Die ehemaligen Michelin-Logistikhallen im Industriegebiet Zunderbaum in Kirkel stehen für einen Standort, der in der Region eng mit industrieller Arbeit verbunden ist. Nun haben die Hallen eine neue Aufgabe bekommen: Die Viega Group hat dort ihren neuen Produktionsstandort offiziell eröffnet – und dabei unmissverständlich klargemacht, dass es sich um mehr als eine kurzfristige Nachnutzung handelt. „Wir sind hier, um Wurzeln zu schlagen“, sagte Anna Viegener, Co-Vorsitzende des Viega-Gesellschafterausschusses, bei der Eröffnung. Für ein Familienunternehmen, das in Generationen denkt, ist das mehr als eine freundliche Formel. Es ist ein Standortversprechen.
Was am Zunderbaum in bemerkenswert kurzer Zeit entstanden ist, beeindruckte auch die Verantwortlichen vor Ort. Werkleiter Benjamin Schneider erinnerte bei der Eröffnung daran, wie frisch dieses Projekt eigentlich noch ist. „Für mich ist es ehrlich gesagt kaum zu glauben, dass die Schlüsselübergabe zu diesen Hallen erst neun Monate her ist“, sagte er. Damals stand er in einer komplett leeren Halle – ohne Maschinen, ohne Prozesse, ohne Menschen. Heute läuft dort Produktion.
Die Zahlen dahinter sind konkret: Die Vertragsunterzeichnung zur Übernahme der ehemaligen Michelin-Logistikhallen erfolgte im Mai 2025, der Umbau begann im September 2025, die ersten Artikel wurden bereits im April 2026 produziert. Auf 18.000 Quadratmetern Hallenfläche – auf einem insgesamt 100.000 Quadratmeter großen Grundstück – ist in kürzester Zeit ein moderner Fertigungsstandort entstanden. Rund 100 Menschen arbeiten dort bereits, bis Mitte 2027 sollen es 150 sein. Viega investiert in der ersten Ausbaustufe rund 150 Millionen Euro.
Schneider machte deutlich, dass dieser Aufbau nicht selbstverständlich war: „Viele von euch haben Verantwortung übernommen, bevor es feste Strukturen gab. Ihr habt nicht darauf gewartet, dass etwas entsteht. Ihr habt es entstehen lassen.“ Sein abschließender Satz traf den Ton des Tages: „Heute eröffnen wir nicht nur ein neues Werk. Wir eröffnen das erste Kapitel der Viega-Geschichte im Saarland.“
Warum Kirkel – und warum das Saarland?
Dass die Wahl auf Kirkel fiel, war kein Zufall. Viega hat für alle 294 Landkreise in Deutschland ein systematisches Standortscreening durchgeführt. Der Saarpfalz-Kreis landete dabei ganz vorne. Franz Viegener, Co-Vorsitzender des Gesellschafterausschusses, nannte die entscheidenden Faktoren: die Fachkräftebasis im Bereich Metallverarbeitung, die direkte Autobahnanbindung sowie die Lage im Herzen Europas mit kurzen Wegen nach Frankreich und Luxemburg. Für ein Unternehmen, das Pressverbinder für den internationalen Markt fertigt, sind das keine weichen Standortfaktoren – sondern harte Voraussetzungen.
Hinzu kommt: Viega wollte bewusst nicht auf der grünen Wiese bauen, sondern eine bestehende Industriefläche nutzen. In Kirkel fand das Unternehmen genau das – und mit den ehemaligen Michelin-Hallen eine Fläche, die kurzfristig umgebaut und genutzt werden konnte. Viegener beschrieb die 150-Millionen-Investition als Entscheidung „in Deutschland für die ganze Welt“. In Kirkel sollen Rohrverbinder – metallene Pressverbinder für Sanitär und Heizung – für nationale und internationale Kunden gefertigt werden. Für Viega ist Kirkel der sechste Produktionsstandort in Deutschland und der elfte weltweit.
Strukturwandel, der Hoffnung macht
Für das Saarland hat die Eröffnung eine Bedeutung, die über Kirkel hinausgeht. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger stellte in ihrer Rede genau diesen Zusammenhang in den Mittelpunkt: Am Zunderbaum werde sichtbar, was Wandel bedeuten könne. Die Entscheidung von Michelin habe das Saarland damals nicht gefreut. Die Entscheidung von Viega gebe nun Zuversicht, „dass wir in der Lage sind, auch aus Ereignissen, die uns nicht freuen, wieder etwas Gutes für die Zukunft zu machen“.

Rehlinger verband die Ansiedlung mit dem industriellen Selbstverständnis des Landes: „Wir können Metall und wir können Industrie.“ Viega passe deshalb gut ins saarländische Umfeld. Und gerade in einem kleinen, dicht besiedelten Land sei es wichtig, vorhandene Flächen weiterzuentwickeln statt immer neue zu verbrauchen – auch das sei ein Signal, das von Kirkel ausgehe.
Viega Europe CEO Karsten Müller betonte die strategische Bedeutung des neuen Standorts für das globale Produktionsnetzwerk: In einer Zeit unsicherer Lieferketten ermögliche Kirkel es, flexibler auf Marktbedürfnisse zu reagieren und eine konstante Produktverfügbarkeit zu gewährleisten. Für Kunden bedeute das kürzere Wege, bessere Verfügbarkeit und mehr Planungssicherheit.
Ein Versprechen, das über die erste Ausbaustufe hinausgeht
Dass Viega langfristig in Kirkel denkt, wurde an diesem Tag immer wieder deutlich. Das Unternehmen hat sich Flächen gesichert, die über die erste Ausbaustufe hinaus Spielraum lassen. Perspektivisch ist auch Ausbildung vor Ort geplant, um junge Fachkräfte langfristig zu binden. Und die enge Zusammenarbeit mit Land, Kreis und Kommunen – ausdrücklich genannt wurden Kirkels Bürgermeister Dominik Hochlenert und Homburgs Bürgermeister Manfred Rippel – hat den schnellen Start erst möglich gemacht.

Foto: Thorsten Wolf
Am Ende steht ein Bild, das über den Tag hinaus Bestand haben dürfte: Aus einer leeren Halle, in der vor wenigen Monaten noch keine Maschine stand, ist ein aktiver Produktionsstandort geworden. Für Kirkel, den Saarpfalz-Kreis und das Saarland ist das kein kleines Signal – sondern ein handfester Beweis, dass Strukturwandel nicht nur Verlust bedeuten muss.



















