Viele Jahre war das frühere DSD-Gelände in Homburg vor allem eines: eine große Leerstelle mitten in der Stadt. Eine Industriebrache, an der täglich Tausende vorbeifuhren, ohne dass sich sichtbar etwas bewegte. Am Freitag, 26. Juni, hat sich das geändert. Mit dem symbolischen Spatenstich für den neuen Wasgau-Markt ist auf dem Gelände des künftigen Stadtquartiers Coeur der erste große Baustein offiziell gestartet.
Was an diesem Vormittag auf den ersten Blick wie der Beginn eines Supermarktbaus wirkte, ist für Homburg weit mehr als das. Der Wasgau-Markt soll der Auftakt für eines der größten Stadtentwicklungsprojekte im Saarland werden. Auf dem rund 200.000 Quadratmeter großen Areal sollen in den kommenden Jahren Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Dienstleistungen, Nahversorgung, Seniorenwohnen, Kinderbetreuung und Grünflächen zusammenkommen. Bis zu 5.000 Menschen sollen hier künftig leben und arbeiten können.
Für Giuseppe Ferraro, Geschäftsführer der Ferraro Group, war der Termin deshalb auch kein gewöhnlicher Spatenstich. „Heute setzen wir nicht nur den Spatenstich für den Wasgau-Markt“, sagte er. „Heute beginnt die Realisierung des neuen Stadtquartiers Coeur Homburg.“ Was hier entstehe, sei „mehr als ein Lebensmittelmarkt“, sondern der erste Baustein eines Quartiers, das die Entwicklung der Stadt über Jahrzehnte prägen werde.
Die Zahlen machen deutlich, welche Dimension das Projekt hat. Insgesamt ist von Investitionen in einer Größenordnung von rund 600 Millionen Euro die Rede. Allein der jetzt beginnende Abschnitt rund um den Wasgau-Markt steht nach Ferraros Angaben für Investitionen von mittlerweile fast 50 Millionen Euro. Der aktuelle Bauabschnitt umfasst rund 8.000 Quadratmeter Grundstücksfläche. Die Fläche sei vorbereitet, termingerecht hergerichtet und bereit für den nächsten Schritt.
Ferraro machte deutlich, dass das Projekt für seine Unternehmensgruppe auch ein Beweis dafür sei, dass man mehr könne als nur Rückbau und Sanierung. „Wir können nicht nur rückbauen, wir können bauen“, sagte er mit Blick auf die vorbereitete Fläche. Der Spatenstich sei deshalb auch ein sichtbares Zeichen dafür, dass aus Planung nun Realität werde. Schon in der kommenden beziehungsweise übernächsten Woche könnten die ersten Lastwagen rollen.
Dass es überhaupt so weit gekommen ist, ist für Ferraro auch eine Familiengeschichte. Die Initiative sei von seinem Vater, Cavaliere Damiano Ferraro, ausgegangen. Dieser sei über viele Jahre immer wieder an dem Gelände vorbeigekommen und habe sich gefragt, warum eine solche Fläche in Homburg brachliege. „Das kann es ja nicht sein, dass so ein Grundstück […] einfach brach liegt. Da muss doch was passieren“, erinnerte Ferraro an den Anstoß seines Vaters.
Aus dieser Idee sei schließlich ein Projekt geworden, das die Ferraro Group mit großem Vertrauen in den Standort angegangen sei. Man habe das Gelände erworben, ohne vorher jedes Detail mit der Stadt geklärt zu haben. Gerade darin zeige sich, wie stark das Unternehmen an das Potenzial der Fläche geglaubt habe. Die Werte, die seine Familie prägten, spiegelten sich in diesem Projekt wider: „Vertrauen, Verlässlichkeit, Mut und harte Arbeit.“
Heute sieht Ferraro diesen Mut bestätigt. Rund 250 Interessenten beziehungsweise Familien hätten bereits Interesse daran bekundet, auf dem Gelände zu wohnen. Die Planung sehe unter anderem einen innerstädtischen Park und viel Grün vor. „Wir haben uns nicht getäuscht in unserem Bauchgefühl und unserer Vision“, sagte Ferraro. Am Ende seiner Ansprache fasste er den Anspruch des Projekts in einem Satz zusammen: „Wir bauen hier nicht nur Gebäude, wir gestalten gemeinsam Zukunft.“
Oberbürgermeister Michael Forster ordnete den Spatenstich ebenfalls als wichtigen Moment für Homburg ein. Man bewege an diesem Tag nicht nur Sand, sagte er, „sondern wir bewegen auch ein Stück Zukunft“. Viele hätten nicht mehr daran geglaubt, dass das frühere DSD-Gelände nach mehr als 30 Jahren Brache tatsächlich entwickelt werden könne. Immer wieder habe es in der Vergangenheit Überlegungen gegeben, doch niemand habe sich an die schwierige Fläche herangetraut.
Forster wandte sich direkt an die Ferraro-Familie und sprach von Mut und Vertrauen in den Standort Homburg. „Jeder hat die Hände davon gelassen, bis Sie kamen“, sagte der Oberbürgermeister. Die Ferraro Group habe an Homburg geglaubt und daran, dass diese nicht einfache Brache saniert und entwickelt werden könne. Das Projekt sei eines der größten Bauvorhaben im Saarland und wirke mit seiner Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus.
Der Start des Wasgau-Marktes sei aus Sicht Forsters deshalb mehr als ein einzelner Bauabschnitt. Er sei „ein Zeichen an alle, dass sich in Homburg etwas bewegt, dass man in Homburg investieren kann“. Gerade der Lebensmittelmarkt setze den ersten sichtbaren Punkt einer Entwicklung, bei der viele lange gefragt hätten, wann es endlich losgehe und wann die geplanten Wohnungen entstünden. Mit dem Spatenstich werde nun sichtbar, dass die Dinge auf den Weg gebracht seien.
