Wie kann aus einem Brief über Landesgrenzen hinweg ein Stück Grundbildung werden? Mit dieser Frage haben sich Ende Oktober 32 Lehrkräfte aus sechs Ländern in der Europäischen Akademie Otzenhausen beschäftigt. Vom 29. bis 31. Oktober 2026 ging es bei dem internationalen eTwinning-Kontaktseminar vor allem darum, wie grenzüberschreitende Schulprojekte die Basiskompetenzen von Kindern in der Primarstufe sowie den Klassenstufen 5 und 6 stärken können.
Bildungsstaatssekretärin Jessica Heide brachte den Grundgedanken auf den Punkt: „Europa beginnt in den Köpfen und Herzen unserer Jüngsten.“ Internationale Kooperationen, so Heide, öffneten den Blick für neue Perspektiven und machten Kindern Lust, die Welt zu entdecken. Entscheidend sei der echte Anlass: „Wenn ein Kind einem Kind in einem anderen Land schreibt, wird ganz nebenbei gelesen, geschrieben, geplant, gerechnet und recherchiert.“ Der Einstieg sei bewusst niedrigschwellig gehalten – nötig seien im Grunde nur eine Idee und ein Gegenüber.
Im Zentrum der drei Tage standen der fachliche Austausch und die Arbeit an gemeinsamen Projektideen. In Workshops zu Themen wie „Stark im Netz“, Storytelling und „Medienkompetenz macht Schule“ probierten die Teilnehmenden praxisnahe Wege aus, um grundlegende Fertigkeiten mit digitaler Bildung zu verbinden. Die Lehrkräfte kamen aus dem Saarland, aus Rheinland-Pfalz sowie aus Frankreich, Polen, Tschechien und der Türkei.
Sechs Pädagoginnen und Pädagogen reisten aus dem Saarland an. Vertreten waren die Kirchbergschule Schwalbach, die Gemeinschaftsschule Kleinblittersdorf, die Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle, die Johannes-Kühn-Grundschule Hasborn und die Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule. Organisiert wurde das Treffen gemeinsam mit Rheinland-Pfalz, dem Pädagogischen Austauschdienst (PAD) und dem Bildungscampus Saarland. Nachdem das Saarland im September 2025 ein erstes Seminar in Saarbrücken federführend ausgerichtet hatte, lag die Verantwortung diesmal bei Rheinland-Pfalz.
Dass der europäische Gedanke bereits im Klassenzimmer wachsen kann, betonte Bildungsministerin Dr. Ute Eiling-Hütig. „Der europäische Gedanke lebt davon, dass Menschen einander begegnen, voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen“, erklärte sie. Lernten Schülerinnen und Schüler über Grenzen hinweg, entdeckten sie Offenheit, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft, Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Bewusst rückte das Seminar die Grundschule in den Fokus, denn in den ersten Schuljahren werde das Fundament für erfolgreiches Lernen gelegt – und gerade dann seien Kinder besonders neugierig auf die Welt.
Die Beteiligten wollen die Zusammenarbeit fortsetzen, um die Schulen der Region enger zu vernetzen und internationale Bildungsprojekte dauerhaft zu tragen. Möglich macht das eTwinning, Teil des europäischen Programms Erasmus+. Über die European School Education Platform arbeiten Schulen in einem geschützten digitalen Raum mit Einrichtungen aus anderen Ländern zusammen. Kinder treten so direkt mit Partnerklassen in Kontakt, bearbeiten gemeinsame Aufgaben, wenden Fremdsprachen an und lernen andere kulturelle Blickwinkel kennen. Aus den digitalen Kontakten können später auch persönliche Begegnungen werden, etwa im Rahmen von Erasmus+ oder des Interreg-Projekts Engagement’GR.




















