Foto: SOD/ Benedikt Ziegler

Eine Olympiamedaillengewinnerin, die selbst ins Schwitzen kommt: Anna-Maria Wagner hat das Aufwärmprogramm der Judo-Wettbewerbe bei den Special Olympics Nationalen Spielen im Sportzentrum Homburg-Erbach nicht nur angeleitet, sondern Schritt für Schritt mitgemacht. Mit dem Mikrofon in der Hand führte die zweimalige Olympia-Dritte rund sechzig Athletinnen und Athleten eine halbe Stunde lang durch Rollen, Sprünge, Drehungen und gezielte Judoübungen. Anschließend ging es für die Weltmeisterin von 2021 und 2024 erst einmal unter die Dusche – der dicke Judoanzug und die warme Halle hatten ihren Tribut gefordert.

Ihre Rolle als Botschafterin von Special Olympics nimmt die 30-Jährige sichtlich ernst. Wer sie im Umgang mit den Sportlerinnen und Sportlern erlebt, spürt, wie viel Herzblut in jeder Geste steckt. Judo-Wettkampfleiterin Marina Müller findet kaum die richtigen Worte dafür: „Sie hat gleich gesagt, sie will an allen drei Finaltagen dabei sein. Sie wollte alle Siegerehrungen mitmachen, damit nicht ein Teil der Teilnehmenden enttäuscht wird. Das ist so toll, da fehlen mir die Worte.“ Neben dem Anleiten der Aufwärmrunde stand für Wagner deshalb auch das Begleiten der Siegerehrungen fest im Kalender.

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Vor zwei Jahren hatte Special Olympics Nordrhein-Westfalen bei ihr angefragt, ob sie als Botschafterin antreten möchte. Sie sagte zu – und bereut diese Entscheidung keine Sekunde. „Das Schönste für mich ist dabei, dass ich den Athleten etwas mitgeben kann“, erzählt sie. „Und es freut mich so, wenn ich in begeisterte Gesichter schauen kann.“ Über die Großereignisse hinaus engagiert sie sich kontinuierlich als Trainerin der Special Olympics Leistungsgruppe in Nordrhein-Westfalen. Die Entwicklung der Aktiven beeindruckt sie immer wieder neu: motiviert, lustvoll, von Einheit zu Einheit ein Stück besser.

Von der Dimension der Spiele im Saarland ist sie regelrecht überwältigt. „Die Stimmung ist so toll hier, es ist so schön, wie sich alle treffen beim gemeinsamen Essen oder bei der Athleten-Disco. Viele kennen sich schon und feiern ihre Begegnungen. Es ist ein riesen Event. So groß habe ich es mir gar nicht vorgestellt“, staunt sie. Im Homburger Sportzentrum sorgte etwa eine große Schülergruppe für eine derartige Lautstärke, dass das eigene Wort zeitweise im Jubel unterging. Ein Effekt, der sich auszahlt: Rund 100 Schulklassen hatten sich im Vorfeld inhaltlich mit den Spielen beschäftigt und feuern nun verteilt auf die verschiedenen Wettkampfstätten an.

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Was der Sport bei den Aktiven bewirkt, beobachtet Wagner mit großem Respekt. „Ich sehe ja, wie sie sich durch ihren Sport entwickeln. Wie das Selbstbewusstsein steigt und wie der Sport mehr und mehr Sicherheit gibt.“ Eine Erfahrung, die sie aus ihrer eigenen Laufbahn nur zu gut kennt. Als emotionalen Höhepunkt nennt sie ihren Auftritt als Fahnenträgerin des Team Deutschland bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. „Natürlich war das ein Highlight, das konnte man ja auch gar nicht planen wie den Sport, wo man sich Ziele setzt.“ Schon die Nominierung unter die drei Kandidatinnen hatte sie überrascht, der Sieg in der Abstimmung von Öffentlichkeit und Sportlerinnen und Sportlern überwältigte sie. Sportlich bleiben die beiden Medaillen der pandemiebedingt verschobenen Spiele von Tokio 2021 ihr persönlicher Gipfel.

Seit ihrem Rücktritt vom Leistungssport im Jahr 2025 widmet sich Anna-Maria Wagner einem Studium der Betriebswirtschaft und des Hotelmanagements – ein Weg, den ihr das Hotel der Familie schon in Kindheit und Jugend vorgezeichnet hat. Fit hält sie sich heute mit Radfahren, Laufen und Krafttraining, nicht mehr auf der Judomatte. Dass sie dabei in Form geblieben ist, war im Homburger Sportzentrum nicht zu übersehen.

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