Rund 60 Gäste ließen sich im Mannlichsalon des Edelhauses Schwarzenacker auf eine literarische Reise ein, die von Deutschland über Argentinien bis nach Europa führte. Im Mittelpunkt des Abends stand das bewegte Leben der Übersetzerin und Schriftstellerin Edith Aron – vorgetragen vom Ilmenauer Rezitator Martin Strauch und begleitet vom DUO SOL.
Strauch, Goethespezialist und Römerfan, hatte das Homburger Publikum bereits vor zwei Jahren mit seiner Lesung zu „Reinecke Fuchs“ im Stadtarchiv überzeugt. Diesmal entführte er die Zuhörenden mit stimmgewaltigem Vortrag in die Lebenswelt Edith Arons und griff dabei auf deren Übersetzungen von Jorge Luis Borges, Xavier Domingo und Julio Cortázar zurück. Auch persönliche Briefe Arons an Ralph Schock gehörten zum Programm.
Ein roter Faden zog sich durch den Abend: das Bild des Koffers, den jeder Mensch mit seinen Erinnerungen, Schicksalen und Träumen mit sich trägt. Zwischen „falschen Häusern“, „schwierigen Familienverhältnissen“ und phantastischen Figuren wie dem „Golem“ wurde Arons Weg greifbar. Ergänzend las Strauch Ausschnitte aus Paul Zechs Exilroman „Michael M. irrt durch Buenos Aires“ – ein Werk jenes antifaschistischen Autors, der bereits 1933 in Argentinien Zuflucht gefunden hatte.

Das DUO SOL legte unter die Texte eine eigene Klangwelt. J.N.R. Wiedemann, Homburger Künstler und Musiker, lockte seinen Flöten und Klangspielen Vogelstimmen und Paradieslandschaften ab, während Dietmar Kunzlar mit wechselndem Gesang und Gitarrenspiel die Stimmung trug. Mal stürmisch, mal verträumt – die Musik führte das Publikum weg vom Alltag.
Simone Lukas, ehrenamtlich verantwortlich für die Städtepartnerschaften Homburgs mit Ilmenau und La Baule, hatte den Abend organisiert und verabschiedete die Gäste mit einer Ermutigung. Jeder trage seinen eigenen Koffer voller Erlebnisse mit sich, so Lukas sinngemäß, und es lohne sich, ihn gemeinsam mit anderen zu öffnen, zu erzählen und zuzuhören. „Mit offenem Herzen aufeinander zuzugehen, Positives mit sich mitzunehmen“, gab sie den Zuhörenden mit auf den Weg in die Nacht.
Zur Einführung hatte Peter Fuchs das Publikum auf Arons dramatische Lebensgeschichte eingestimmt und die Bedeutung der kulturellen Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten betont. Für das leibliche Wohl sorgten Abiturientinnen des Saarpfalz-Gymnasiums, die zugleich das jüngere Publikum vertraten. Unter den Gästen fanden sich auch Bekannte Edith Arons und ihrer Familie, was dem Abend zusätzliches Gewicht verlieh.
Mehr als zwei Stunden hielt das Publikum aufmerksam durch und kam im Anschluss leicht ins Gespräch. Mit Sherwins „A Nightingale Sang in Berkeley Square“ und anhaltendem Applaus klang der Abend aus – und hinterließ, so der Eindruck der Veranstalter, bewegte Gemüter und viel Inspiration.




















