Wie fühlt sich der Alltag einer Pflegefachkraft wirklich an? Und wird man den Anforderungen im Hebammenberuf gerecht? Antworten auf solche Fragen will das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) künftig mit einer VR-Brille geben. Seit Beginn dieses Jahres ist die Homburger Einrichtung Teil des EU-Projekts ForVir-Health, das mit Virtual Reality dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen begegnen will.
Im Zentrum steht ein praktisches Problem: Wer sich für eine Ausbildung oder ein Studium in der Pflege oder im Hebammenwesen interessiert, kann oft nur schwer einschätzen, ob der Beruf tatsächlich zu einem passt. Genau hier setzt die Technologie an. Über eine VR-Brille tauchen Interessierte in reale Szenarien aus dem Arbeitsalltag ein. Dabei bleiben sie keine passiven Zuschauer, sondern handeln selbst und treffen Entscheidungen.
Insgesamt sind mehrere immersive Module geplant. Sechs davon richten sich mit fachlicher Unterstützung des UKS gezielt an Schülerinnen und Schüler, um ihnen die Berufsfelder Pflege und Hebammenwesen nahezubringen. In einem zweiten Schritt sollen auch Auszubildende und Studierende profitieren und sich mit der Technik auf die tägliche Praxis vorbereiten können.
Einen besonderen Reiz sieht das Projektteam darin, dass die virtuelle Umgebung Raum für Fehler lässt, ohne dass diese Konsequenzen haben. „Einen großen Vorteil sehen wir darin, dass diese virtuelle Welt ein geschütztes Umfeld bietet. Wenn dort Fehler passieren, dann bleiben diese in der virtuellen Welt ohne Folgen“, erläutert Susanne Mack, Arbeitsmodulleiterin des UKS im Projekt ForVir-Health.
Gerade schwierige Momente lassen sich so beliebig oft wiederholen und mit unterschiedlichen Herangehensweisen durchspielen. „Im Projekt werden zum Beispiel Szenarien entwickelt, um Kommunikation mit Angehörigen in einem herausfordernden Umfeld zu trainieren, wenn sprachliche Barrieren den Austausch erschweren oder wenn Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund betreut werden“, so Mack.
Gefördert wird das Vorhaben im Rahmen von Interreg VI Großregion. Neben der Europäischen Union beteiligen sich die Fédération Wallonie-Bruxelles sowie das saarländische Ministerium für Arbeit und Soziales, Frauen und Gesundheit an der Finanzierung. Als Partner bringen sich HELMo Link aus Lüttich, die Htw saar in Saarbrücken und die Université de Liège ein.
Die Entwicklungs- und Testphase läuft noch bis zum 31. Dezember 2028. Anschließend sollen die Ergebnisse der gesamten Großregion zur Verfügung stehen, die sich über das Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen, Wallonien und Luxemburg erstreckt.



















