Die Zahl der Baugenehmigungen zieht wieder an – doch von einer echten Trendwende beim Wohnungsbau kann keine Rede sein. Zwischen Januar und Juni 2026 haben die Behörden bundesweit rund 126.300 Wohnungen genehmigt. Das ist ein Zuwachs von 15,1 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 und klingt zunächst nach Aufbruch. Der Blick auf die Vergangenheit ernüchtert jedoch: Das Niveau entspricht dem des ersten Halbjahres 2011.
„Die Halbjahresbilanz fällt zwiespältig aus“, ordnet Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, die frisch veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes ein. Denn eine Genehmigung auf dem Papier bedeutet noch lange keinen Spatenstich. Die Auftragseingänge bleiben fragil, gebaut wird nach wie vor zu wenig.
Dass sich daran kurzfristig kaum etwas ändern dürfte, legt die Stimmung in der Branche nahe. Mehr als ein Drittel der befragten Wohnungsbauunternehmen rechnet laut Ifo-Konjunkturumfrage im zweiten Halbjahr sogar mit einer ungünstigeren Entwicklung. Hohe Zinsen und gestiegene Baukosten halten den Sektor weiter fest im Griff. Für Müller ist die Lage eindeutig: Es brauche mehr Initiativen der Bundesregierung gegen eine Wohnkrise, die inzwischen seit über fünf Jahren andauere.
Ein genauerer Blick auf die einzelnen Segmente zeigt Licht und Schatten. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern wurden rund 31.700 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 15,9 Prozent – wenngleich auf niedrigem Ausgangsniveau. Entscheidend für die Versorgung der Bevölkerung ist allerdings der Mehrfamilienhausbau, auf den zwei Drittel des Neubaus entfallen. Hier stieg das Genehmigungsvolumen um 16,9 Prozent auf etwa 67.000 Wohnungen.
Müller erwartet, dass die Wohnraumknappheit angesichts des hohen Bedarfs zu einem zentralen Thema der kommenden Landtagswahlen wird. Seine Position dazu ist klar formuliert: Der Mangel lasse sich allein durch stärkeren Neubau, Nachverdichtung und Aufstockung bekämpfen. Von einer schärferen Mietenregulierung oder „Vergesellschaftungsfantasien“ hält er dagegen wenig – sie schafften nur neue Unsicherheiten für öffentliche wie private Unternehmen, aber keinen einzigen zusätzlichen Wohnraum.
Stattdessen richtet der Verband konkrete Forderungen an die Politik. Der Bund solle vor allem bei der Finanzierung ansetzen und endlich einen „BauTurbo II“ vorlegen – mit einer neuen Förderkulisse für EH55-Gebäude, einer erhöhten Sonderabschreibung und eigenkapitalunterstützenden Darlehen. Auch das Gesetz für den Gebäudetyp E müsse nach der Sommerpause zügig das Parlament passieren. Die Länder wiederum seien gefragt, einfaches Bauen über ihre Landesbauordnungen zu ermöglichen und unnötige Anforderungen an neue Gebäude zu streichen. Bund und Länder, so das Fazit, müssten Bauen ermöglichen statt verhindern.





















