Statt über den Homburger Einzelhandel zu reden, wollten die Grünen lieber mit denen sprechen, die ihn täglich stemmen. Bei ihrer diesjährigen Sommertour klapperten die Landtags-Spitzenkandidatinnen und -kandidaten mehrere Geschäfte in der Innenstadt ab, hörten zu und sammelten Anliegen ein. Ihr Fazit fällt eindeutig aus: Die Menschen vor Ort wollen sich einbringen.
Anne Lahoda, Lisa Becker und Volker Morbe führten gemeinsam mit dem Stadtverband intensive Gespräche mit den Inhaberinnen und Inhabern. Zu den Stationen zählten unter anderem Michas Dekoccino, Freistil, Per Due, der dm-Markt und Galileo. Zum Abschluss zog die Runde ins Oh!lio am Marktplatz, wo der Austausch bei einem Getränk weiterging.
„Wir wollten nicht über den Einzelhandel reden, sondern mit den Menschen, die täglich in unseren Geschäften stehen und erleben, was in der Innenstadt funktioniert – und was nicht“, erklärt Stadtverbandssprecherin Katrin Lauer. Die offenen Gespräche hätten viele konkrete Hinweise gebracht, die für die politische Arbeit wichtig seien.

Ein Dauerthema war die Erreichbarkeit der Innenstadt. Dabei ging es den Gesprächspartnern nicht darum, weniger Zugang zu schaffen, sondern die Flächen anders zu verteilen. Weniger Autos direkt vor den Geschäften, dafür gut erreichbare Parkplätze am Rand und ein funktionierendes Parkleitsystem – so lautete der Wunsch. Auch mehr Grün und eine höhere Aufenthaltsqualität standen auf der Liste. Das aktuelle Einzelhandelskonzept der Stadt benennt die Belastung durch Parksuchverkehr übrigens ebenfalls und verweist auf die vorhandenen Randparkplätze.
Viel Raum nahm zudem die Kommunikation zwischen Stadt und Gewerbetreibenden ein. Gerade bei verkaufsoffenen Sonntagen wünschen sich die Geschäftsinhaberinnen frühere und verlässlichere Informationen. Manche erführen erst über andere Händler von den Terminen – für die Planung von Personaleinsatz und zusätzlichen Arbeitstagen ein echtes Problem. Auch eine kräftigere Bewerbung solcher Aktionen durch die Stadt wurde angeregt.

„Die Geschäfte brauchen Planungssicherheit und sie wollen wissen, was in der Stadt passiert“, betont Lisa Becker, Spitzenkandidatin des Wahlkreises Neunkirchen. Dazu gehöre für sie auch, dass Stadt und Gewerbetreibende regelmäßig miteinander im Gespräch blieben.
Jenseits der großen Linien ging es um die kleinen Dinge des Alltags: volle oder fehlende Mülleimer, Sauberkeit, defekte Laternen, Stolperstellen, ungepflegte Ecken und verbesserungswürdige Bepflanzung. Gewünscht wurde eine gut erreichbare Ansprechperson, an die sich solche Hinweise unkompliziert weitergeben lassen. Auch das Thema Sicherheit kam zur Sprache – einige Mitarbeitende berichteten von Situationen, in denen sie sich unwohl fühlten, und wünschten sich mehr Präsenz von Ordnungskräften sowie Streetwork-Angebote.

„Innenstadtentwicklung besteht nicht nur aus großen Projekten“, sagt Becker. „Es sind oft die vielen kleinen Dinge, die darüber entscheiden, ob Menschen sich in einer Innenstadt gerne aufhalten. Man möchte das Gefühl haben, dass sich jemand kümmert.“
Beim Blick auf die Zukunft des Einzelhandels zeigte sich ein zwiespältiges Bild. Einige Geschäfte punkten mit besonderen Angeboten und Alleinstellungsmerkmalen, die Homburg attraktiv machen. Zugleich wird die Konkurrenz durch größere Anbieter und vor allem das Outlet kritisch gesehen. Positiv fiel hingegen auf, dass viele Gewerbetreibende von guten, unkomplizierten Verhältnissen mit ihren Vermietern berichteten – eine wichtige Grundlage für einen lebendigen Standort.
Die gesammelten Anliegen wollen die Grünen nun intern auswerten und in ihre kommunal- und landespolitische Arbeit einfließen lassen. Ein Wiedersehen ist bereits fest eingeplant. „Wir kommen wieder“, kündigt Lauer an. „Und wir freuen uns schon auf unser nächstes Treffen bei Michas Dekoccino.“




















