Mehr als vier Millionen Euro nehmen die Biosphären-Stadtwerke St. Ingbert in die Hand, um ihre Schaltstation am Bahnhof für die Zukunft zu rüsten. Mit dem symbolischen Spatenstich am 30. Juni 2026 fällt in der Neuen Bahnhofstraße der Startschuss für ein Projekt, das die Stromversorgung der Stadt über Jahrzehnte hinweg sichern soll.
Rund drei Jahre Planung stecken bereits in dem Vorhaben, bevor nun die Bagger anrücken. Die Herausforderung beginnt schon mit dem ersten Schritt: Über 30 Mittelspannungskabel müssen umverlegt werden, doch aus Gründen der Versorgungssicherheit lässt sich immer nur eines davon außer Betrieb nehmen. So bleibt der Strom für Haushalte und Betriebe während der gesamten Bauzeit ununterbrochen fließen.
Das Gebäude selbst trägt eine ungewöhnliche Geschichte in sich. Seine Grundmauern gehen auf das Jahr 1920 zurück, als hier eine Toilettenanlage des Bahnhofs entstand. Seit 1955 nutzen die Stadtwerke den Bau als Schalthaus, zuletzt grundlegend modernisiert wurde er 1989. Heute jedoch stößt die Technik an ihre Grenzen, räumlich wie leistungstechnisch.

Der Grund dafür liegt im wachsenden Hunger nach elektrischer Energie. Wärmepumpen, Elektroautos und moderne Gebäude verlangen deutlich mehr Leistung als früher, dazu kommt der neue CISPA-Campus als zusätzlicher Großverbraucher. „Um auch künftig eine sichere und leistungsfähige Stromversorgung gewährleisten zu können“, so das erklärte Ziel der Stadtwerke, investieren sie deshalb in eine Anlage mit deutlich größerer Kapazität.
Ein Neubau an anderer Stelle kam nicht infrage, weil in der Nähe kein passendes Grundstück zur Verfügung steht. Also modernisieren die Stadtwerke am bestehenden Standort, und das im laufenden Betrieb. Diese technische Gratwanderung stellt sicher, dass die Stadt zu keinem Zeitpunkt ohne Strom dasteht.
Umgesetzt wird das Ganze in drei Bauabschnitten. Zunächst entsteht ein neuer Gebäudeteil in der Bahnhofstraße, nach dessen Fertigstellung ein Teil der neuen Mittelspannungsschaltanlage ans Netz geht. Erst dann wird das alte Gebäude zurückgebaut, bevor im dritten Abschnitt der zweite Bauteil errichtet und die Schaltanlage vollständig installiert wird. Zum Abschluss folgen moderne Fernwirktechnik, Brandmeldeeinrichtungen und eine automatische Kohlendioxid-Löschanlage.
Am Ende steht eine Schaltstation auf dem neuesten Stand der Technik. Sie verfügt über 32 Mittelspannungsschaltfelder auf der 20-kV-Ebene und erreicht eine verfügbare Netzleistung von mehr als 50 Megawatt. Die Bauzeit wird auf etwas mehr als zwei Jahre veranschlagt.
Den symbolischen Spatenstich nahmen Thomas Diederichs, Leiter der Abteilung Verkehr, Reiner Grund, Abteilungsleiter Stromversorgung bei den Biosphären-Stadtwerken, Geschäftsführer Jürgen Bach sowie Sven Schroll von der S.I.G Schroll Ingenieurgesellschaft mbH vor. Mit dieser Investition, so die Botschaft der Stadtwerke, wollen sie ein klares Zeichen für eine sichere und nachhaltige Energieversorgung setzen und die Energiewende vor Ort voranbringen.

















