Während viele klassische Industrien mit schwacher Nachfrage und hohen Kosten kämpfen, legt die Digitalwirtschaft weiter zu. Für das Jahr 2026 rechnet der Digitalverband Bitkom mit einem deutlichen Wachstum des deutschen Marktes für Informationstechnik und Telekommunikation. Demnach soll der Umsatz der Branche um 4,4 Prozent auf 245,1 Milliarden Euro steigen – nach rund 235 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Die Branche festigt damit ihre Rolle als wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor.
Auch auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Entwicklung positiv. Die Zahl der Erwerbstätigen im ITK-Sektor soll 2026 um rund 11.000 auf 1,36 Millionen steigen. Ende 2025 waren es 1,349 Millionen Beschäftigte. Die Digitalwirtschaft baut damit ihre Position als größter industrieller Arbeitgeber weiter aus und liegt vor Maschinenbau, Elektro- und Automobilindustrie. „In Zeiten anhaltender Konjunkturschwäche, hoher Kosten und geopolitischer Spannungen zeigt sich die Digitalwirtschaft widerstandsfähig. Das aktuelle Wachstum in Markt und Beschäftigung ließe sich verdoppeln, würden die Rahmenbedingungen stimmen. 2026 muss zum Jahr des Durchbruchs in der Digitalpolitik werden“, sagte Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Er forderte: „Wir müssen weg von Überregulierung und Bürokratie, hin zu schnellen Genehmigungen, praxistauglichen Regeln und einer echten digitalen Verwaltung, die den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen dient, statt ihnen Nerven und Ressourcen zu rauben. Wer Digitalisierung will, muss sie möglich machen – bei Netzen und Rechenzentren ebenso wie bei Plattformen, Künstlicher Intelligenz oder in der Datenwirtschaft.“
Getrieben wird das Wachstum vor allem von der Informationstechnik, insbesondere von Software. Für 2026 erwartet Bitkom in Deutschland IT-Umsätze von 170 Milliarden Euro, ein Plus von 5,8 Prozent. Das Software-Geschäft soll sogar um 10,2 Prozent auf 58,3 Milliarden Euro wachsen. Ein großer Teil entfällt auf Programme für den Betrieb öffentlicher Clouds, mit denen 2026 voraussichtlich 38,3 Milliarden Euro umgesetzt werden – 16,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Stark an Fahrt gewinnt auch Künstliche Intelligenz: Die Umsätze mit KI-Plattformen sollen 2026 um 61 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro steigen, nachdem sie bereits 2025 um 62 Prozent zugelegt hatten. IT-Dienstleistungen kommen nach der Prognose auf 54,3 Milliarden Euro, ein Plus von 3,5 Prozent. Cloudbasierte Services machen mit 35,7 Milliarden Euro inzwischen rund zwei Drittel dieser Umsätze aus. „Cloud und KI verändern die Software- und Service-Märkte grundlegend und werden immer mehr zum Standard für Unternehmen aller Branchen“, sagte Wintergerst.
Auch der Markt für IT-Hardware entwickelt sich laut Bitkom 2026 positiv. Erwartet wird ein Umsatzplus von 3,9 Prozent auf 57,4 Milliarden Euro. Treiber sind vor allem Investitionen in digitale Infrastrukturen. Wichtigster Wachstumsmotor bleibt Infrastructure-as-a-Service, also gemietete Server-, Netzwerk- und Speicherkapazitäten. Dieses Segment soll um 21 Prozent zulegen und damit deutlich stärker wachsen als andere Bereiche. Zuwächse werden zudem bei Workstations (plus 5,1 Prozent), mobilen PCs (plus 4,5 Prozent) und Servern (plus 4,3 Prozent) erwartet. Rückläufig bleiben dagegen Consumer Electronics mit einem Minus von 3,2 Prozent sowie Tablets mit minus 3,5 Prozent. „Der Hardware-Markt profitiert vom Wandel hin zu Cloud- und KI-basierten Architekturen“, erläuterte Wintergerst. „Besonders gefragt sind vor allem leistungsfähige Infrastrukturen und weniger einzelne Endgeräte.“
Im Teilmarkt Telekommunikation rechnet Bitkom 2026 mit einem Umsatz von 75,1 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 1,2 Prozent entspricht. Größter Posten bleiben Telekommunikationsdienste, deren Erlöse um 1,3 Prozent auf 54,1 Milliarden Euro steigen sollen. Das Geschäft mit Endgeräten geht dagegen leicht zurück: minus 1,2 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro, weil Smartphones länger genutzt werden. Deutlich stärker wachsen die Investitionen in Telekommunikations-Infrastruktur, die um 4,6 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro zulegen sollen. „Die Telekommunikationsnetze sind das Rückgrat der digitalen Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung. Nahezu alle Haushalte verfügen heute über 5G, und der Glasfaserausbau kommt mit großen Schritten voran“, so Wintergerst. Um das Tempo zu halten, seien investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und schnellere Genehmigungen nötig. Hier blickt der Verband vor allem auf die anstehende Novelle des Telekommunikationsgesetzes.
