Etwas Zeit am Tag, ein paar Milliliter mehr aus der Pumpe – und am Ende kann das den Unterschied für ein winziges Frühchen bedeuten. Genau aus diesem Gedanken heraus spendet Hannah seit einigen Wochen ihre überschüssige Muttermilch an die Frauenmilchbank des Klinikums Saarbrücken auf dem Winterberg. „Es kostet nur ein wenig Zeit und hilft enorm“, beschreibt die 35-jährige Saarbrückerin ihre Motivation.
Den Anstoß gab eine Freundin, die ihr von der Spendenmöglichkeit erzählte. Schon nach der Geburt ihres ersten Kindes hätte Hannah gerne mitgemacht – doch dafür fehlten ihr damals schlicht die Kräfte. „Jetzt, beim zweiten Kind, war der Wunsch noch größer, und ich freue mich sehr, dass es so gut klappt“, sagt sie. Das zusätzliche Abpumpen fügt sich inzwischen problemlos in ihren Familienalltag ein.
Zwischen 120 und 200 Millilitern kommen bei ihr täglich zusammen. Die Milch friert sie zu Hause ein und bringt sie etwa alle zwei Wochen gesammelt auf den Winterberg. Was sie dabei antreibt, ist vor allem ein Gedanke: dass es Kinder gibt, die ohne solche Spenden gar keine Muttermilch bekommen würden. „Der Körper stellt sich gut auf das ‚Mehr‘ ein. Es kostet mich nur etwas Zeit, hat aber einen großen Nutzen“, erklärt sie.
Von dieser Bereitschaft profitieren seit 2017 zu früh geborene und kranke Neugeborene, deren Mütter zunächst keine oder zu wenig eigene Milch haben. Allein im vergangenen Jahr verarbeitete das Zentrum für operative und konservative Kinder- und Jugendmedizin, ein Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe, rund 100 Liter Frauenmilch. 80 Empfängerkinder konnten 2025 auf diese Weise versorgt werden – darunter Frühgeborene, kranke und auch reife Neugeborene. Bevor die Milch verabreicht wird, durchläuft sie umfangreiche Untersuchungen und wird pasteurisiert; der Einsatz erfolgt stets in Abstimmung mit den Eltern.

Welchen medizinischen Stellenwert die Einrichtung hat, macht Dr. Marie-Claire Detemple, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, deutlich. „Die Frauenmilchbank ist ein wichtiger Baustein moderner perinataler Versorgung. Für zu früh geborene Kinder und kranke Neugeborene wirkt Frauenmilch wie ein Medikament. Sie senkt nachweislich das Risiko schwerer Komplikationen“, betont sie. Das Ziel sei es, Familien von Beginn an die bestmöglichen Voraussetzungen für einen gesunden Start zu geben – „auch dann, wenn diese besondere Leistung nicht refinanziert wird“.
Für das unreife Verdauungssystem der Kleinsten ist Muttermilch besonders wertvoll: Sie stützt den Darm, schützt vor Infektionen und liefert neben Eiweiß, Laktose und Fett auch Abwehrstoffe, Wachstumshormone und lebende Zellen. Spenden darf, wer gesund ist und das medizinische Screening der Frauenmilchbank erfolgreich durchläuft.
Seit nun fast einem Jahrzehnt gehört die Milchbank fest zum Perinatalzentrum des Saarbrücker Klinikums. Möglich wurde ihre Einrichtung durch die spendenfinanzierte Unterstützung des Fördervereins „Känguruh Kinder e. V.“ und das Engagement zahlreicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinderklinik. Wer selbst spenden möchte oder Fragen zum Ablauf hat, erreicht das Team per E-Mail unter stillen@klinikum-saarbruecken.de sowie über die Homepage des Klinikums unter dem Stichwort „Frauenmilchbank“.


















