Werkzeug statt Werkbank, Schulhof statt Ausbildungswerkstatt: Fünf angehende Elektroniker des Technologiekonzerns Bosch haben in dieser Woche ihren gewohnten Arbeitsplatz gegen den Außenbereich der Homburger Oberlin-Schule getauscht. Im Rahmen der konzernweiten „sozialen Woche“ entstanden dort gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Förderschule für geistige Entwicklung neue Sitzgelegenheiten, die den Schulalltag künftig spürbar verändern dürften.
Die jungen Erwachsenen, allesamt im zweiten Lehrjahr ihrer Ausbildung im Bereich Elektrotechnik, fertigten innerhalb weniger Tage Bänke und Tische für das Schulgelände. Bei gutem Wetter lässt sich der Unterricht nun unter freien Himmel verlegen, auch das gemeinsame Mittagessen kann draußen stattfinden. Aus einem Wunschprojekt der Schule wurde so binnen kurzer Zeit gelebter Alltag.
Was die Aktion über das handwerkliche Ergebnis hinaus prägte, war die Begegnung selbst. Von der ersten Minute an gingen die Auszubildenden offen und herzlich auf die Kinder und Jugendlichen zu. Aufmerksam, geduldig, ohne Berührungsängste – so beschreibt das Kollegium der Schule den Auftritt der jungen Männer und Frauen, die sich erkennbar bemühten, jede Frage ernst zu nehmen und niemanden außen vor zu lassen.
Die Schülerinnen und Schüler durften bei den praktischen Arbeiten mit anpacken, kleine Handgriffe übernehmen und den Bau ihrer eigenen Möbel begleiten. Zwischen Schraubendreher, Holz und Werkzeugkasten entstand eine Atmosphäre, die weniger an einen Werkstattbesuch erinnerte als an ein gemeinsames Projekt auf Augenhöhe. Der Austausch lief locker, der Lerneffekt für beide Seiten war groß.
Für die Oberlin-Schule ist der Besuch ein doppelter Gewinn. „Die Schülerinnen und Schüler konnten neue Kontakte knüpfen und Einblicke in die Berufswelt gewinnen. Gleichzeitig erhielten die Auszubildenden die Möglichkeit, Erfahrungen außerhalb ihres gewohnten Arbeitsumfeldes zu sammeln und erhielten Einblick in die Arbeit mit Kindern mit einer Behinderung“, fasst Klassenlehrerin Claudia Schöttke die Woche zusammen.
Genau in dieser Wechselseitigkeit liegt der Wert solcher Initiativen. Während die Förderschule eine konkrete bauliche Verbesserung erhält, kehren die Auszubildenden mit Eindrücken in ihren Konzern zurück, die kein Lehrgang vermitteln kann. Die neuen Bänke und Tische auf dem Schulhof werden bleiben – und mit ihnen die Erinnerung an eine Woche, in der Inklusion nicht diskutiert, sondern schlicht praktiziert wurde.

