Auch die Unternehmen der Branche selbst wollen weiter investieren. Für 2026 planen 22 Prozent der ITK-Firmen höhere Ausgaben als im Vorjahr, 58 Prozent wollen ihr Investitionsniveau halten. Die Mittel fließen vor allem in Software sowie in Forschung und Entwicklung, daneben auch in Ausrüstung und Gebäude. Trotz der insgesamt positiven Umsatzprognosen ist die Lage in den einzelnen Unternehmen jedoch unterschiedlich. Das zeigt der Bitkom-ifo-Digitalindex, der auf der monatlichen ifo-Konjunkturumfrage basiert und Geschäftslage sowie Erwartungen der Digitalbranche zusammenführt. Zum Jahresende 2025 lag der Index mit minus 4,0 Punkten unter der Nulllinie. Während die aktuelle Lage noch leicht positiv bewertet wird (+1,7 Punkte), fallen die Erwartungen mit minus 9,4 Punkten deutlich zurückhaltender aus. Viele Unternehmen stehen damit weiter unter Druck. Gleichzeitig liegt der Digitalindex klar über dem ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland, der zuletzt bei minus 8,5 Punkten lag.
Der Blick auf den Weltmarkt zeigt, dass Deutschland beim Wachstum nicht zur Spitzengruppe gehört. Global sollen die Umsätze mit IT und Telekommunikation 2026 um 6,4 Prozent auf 5,7 Billionen Euro steigen. Am stärksten wachsen nach der Prognose die USA mit plus 9,2 Prozent, gefolgt von China mit 5,5 Prozent, der EU ohne Deutschland mit 5,1 Prozent, Indien mit 4,9 Prozent und dem Vereinigten Königreich mit 4,7 Prozent. Deutschland liegt mit 4,4 Prozent Wachstum unter dem weltweiten Durchschnitt, Japan kommt nur auf 1,1 Prozent. 41 Prozent der weltweiten ITK-Ausgaben entfallen auf die USA, die damit ihre dominante Stellung gegenüber China weiter ausbauen. China kommt auf 11 Prozent Marktanteil, Japan auf 4,4 Prozent. Deutschland erreicht 3,9 Prozent, das Vereinigte Königreich 3,8 Prozent, Indien 2,4 Prozent. Auf die EU ohne Deutschland entfallen 11 Prozent des globalen ITK-Marktes.
Aus Sicht von Bitkom zeigt die internationale Entwicklung, dass Wachstum vor allem dort entsteht, wo Investitionen in digitale Infrastrukturen und neue Technologien erleichtert werden. „Die Dynamik der Weltmärkte macht deutlich, dass Wachstum vor allem dort entsteht, wo Investitionen in digitale Infrastrukturen und neue Technologien erleichtert werden. Für Deutschland und Europa heißt das, die Investitionsbedingungen hier am Standort verbessern“, sagte Wintergerst. 2026 müsse zum Jahr des digitalen Durchbruchs werden. Die Digitalisierung biete die Chance, Wachstum zu schaffen, die staatliche Leistungsfähigkeit zu erhöhen und den Standort Deutschland resilient und krisenfest zu machen. Voraussetzung seien weniger Bürokratie, „Smart Regulation“ statt Überregulierung und eine zügige Umsetzung bereits beschlossener Vorhaben.
Als zentrale Projekte nennt Bitkom die Einführung der Eudi-Wallet als digitale Brieftasche in einem Jahr. „Die Eudi-Wallet ist die Grundvoraussetzung für den flächendeckenden Einsatz digitaler Identitäten, sichere digitale Geschäftsprozesse und Verwaltungsleistungen – und ist damit ein Schlüsselprojekt für Europa“, sagte Wintergerst. Wichtig sei außerdem die Veröffentlichung der von der Koalition geplanten Rechenzentrumsstrategie inklusive Energiepreis-Entlastung für die energieintensive Digitalwirtschaft. Ebenso zentral seien der weitere schnelle Ausbau digitaler Infrastrukturen sowie der Aufbau von Cloud- und KI-Infrastrukturen. „Digitale Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität entscheiden darüber, ob Deutschland auch künftig wirtschaftlich erfolgreich und politisch handlungsfähig ist“, so Wintergerst. Grundlage der Bitkom-Prognosen sind Daten von Bitkom Research, öffentlich zugängliche Statistiken, externe Analysen sowie Experteninterviews im Bitkom-Netzwerk. Der Bitkom-ifo-Digitalindex berücksichtigt Unternehmen aus verarbeitendem Gewerbe, Handel und Dienstleistungssektor der Digitalbranche und wird nach Beschäftigtenzahl gewichtet.




















