unknown persons standing outdoors
Symbolbild Foto: Dim Hou
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Wenn das Bundeskabinett heute das erste Gesetz zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe beschließt, sieht die Arbeiterwohlfahrt darin vor allem eines: einen empfindlichen Rückschritt für die Inklusion junger Menschen. Der Wohlfahrtsverband warnt, dass die geplanten Einschnitte gerade jene Familien treffen, die auf verlässliche Unterstützung angewiesen sind – und dass ausgerechnet im Saarland die Folgen besonders hart ausfallen könnten.

Der Hintergrund der Reform ist finanzieller Natur. Weil die kommunalen Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe seit Jahren steigen, plant die Bundesregierung, individuelle Hilfen künftig zu begrenzen – vor allem dort, wo Bedarfe komplex sind. Ob dieser Sparkurs am Ende tatsächlich Geld spart, zieht die AWO jedoch grundsätzlich in Zweifel.

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Dabei gibt es durchaus einen Teil der Reform, den der Verband ausdrücklich begrüßt. Ab 2028 sollen die Jugendämter für alle Kinder und Jugendlichen zuständig sein, unabhängig von einer Behinderung. Damit endet eine jahrzehntelange Trennung zwischen Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe, die Familien bislang durch einen kaum durchschaubaren Zuständigkeitsdschungel schickte. Diese „Hilfen aus einer Hand“ fordert die AWO seit Langem.

Die Kritik richtet sich weniger gegen das Ziel als gegen den Weg dorthin. Verantwortung werde in Strukturen verschoben, die schon jetzt unter Personalmangel und finanzieller Überlastung ächzen, ohne dass die Jugendämter dafür die nötigen Mittel erhielten. „Inklusion ist kein Sparprojekt. Wird sie als eines angelegt, scheitert sie in der Praxis“, so die Position des Verbandes. Eine im Juni vorgelegte Untersuchung des Bundesverbandes zeige zudem, dass die finanziellen Mehrwerte solcher Hilfen ihre Kosten bereits kurz- bis mittelfristig übersteigen.

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Für AWO-Landesgeschäftsführer Jürgen Nieser steht fest, dass die Reform die Chancen junger Menschen im Saarland verschlechtert. „Die AWO ist sicher, dass Kinder, Jugendliche und Eltern dann nicht mehr bedarfsgerecht unterstützt, sondern auf bestehende und unzureichende Angebotsstrukturen verwiesen werden. Das ist kein Weg, den die AWO mittragen kann“, sagt er.

Besonders alarmierend erscheint die Ausgangslage im Saarland. Die Armutsgefährdungsquote der Gesamtbevölkerung lag 2024 bei 20,8 Prozent und damit deutlich über dem Bundeswert. Noch drastischer sieht es bei den Jüngsten aus: Rund 44.000 Kinder unter 18 Jahren – 28,3 Prozent – lebten im Land unterhalb der Armutsgrenze, bundesweit sind es 20,7 Prozent. Mehr als jedes vierte saarländische Kind ist damit arm oder von Armut bedroht, bei Alleinerziehenden liegt die Quote bei rund 40 Prozent.

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Gerade Familien mit geringem Einkommen könnten fehlende Hilfen nicht aus eigener Tasche ersetzen. „Wo eine Hilfe zur Erziehung wegfällt und stattdessen auf ein Regelangebot verwiesen wird, das den Bedarf nicht deckt, entsteht keine Ersparnis, sondern eine Lücke“, warnt Nieser. Armut verfestige sich so über Generationen hinweg. Sein Fazit klingt nüchtern und deutlich zugleich: „Wer Geld hat, organisiert Unterstützung privat. Alle anderen bleiben ohne.“

Die AWO appelliert deshalb an den Gesetzgeber, die Reform daran zu messen, was Kinder, Jugendliche und Eltern tatsächlich benötigen – und nicht daran, was sich kurzfristig einsparen lässt. Ihre Hoffnung ruht nun auf kritischen Fragen im Bundesrat.

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