aufwand. Nun orientiert sich Blieskastel an einem Modell, das in Saarlouis bereits Wirkung zeigt – und bereitet ein schärferes Vorgehen gegen illegale Müllentsorgung vor.
Auslöser ist ein Maßnahmenpaket, das die Kreisstadt Saarlouis Ende vergangenen Jahres vorgestellt hat und das landesweit Beachtung fand. Dort wurden Verwarn- und Bußgelder bei Verstößen gegen die Entsorgungsvorschriften deutlich angehoben, in schweren Fällen sind bis zu 100.000 Euro möglich. Zusätzlich werden Strafverfahren geprüft und Schadensersatz für die Kosten der Beseitigung illegaler Ablagerungen geltend gemacht. Ergänzt wird das durch neue Hinweistafeln zur rechtlichen Absicherung der Verfahren, klar geregelte Einwurfzeiten an Containerstandorten und den unmissverständlichen Hinweis, dass das Abstellen von Abfällen – auch Papier und Kartonagen – neben den Containern verboten ist. Saarlouis setzt außerdem auf regelmäßige Kontrollen durch sogenannte „Mülldetektive“.
Diese Erfahrungen wollte Blieskastel aus erster Hand kennenlernen. Die Stadt entsandte deshalb eine Delegation zu einem interkommunalen Austausch nach Saarlouis. Dort trafen sich Vertreterinnen und Vertreter beider Verwaltungen mit dem Justiziariat und dem Leiter des Ordnungsamtes der Kreisstadt, um sich die neuen Abläufe und Kontrollinstrumente im Detail erläutern zu lassen. Für Blieskastel nahmen der Erste Beigeordnete Patrick Hüther, der derzeit den Bürgermeister vertritt, Verwaltungsdirektor Jens Welsch als Leiter des Hauptdezernats, Brandoberamtsrat Marco Nehlig als Leiter des Sicherheitsdezernats sowie die zuständige Amtsleiterin des Ordnungsamtes, Julia Krämer, teil. Aus dem Umweltdezernat war Charlotte Teichmann dabei, die in Blieskastel für die Containerstellplätze im Stadtgebiet verantwortlich ist.

Im Gespräch berichtete die Saarlouiser Seite von deutlich positiven Effekten. Mit dem neuen Verfahren und dem Einsatz der „Mülldetektive“ sei es gelungen, das Aufkommen und den Beseitigungsaufwand illegaler Müllablagerungen um rund ein Fünftel zu senken. Ein wichtiger Baustein sei dabei die direkte Ansprache von Personen, die gegen die Regeln verstoßen, verbunden mit spürbaren Verwarnungen. Im Mittelpunkt stehe das Ziel eines ordentlichen, sauberen Stadtbildes. Ein weiterer praktischer Nutzen zeige sich beim Baubetriebshof: Weil weniger illegale Ablagerungen aufgenommen, transportiert und entsorgt werden müssten, gingen die Kosten zurück.
Wie groß der Aufwand in Blieskastel derzeit noch ist, zeigen die Zahlen des städtischen Baubetriebshofs. Im vergangenen Jahr fielen dort fast 726 Stunden Arbeitszeit allein für die Beseitigung illegaler Müllablagerungen und die Säuberung von Containerstellplätzen im Stadtgebiet an. Nach dem Austausch in Saarlouis machte Patrick Hüther deutlich, welche Bedeutung das Thema für Blieskastel hat: „Als eine der größten Flächenkommunen im Saarland und als schöne Biosphärenstadt tragen wir eine besondere Verantwortung für Sauberkeit und Ordnung, für unsere Ortsteile, unsere Landschaft und die Lebensqualität der Menschen. Illegale Müllentsorgung ist kein Kavaliersdelikt: Sie schadet Natur und Umwelt, belastet die Allgemeinheit und trifft am Ende die, die sich korrekt verhalten.“
Hüther kündigte an, die gewonnenen Eindrücke nicht einfach abzulegen, sondern systematisch auszuwerten. „Wir werden die in Saarlouis gewonnenen Erkenntnisse sorgfältig auswerten und prüfen, welche Maßnahmen, von klaren Regeln über verständliche Hinweise bis hin zu sichtbaren Kontrollen und konsequenten Sanktionen, auch für Blieskastel geeignet sind. Unser Anspruch ist, für die Bürgerinnen und Bürger spürbar etwas zu bewegen“, sagte der Erste Beigeordnete. Welche konkreten Schritte folgen, soll nun innerhalb der Verwaltung vorbereitet und auf die Bedingungen der Flächenstadt Blieskastel zugeschnitten werden.
Fest steht bereits: Die Stadtspitze sieht in dem Saarlouiser Modell einen praxisnahen Ansatz, um Sauberkeit und Ordnung im öffentlichen Raum zu stärken und gleichzeitig die Belastung des Baubetriebshofs zu verringern. Der interkommunale Austausch soll dabei helfen, Fehler zu vermeiden und Maßnahmen zu übernehmen, die sich andernorts bereits bewährt haben.





