Ein wesentlicher Teil des Projekts lag nach Darstellung Forsters in der Sanierung und Vorbereitung des ehemaligen Industriegeländes. Jeder wisse, was auf dem DSD-Gelände über Jahrzehnte gewesen sei. Die vorhandenen Altlasten in den Griff zu bekommen, sei kein einfaches Unterfangen gewesen. Forster betonte, dass alle Sanierungspläne erfüllt worden seien und man nun guten Gewissens sagen könne, dass dort gebaut werden könne.
Der Oberbürgermeister hob außerdem die enge Zusammenarbeit zwischen Investor, Verwaltung, Fachplanern, Gutachtern und Politik hervor. Im Rathaus sei intensiv an den notwendigen Grundlagen gearbeitet worden. Forster dankte seinem Baudezernat, Bürgermeister Manfred Rippel, Bauamtsleiter Frank Missy und den beteiligten Mitarbeitern der Verwaltung. Auch die Politik habe ihren Teil beigetragen. „Wir haben Sondersitzungen gemacht, wenn es erforderlich war“, sagte Forster. Verwaltung und Stadtrat hätten gemeinsam „Gas gegeben“, um das Baurecht rechtzeitig auf den Weg zu bringen.
Bevor der symbolische Spatenstich erfolgte, überreichte Forster den Bauschein an Giuseppe Ferraro. Auch dieser Moment hatte für die Beteiligten hohen symbolischen Wert. Ferraro hielt den Bauschein sichtbar in den Händen und sagte: „Bauschein ist erteilt.“ Kurz darauf brachte er es noch einfacher auf den Punkt: „Wir können bauen.“ Der Satz fasste zusammen, worauf viele Jahre Planung, Vorbereitung, Sanierung und Abstimmung hinausgelaufen waren.
Für die Wasgau AG beginnt damit ebenfalls ein besonderer Abschnitt. Vorstandssprecher Thomas Bings machte deutlich, dass das Unternehmen bereits seit rund zwei Jahren in die Planungen eingebunden sei. Nun aber starte die Phase, in der auch nach außen sichtbar werde, dass auf dem Gelände etwas entstehe. „So richtig losgehend […] geht es ja jetzt erst oder ab nächster Woche“, sagte Bings. Dann werde man früher oder später auch sehen, „dass etwas nach oben wächst“.
Der Zeitplan ist ambitioniert. Ziel sei es, den Markt Anfang kommenden Jahres, möglichst noch vor Ostern, zu eröffnen. „Wir wollen da jetzt auch keine unnötige Zeit verstreichen lassen“, betonte Bings. Die Betonfertigteile seien bereits bestellt, die nächsten Schritte vorbereitet. Für Wasgau sei es der erste Standort in Homburg, weshalb das Projekt für das Unternehmen eine besondere Bedeutung habe.
Wasgau verbindet mit dem Standort hohe Erwartungen. Der Markt soll über mehr als 2.000 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügen und ein breites Sortiment anbieten. Bings beschrieb Wasgau als regionalen Player in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Was das Unternehmen von anderen Anbietern unterscheide, seien vor allem regionale Aspekte: eine eigene Bäckerei, eine eigene Metzgerei, kurze Wege und Partnerschaften in der Region.
Der neue Markt soll nach den Plänen aber nicht nur ein Ort zum Einkaufen werden. Bings betonte, dass der Wasgau-Markt im neuen Quartier auch eine soziale Funktion übernehmen solle. „Unser Markt soll ein Zentrum und ein Treffpunkt für Menschen sein“, sagte er. Dafür sei unter anderem ein großes Bäckerei-Café geplant. Gerade für ein neues Stadtquartier sei ein solcher Ort wichtig, weil er Versorgung und Begegnung miteinander verbinde.
Auch baulich soll der Markt Teil des Quartiersgedankens werden. Vorgesehen sind nach den bisherigen Planungen unter anderem Dachbegrünung und eine Photovoltaik-Anlage. Zudem sollen Stellplätze entstehen, erreichbar wird der Markt über eine neue Anbindung im Bereich der Beeder Straße. Damit bildet der Wasgau-Markt den ersten sichtbaren Versorgungspunkt für ein Quartier, das nach und nach weiter wachsen soll.
Für Homburg ist der Spatenstich deshalb auch ein Signal an die Stadtgesellschaft. Das ehemalige DSD-Gelände war über Jahrzehnte ein Symbol für Stillstand. Nun soll dort ein neues Stadtquartier entstehen, das Wohnen, Nahversorgung, Arbeit, Dienstleistungen und Grünflächen miteinander verbindet. Der Wasgau-Markt ist dabei der Anfang, nicht das Ende der Entwicklung.
Ferraro formulierte es am Ende seiner Ansprache entsprechend grundsätzlich: „Heute entsteht das neue Herz von Homburg.“ Ob dieser Anspruch in den kommenden Jahren eingelöst wird, wird sich Schritt für Schritt zeigen. Der erste davon ist nun sichtbar gemacht. Mit dem Spatenstich für Wasgau beginnt auf dem Coeur-Gelände nicht nur der Bau eines Supermarktes. Es beginnt die Verwandlung einer alten Industriebrache in ein neues Stück Homburg.
Alle Bilder: Daniel von Hofen








































