Anzeige

Deutschland digitalisiert – aber viele Nachbarn ziehen davon. Im neuen Bitkom-DESI-Index für das Jahr 2026 landet die Bundesrepublik unter den 27 EU-Mitgliedstaaten lediglich auf Rang 17. Mit 51,1 Punkten hat sich das Land zwar leicht gegenüber dem Vorjahr verbessert, rutscht im Gesamtvergleich aber dennoch ab: 2025 reichte es noch für Platz 14, im alten DESI-Index der EU-Kommission von 2022 sogar für Rang 13.

Der Grund für den Rückschritt liegt weniger im Stillstand als im Tempo der anderen. „Deutschland macht Fortschritte bei der Digitalisierung, aber andere Länder sind schneller“, fasst Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst zusammen. „Wer im digitalen Wettbewerb nach vorne will, muss nicht nur besser, sondern auch schneller werden.“ Platz 17 könne nicht der Anspruch sein – gefordert seien Politik in Bund und Ländern, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen gleichermaßen.

Anzeige

An der Spitze des Rankings steht Dänemark mit 76,4 Punkten, gefolgt von Finnland, den Niederlanden, Malta und Luxemburg. Am unteren Ende reihen sich Rumänien, Bulgarien und die Slowakei ein. Der Vergleich mit diesen kleinen und mittelgroßen Staaten sei jedoch nur bedingt aussagekräftig, gibt Wintergerst zu bedenken: „Ein großer, föderaler Flächenstaat wie Deutschland lässt sich nur bedingt mit Luxemburg, Estland oder auch Dänemark vergleichen.“ Unter den fünf bevölkerungsstärksten EU-Ländern belegt die Bundesrepublik immerhin Platz 2 – hinter Spanien, aber vor Frankreich, Polen und Italien.

Ein Blick auf die einzelnen Bereiche zeichnet ein gemischtes Bild. Bei der digitalen Transformation der Unternehmen kommt Deutschland auf Rang 11 und führt unter den großen EU-Staaten sogar das Feld an, unter anderem dank einer leicht überdurchschnittlichen Entwicklung bei den Unicorns – also Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro. Auch bei den digitalen Kompetenzen geht es voran: Hier kletterte Deutschland um vier Plätze auf Rang 11. Der Anteil der IT-Fachkräfte liegt mit 5,5 Prozent über dem EU-Schnitt von 5,0 Prozent, ähnlich sieht es bei den Absolventinnen und Absolventen aus IT-Disziplinen aus.

Deutlich schwerer tut sich das Land bei der Nutzung seiner Netze. Bei der „Nutzung der digitalen Infrastruktur“ reicht es nur für Platz 21, weil die meisten Haushalte die an ihrem Standort verfügbaren Superbreitband- und Glasfaseranschlüsse gar nicht in Anspruch nehmen. Lediglich sieben Prozent der Bevölkerung surfen mit mindestens 1.000 Mbit/s. Die 5G-Abdeckung dagegen ist mit 99,5 Prozent der Haushalte überdurchschnittlich hoch.

Am schwächsten schneidet Deutschland bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ab: Platz 22 von 27. Zwar gibt es Fortschritte, etwa bei vorausgefüllten Formularen, doch der Wert bleibt mit 52,0 Punkten weit hinter dem EU-Durchschnitt von 75,9 Punkten zurück. Digitale Verwaltungsangebote nutzen hierzulande 69,6 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer, EU-weit sind es 76,0 Prozent.

Anzeige

Für Wintergerst steht deshalb eine Frage im Zentrum: „Wie bringen wir Deutschland auf einen schnelleren Digitalisierungs- und damit auf einen Wachstumskurs?“ Seine Antwort reicht von Gründungen in 24 Stunden über schnellere Genehmigungen für Rechenzentren und Mobilfunkmasten bis hin zu weniger Bürokratie und digitalen Identitäten. Digitalisierung dürfe kein Stückwerk bleiben, mahnt der Bitkom-Präsident: „Deutschland braucht einen digitalen Nordstern – für mehr Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Souveränität.“

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein