Am Amazon-Standort Frankenthal hat die Gewerkschaft ver.di bei der Betriebsratswahl eine absolute Mehrheit errungen. Die Liste „ver.di – We are the workers“ setzte sich mit 770 Stimmen gegen neun konkurrierende Listen durch und sicherte sich damit die Mehrheit der Sitze im neuen Betriebsrat. Für die Beschäftigten des Logistikzentrums in der Pfalz markiert das Ergebnis einen Wendepunkt – und für ver.di einen Erfolg, der weit über den einzelnen Standort hinausreicht.
Die Wahl erstreckte sich über zwei Tage, vom 4. bis zum 5. Mai 2026. Insgesamt zehn Listen traten an, 38 Beschäftigte kandidierten auf der ver.di-Liste. Dass sich die gewerkschaftlich organisierte Belegschaft in einem Unternehmen durchsetzen konnte, das seit Jahren wegen hohen Leistungsdrucks und rigider Arbeitsbedingungen in der Kritik steht, verleiht dem Ergebnis eine Signalwirkung für die gesamte Amazon-Belegschaft in Deutschland.
Spitzenkandidat Faisal Abdullahi fand nach der Auszählung deutliche Worte: „Heute hat das System der Angst bei Amazon verloren. Wir halten Amazon Tag für Tag am Laufen. Die Hoffnung auf ein besseres Amazon hat gewonnen.“ In diesen drei Sätzen verdichtet sich, was viele Beschäftigte am Standort seit langem umtreibt – das Gefühl, trotz enormer körperlicher Belastung nicht ausreichend gehört zu werden. Die Wahl war für sie offenkundig mehr als ein formaler Akt der betrieblichen Mitbestimmung.
Monika Di Silvestre, Landesfachbereichsleiterin von ver.di Handel Rheinland-Pfalz-Saarland, ordnete das Ergebnis gewerkschaftspolitisch ein: „Dieses Ergebnis ist ein klares Signal. Die Beschäftigten bei Amazon schließen sich in ihrer Gewerkschaft ver.di zusammen. Das ist ein Meilenstein in ihrem Kampf für bessere Arbeitsbedingungen bei Amazon in Deutschland.“ Tatsächlich galt die gewerkschaftliche Organisierung bei dem US-Konzern lange als besonders schwierig. Amazon setzt traditionell auf eigene Kommunikationskanäle zur Belegschaft und steht dem Modell der deutschen Mitbestimmung reserviert gegenüber.
Im Zentrum des Wahlkampfs standen zwei Themen, die den Arbeitsalltag in den Logistikzentren des Konzerns prägen: der Wunsch nach Respekt und die Belastung durch permanenten Leistungsdruck. Dass sich eine klare Mehrheit der Wählerinnen und Wähler für die ver.di-Liste entschied, zeigt, dass viele Beschäftigte die bestehenden Verhältnisse nicht länger stillschweigend akzeptieren wollen. Stattdessen setzen sie auf eine Interessenvertretung, die ihre Anliegen mit dem nötigen Nachdruck in die betrieblichen Verhandlungen trägt.
Mit der absoluten Mehrheit im Betriebsrat verfügen die gewählten ver.di-Vertreterinnen und -Vertreter nun über eine starke Verhandlungsposition. Die Aufgabe, die vor ihnen liegt, ist allerdings nicht weniger anspruchsvoll als der Wahlkampf selbst: Konkrete Verbesserungen im Arbeitsalltag durchzusetzen, die Mitbestimmung am Standort Frankenthal zu stärken und den Beweis zu erbringen, dass gewerkschaftliche Arbeit bei Amazon tatsächlich etwas verändern kann. Für die Beschäftigten in der Pfalz hat dieser Weg mit dem 5. Mai 2026 begonnen.






















