Wenn morgens der Wasserhahn aufgedreht wird, denkt kaum jemand an die Distanz, die dieses Wasser bereits zurückgelegt hat. Dabei erstreckt sich das deutsche Trinkwassernetz über eine schwer greifbare Länge: 534.000 Kilometer Leitungen ziehen sich unter Straßen, Feldern und Städten hindurch. Das teilt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in seinem aktuellen Zahlencheck mit.
Um diese Dimension zu veranschaulichen, hilft ein Blick auf den Globus. Mit den verlegten Leitungen ließe sich die Erde mehr als 13-mal umrunden. Durch dieses weitverzweigte System fließen Jahr für Jahr rund 4,7 Milliarden Kubikmeter Wasser in Haushalte, Gewerbe und Industrie. Umgerechnet sind das 4.700 Milliarden Liter, die zuverlässig ihren Weg finden müssen.
Damit diese Versorgung auch künftig verlässlich bleibt, greifen die Wasserversorger tief in die Tasche. Rund vier Milliarden Euro fließen jährlich in die öffentliche Wasserversorgung. Der Löwenanteil landet dabei im Netz selbst: Mehr als 60 Prozent, also etwa 2,5 Milliarden Euro, gehen in die Instandhaltung und den Ausbau der Trinkwasserleitungen. Die übrigen Mittel verteilen sich vor allem auf Gewinnung, Aufbereitung und Speicherung.
Doch der Investitionsbedarf dürfte weiter steigen. Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer für den Bereich Wasser und Abwasser, sieht die Branche vor wachsenden Herausforderungen. \u201eAuch in den kommenden Jahren sind hohe Investitionen nötig, um die Trinkwasserversorgung selbst bei zunehmenden Extremwetterereignissen in gewohnt hoher Qualität sicherzustellen\u201c, erklärt er.
Der Klimawandel bleibt dabei längst kein abstraktes Szenario mehr, sondern schlägt sich konkret in den Bilanzen nieder. Eine Pilotstudie von BDEW und DVGW kommt zu dem Ergebnis, dass allein durch die Folgen des Klimawandels in den nächsten zehn Jahren zusätzliche Investitionen zwischen 3,2 und 13,5 Milliarden Euro anfallen könnten. Die Spanne zeigt, wie schwer sich die künftige Belastung heute exakt beziffern lässt.
Für Weyand ergibt sich daraus eine klare Handlungsaufforderung. \u201eWir müssen deshalb heute die richtigen Investitionsentscheidungen treffen, um unsere Wasserinfrastruktur resilient und zukunftsfest aufzustellen\u201c, betont er. Damit dies gelinge, müsse auch die Wasserwirtschaft von den Infrastrukturfördermitteln des Bundes profitieren \u2013 ein Appell, der die politische Dimension der Debatte deutlich macht.





















