Die Bundesnetzagentur will die Kapitalverzinsung für Gasnetze erst im Jahr 2027 festlegen – und erntet dafür Zustimmung aus der Energiewirtschaft. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wertet den Beschluss als deutliches Zeichen, dass die Behörde die Sorgen der Branche ernst nimmt. Für die Betreiber der Gasinfrastruktur hängt an dieser Entscheidung viel.
„Es ist ein wichtiges Signal, dass die Bundesnetzagentur die Argumente der Branche aufgreift und bei der Kapitalverzinsung für die Gasnetze die aktuellen Entwicklungen an den Kapitalmärkten berücksichtigen will“, erklärte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Der Verband sehe sich mit seinen Sachargumenten gehört. Der spätere Zeitpunkt der Festlegung erlaube es, aktuellere Marktdaten einzubeziehen und notwendige Investitionen besser abzusichern.
Hinter der technisch anmutenden Debatte steht eine grundlegende Weichenstellung. Die sogenannte WACC-Festlegung bestimmt, wie hoch die Rendite ausfällt, die Netzbetreiber auf ihr eingesetztes Kapital erwirtschaften dürfen. Diese Größe entscheidet mit darüber, ob und in welchem Umfang in die Netze investiert wird – und sie fällt in eine Phase, in der sich das gesamte Gassystem im Umbruch befindet.
Die Netzbetreiber müssen derzeit abwägen, welche Leitungen in Zukunft noch gebraucht werden und wo Anpassungen nötig sind. Parallel dazu gilt es, die Versorgung sicherzustellen und dort gezielt Mittel einzusetzen, wo die Infrastruktur langfristig Bestand haben soll. Andreae nennt als Beispiele den Einsatz von Biomethan und die Einbindung klimaneutraler Gase. All das koste viel Geld und setze verlässliche Finanzierungsbedingungen voraus.
Für den BDEW muss sich die Finanzierung der Netze deshalb konsequent an den realen Marktbedingungen ausrichten. Nur so ließen sich Investoren überhaupt gewinnen. Eine Entscheidung kurz vor Beginn der neuen Regulierungsperiode, gestützt auf frischere Marktdaten, sei ein Schritt in die richtige Richtung. Der Behörde eröffne sich damit die Möglichkeit, im kommenden Jahr angemessene Rahmenbedingungen festzulegen.
Andreae pocht nun darauf, die gewonnene Zeit zu nutzen. Ziel müsse eine Verzinsung sein, die angemessen, international wettbewerbsfähig und auf die Transformationsaufgaben der Gasnetze zugeschnitten ist. Die Branche signalisierte dafür Gesprächsbereitschaft: Man stehe für weitere Konsultationen und vor allem für den fachlichen Austausch bereit.




















