In vielen Marketingabteilungen gehören Texte von ChatGPT, Grafiken aus Midjourney oder automatisierte Newsletter-Kampagnen längst zum Alltag. Was vor wenigen Jahren noch als Experiment galt, wird heute routiniert eingesetzt – und soll nach Einschätzung vieler Unternehmen in den kommenden Jahren zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb werden.
Das zeigt eine neue Studie des Digitalverbands Bitkom zum Marketing in deutschen Unternehmen, die am 12. Februar 2026 in Berlin vorgestellt wurde. Für die Untersuchung wurden 180 Unternehmen aus dem Netzwerk von Bitkom in Deutschland online befragt. Die Erhebung fand zwischen Kalenderwoche 44 und Kalenderwoche 50 im Jahr 2025 statt. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist, beschreibt sie laut Bitkom ein klares Stimmungsbild zur Zukunft des Marketings.
Demnach sehen 84 Prozent der befragten Unternehmen Künstliche Intelligenz als einen der Trends, die bis Ende 2027 den größten Einfluss auf das Marketing in Deutschland haben werden. „Der Druck auf Marketingabteilungen steigt, weil immer mehr Kanäle, Formate und Zielgruppen parallel mit relevantem, personalisiertem Content bedient werden müssen – und sich Märkte immer schneller verändern“, sagte Dr. Florian Bayer, Bitkom-Experte für digitales Marketing. „Künstliche Intelligenz gewinnt auch deshalb stark an Bedeutung, weil sie Effizienzgewinne ermöglicht und Marketingteams spürbar entlastet.“
Zwei Drittel der Unternehmen gehen noch weiter: 67 Prozent sind überzeugt, dass Marketing ohne den Einsatz von KI künftig nicht mehr erfolgreich sein wird. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) ist der Ansicht, dass generative KI bereits heute einen erheblichen Teil der kreativen Marketingarbeit übernimmt. Gleichzeitig sehen viele Firmen Nachholbedarf in den eigenen Teams. 52 Prozent geben an, dass es in den Marketingabteilungen häufig an den nötigen Kompetenzen fehlt, um KI sinnvoll einzusetzen. „Künstliche Intelligenz ist im Marketing längst kein Nice-to-have mehr, sondern ein zentraler Produktivitätshebel“, erklärte Bayer. „Damit KI ihr volles Potenzial entfalten kann, müssen Unternehmen die Dateninfrastruktur schaffen und gezielt in KI sowie die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden investieren – sonst bleibt es bei Einzelprojekten ohne messbaren Effekt.“
Im Ranking der wichtigsten Trends bis 2027 folgt auf KI mit deutlichem Abstand datengetriebenes Marketing: 62 Prozent der befragten Unternehmen stufen es als prägenden Trend ein. Knapp 39 Prozent sehen Personalisierung als einen der einflussreichsten Entwicklungen. „Daten machen Marketing messbar, ermöglichen Personalisierung und bilden die Grundlage für den wirksamen Einsatz von Künstlicher Intelligenz“, so Bayer. „Diese Trends sind keine separaten Entwicklungen, sondern müssen ineinandergreifen, damit die digitale Transformation im Marketing erfolgreich umgesetzt werden kann.“
Daneben rücken weitere Themen in den Fokus. 35 Prozent der Unternehmen nennen die Customer Experience als zentralen Trend, 31 Prozent verweisen auf Veränderungen im Medien- und Plattformökosystem, etwa durch Konsolidierung oder sinkende Reichweiten. Jeweils 25 Prozent sehen Datenschutz und die Cookieless Future, Social-Media-Marketing sowie Influencer- und Creator-Marketing als relevante Entwicklungen. 23 Prozent erwarten eine wachsende Bedeutung von Events – ob physisch, digital oder hybrid. 19 Prozent stufen Social Commerce als einen der Marketingtrends ein, die bis 2027 den größten Einfluss in Deutschland haben werden.
Eine Schlüsselrolle spielt in vielen Unternehmen die Marketing Automation. Daten und datenbasierte Prozesse bilden laut Studie die Grundlage für automatisierte Abläufe, die durch KI und Personalisierung erweitert und präziser gesteuert werden. Mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen (76 Prozent) sagen, dass Marketing Automation künftig wichtig oder eher wichtig sein wird, für 14 Prozent bleibt ihre Bedeutung unverändert. Bereits heute setzen 43 Prozent Marketing Automation intern ein. „Marketing entwickelt sich zunehmend weg von einer reinen Kreativ- oder Kommunikationsdisziplin hin zu einer daten- und technologiegetriebenen Kernfunktion der Unternehmenssteuerung“, sagte Bayer. „Die Digitalisierung im Marketing wirkt sich damit längst nicht mehr nur auf einzelne Kampagnen aus, sondern auf Prozesse, Strukturen und Entscheidungen im gesamten Unternehmen – das zeigt unsere Studie sehr deutlich.“
Die vollständige Studie „Marketing im digitalen Wandel 2026“ steht zum kostenlosen Download bereit. Grundlage der Auswertung sind die Antworten auf zwei zentrale Fragen: „Welche Trends werden bis Ende 2027 den größten Einfluss auf Marketing in Deutschland haben?“ sowie „Welche der folgenden Aussagen treffen auf Ihr Unternehmen bzw. Ihrer Meinung nach zu bzw. nicht zu?“. Aus Sicht von Bitkom zeichnet sich dabei klar ab, dass KI, Daten und Automatisierung die Leitlinien für das Marketing der kommenden Jahre vorgeben.





















