Symbolbild

Die deutschen Stromnetze stehen unter Druck wie nie zuvor. Jahr für Jahr müssen die Netzbetreiber mehr als eine Million neue Anlagen und Verbraucher in ihre Systeme einbinden, während sie gleichzeitig für einen störungsfreien Betrautrieb rund um die Uhr sorgen. Beim Fachkongress „Treffpunkt Netze 2026“ macht der Branchenverband BDEW deshalb deutlich, worauf es jetzt ankommt: klare Regeln, verlässliche Investitionsanreize und vor allem weniger Bürokratie.

„Die Anforderungen an unsere Netze verändern sich in einem enormen Tempo“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Netzanschlusspaket, EEG, Gaspaket und neue Regulierungen würden derzeit gleichzeitig neu justiert. Das sei notwendig, so Andreae, doch die einzelnen Vorhaben müssten am Ende auch zusammenpassen und in der Praxis funktionieren.

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Wie groß die Herausforderung tatsächlich ist, zeigen die nackten Zahlen. Allein im vergangenen Jahr gingen rund 1,5 Millionen Photovoltaik- und Windkraftanlagen, Ladesäulen sowie Batteriespeicher neu ans Netz. Das summiert sich auf eine zusätzliche Anschlussleistung von etwa 28 Gigawatt. Hinzu kommen wachsende Bedarfe aus der Industrie, allen voran durch den boomenden Bau von Rechenzentren. Die Netzbetreiber müssen also zwei Dinge zugleich leisten: vorhandene Kapazitäten fair und effizient verteilen und mit Hochdruck neue schaffen.

Genau an dieser Stelle setzt das geplante Netzpaket an. Weil immer mehr Antragsteller um knappe Anschlusskapazitäten konkurrieren, gerät das bislang übliche Windhund-Prinzip an seine Grenzen. Der BDEW fordert deshalb transparente und rechtssichere Verfahren für die Vergabe. Zugleich warnt der Verband davor, sich allein darauf zu verlassen: Bessere Zuteilungsregeln könnten den eigentlichen Netzausbau nicht ersetzen.

Und dieser Ausbau bewegt sich in Dimensionen, die es so noch nicht gegeben hat. Die Bundesnetzagentur beziffert den Investitionsbedarf der größeren Verteilnetzbetreiber bis 2045 auf rund 207 Milliarden Euro, dazu kommen etwa 30 Milliarden Euro für Ersatzinvestitionen und Rückbau. Schon 2025 flossen rund elf Milliarden Euro in die Verteilnetze und weitere 22,2 Milliarden Euro in die Übertragungsnetze. Für 2027 rechnet der BDEW mit rund 40 Milliarden Euro insgesamt, mehr als das Vierfache des Wertes von 2021, als es noch 9,7 Milliarden Euro waren.

Ermutigend liest sich dagegen die Bilanz bei der Digitalisierung. Zum Stichtag 30. Juni 2026 waren bundesweit rund 3,17 Millionen intelligente Messsysteme installiert. Bei den verpflichtenden Einbaufällen liegt die Ausstattungsquote inzwischen bei 26,1 Prozent, deutlich über der gesetzlich geforderten Marke von 20 Prozent zum Ende des Jahres 2025. Der Smart-Meter-Rollout komme spürbar voran, betont Andreae, warnt aber davor, diesen Schwung durch neue Komplexität wieder auszubremsen. Vereinfachungen etwa bei Quotenregelungen oder im Eichrecht seien dringend nötig.

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Für das nötige Tempo appelliert der Verband schließlich an die Politik. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten beschleunigt werden, gerade im Bereich der Hochspannung. Das angekündigte Verteilnetzbeschleunigungsgesetz solle noch 2026 auf den Weg kommen. Auch die Gasnetze dürften dabei nicht vergessen werden: Sie würden noch über Jahrzehnte für eine sichere Versorgung gebraucht und müssten zugleich auf künftige Strukturen vorbereitet werden, so der Verband.

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