Auf dem Saarbrücker Campus des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) fielen an einem Tag gleich zwei bedeutende Entscheidungen zusammen: Während das erste neue Forschungsgebäude offiziell eingeweiht wurde, legten die Verantwortlichen bereits den Grundstein für einen zweiten, deutlich größeren Bauabschnitt. Durch die Erweiterung entstehen mehr als 200 zusätzliche Arbeitsplätze in Laboren und Büros – ein spürbarer Schub für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort im Saarland.
„Was sich am HIPS in den vergangenen Jahren entwickelt hat, ist eine echte saarländische Erfolgsgeschichte“, sagt Damhat Sisamci, Sprecher für Innovation und Technologie der SPD-Landtagsfraktion. Er erinnert daran, dass das HIPS 2009 als eines der ersten Helmholtz-Institute Deutschlands an den Start ging. Heute arbeiten dort fast 300 Menschen aus mehr als 30 Ländern an einer der drängendsten medizinischen Fragen unserer Zeit: der Suche nach Wirkstoffen gegen Erreger, denen herkömmliche Antibiotika immer weniger entgegenzusetzen haben.
Die Zahlen belegen das rasante Wachstum. Seit 2020 ist die Belegschaft von 160 auf mittlerweile 288 Beschäftigte gestiegen. Mit dem Ausbau schafft das Land nun den räumlichen Spielraum, den das Institut für seine weitere Entwicklung braucht. Der erste Bauabschnitt mit rund 1.500 Quadratmetern zusätzlicher Fläche wurde bereits Anfang 2026 übergeben, der zweite umfasst weitere etwa 4.000 Quadratmeter für Labore, Büros und gemeinsame Arbeitsbereiche. Insgesamt fließen rund 90 Millionen Euro in beide Bauprojekte.
Für Sisamci ist die Entwicklung ein Beleg dafür, was langfristige Investitionen in Forschung bewirken können. „Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entscheiden sich bewusst dafür, nach Saarbrücken zu kommen“, betont er. Junge Menschen könnten hier studieren, promovieren und anschließend qualifizierte Arbeit finden. Genau solche Perspektiven brauche das Land für seinen Strukturwandel.
Besonders wichtig ist dem Politiker, dass aus der Forschung auch wirtschaftliche Chancen erwachsen. Rund um das HIPS entstehe inzwischen ein Netzwerk, das über ein einzelnes Institut weit hinausreiche. Im sogenannten PharmaScienceHub sind bereits mehr als 500 Forschende aus über 80 Arbeitsgruppen mit rund 20 Unternehmen verbunden. Aus diesem Umfeld seien neue Firmen hervorgegangen, Forschungsergebnisse würden gemeinsam mit der Wirtschaft weiterentwickelt.
Wie konkret diese Kooperation aussieht, zeigt ein gemeinsames Vorhaben des HIPS mit dem saarländischen Unternehmen Ursapharm. Ziel ist ein wirtschaftliches Verfahren zur Herstellung eines Antibiotikums, das langfristig eine europäische Produktion ermöglichen und die Abhängigkeit vom asiatischen Markt verringern soll.
„Das Saarland wird auch in Zukunft Industrieland bleiben“, fasst Sisamci zusammen. Gleichzeitig baue man mit Pharma und Life Sciences ein weiteres wirtschaftliches Standbein auf. Mit der Universität, dem HIPS und den ansässigen Pharmaunternehmen verfüge das Land über eine Kombination, die nur wenige Standorte in dieser Form bieten könnten.




















