Ein Dekan, der heimlich Wein lagert. Ein Publizist, der im Nachthemd der Obrigkeit trotzt. Bürger, die mitten in der Nacht ihre Pferdefuhrwerke anspannen, um zum Hambacher Fest aufzubrechen. Homburg war in den frühen 1830er-Jahren ein Brennpunkt der frühen deutschen Demokratiebewegung – und genau diese verborgenen Geschichten will die Siebenpfeiffer-Stiftung am Donnerstag, 25. Juni, wieder erfahrbar machen.
Die Stiftung lädt zu einem Rundgang ein, der die Schauplätze rund um Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth abschreitet. Beide Männer gelten als zentrale Vordenker des Hambacher Festes von 1832, jener Massenkundgebung, die als Geburtsstunde der deutschen Demokratie in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Die Jahre zuvor, von 1830 bis 1832, hinterließen in Homburg deutliche Spuren – Spuren, die der Spaziergang nun sichtbar macht.
Das Motto liefert ein zeitgenössisches Zitat: „Das Homburger Völkchen ist äußerst liberal“, schrieb Georg Fein, Redakteur der zeitweise in Homburg gedruckten „Deutschen Tribüne“, im Jahr 1832 an seine Mutter. Diese Beobachtung zieht sich als roter Faden durch die Tour. Wer mitläuft, soll nicht nur Daten und Fakten mitnehmen, sondern jenes aufmüpfige Lebensgefühl spüren, das die Stadt damals prägte.
Um dem trockenen Geschichtsunterricht zu entgehen, setzen die Veranstalter auf ein theatrales Konzept. Monika Link schlüpft in die Rolle der Regina Wirth, der Ehefrau des streitbaren Publizisten, und führt die Gruppe in zeitgenössischem Kostüm durch die Innenstadt. Aus ihrer Perspektive berichtet sie, was sie zwischen Ende 1831 und 1834 in Homburg erlebte – jene Jahre, in denen ihr Mann den Großteil seiner Zeit im Zweibrücker Gefängnis verbrachte, während sie die Familie und das politische Engagement zusammenhalten musste.
Die Stationen sind sorgfältig ausgewählt. Besucht wird das Areal, auf dem einst Siebenpfeiffers Wohnung und das sogenannte Landcommissariat standen. Es geht weiter zum Gasthaus Cappel, in dem das erste jener Festbankette stattfand, die später in Hambach ihren Höhepunkt finden sollten. Auch das Gebäude in der Eisenbahnstraße, in dem Wirth lebte und arbeitete, gehört zum Programm, ebenso der Marktplatz und schließlich der Freiheitsbrunnen am Rondell.
Zwischen diesen Orten entfaltet sich ein dichtes Geflecht aus Politik, Polizeigewalt und bürgerlichem Aufbegehren – jene Szenen, in denen Siebenpfeiffer in Ketten seine letzte Homburger Nacht verbrachte oder Wirth, ausgerechnet in Schlafmütze und Nachthemd, der versammelten Staatsmacht Paroli bot.
Treffpunkt ist um 18 Uhr das Außengelände des Siebenpfeiffer-Hauses in der Kirchenstraße 8, gegenüber der evangelischen Stadtkirche. Der Rundgang dauert rund anderthalb Stunden, die Teilnahme ist kostenlos.





















