Symbolbild
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Die deutsche Bauwirtschaft will zum Hebel gegen die wirtschaftliche Lähmung werden – und macht im Bundeskanzleramt klar, was sie dafür von der Politik erwartet. Anlässlich des Sozialpartner-Dialogs haben die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) ein gemeinsames Positionspapier vorgelegt. Der Titel ist Programm: „Bauen ist Konjunkturpolitik“.

Die Ausgangslage ist ernüchternd. Nach drei Jahren schwachen Wachstums prognostiziert der Sachverständigenrat für 2026 lediglich ein Plus von 0,5 Prozent. Hohe Energiepreise und internationale Handelskonflikte bremsen die Erholung. Gleichzeitig spitzt sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter zu: Mit nur 206.600 fertiggestellten Wohnungen erreichte das Jahr 2025 einen Tiefstand, wie ihn die Republik seit über einem Jahrzehnt nicht mehr erlebt hat. Der tatsächliche Bedarf liegt bei rund 400.000 Einheiten pro Jahr – die Lücke wächst.

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Genau hier sehen die Sozialpartner einen ungenutzten Hebel. Die Branche beschäftigt rund 2,6 Millionen Menschen und erwirtschaftet jährlich mehr als 150 Milliarden Euro. Vor allem aber stehen im Hoch- und Tiefbau aktuell freie Kapazitäten bereit, die sich kurzfristig in neue Projekte überführen ließen. Wissenschaftliche Untersuchungen beziffern den Multiplikatoreffekt eines investierten Euro im Bau auf 1,3 bis 1,5 – ein Wert, der konsumorientierte Konjunkturmaßnahmen klar in den Schatten stellt.

Das Maßnahmenpaket, das HDB, ZDB und IG BAU dem Kanzleramt mit auf den Weg geben, ist breit angelegt. Im Zentrum stehen eine Verlängerung und Verbesserung des KfW-Förderprogramms für klimafreundliche Neubauten nach dem Standard EH 55, kombiniert mit günstigen Zinsen und flexiblen Tilgungsmodellen. Auch die Sonderabschreibung für den Mietwohnungsbau soll auf diesen Effizienzstandard ausgeweitet werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem sogenannten Bauüberhang: Für rund 453.000 bereits genehmigte, aber noch nicht begonnene Wohnungen fordern die Verbände zeitlich befristete Sonderkonditionen, um die Vorhaben endlich in Gang zu bringen.

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Damit auch der private Eigentumserwerb wieder in Reichweite mittlerer Einkommen rückt, plädieren die Sozialpartner für einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer und für KfW-Nachrangdarlehen. Parallel soll der soziale und bezahlbare Wohnungsbau gestärkt werden – durch eine verstetigte und ausgebaute Finanzierung von Bund und Ländern. Investitionen in Verkehr, Energie und Digitalisierung gelten als unverzichtbar, um den Standort wettbewerbsfähig zu halten.

Doch Geld allein reicht den Verbänden nicht. Sie fordern faire Wettbewerbsbedingungen und einen entschlossenen Kampf gegen Schwarzarbeit und Sozialdumping. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten beschleunigt werden, die Digitalisierung der Behörden gehöre vorangetrieben, Typengenehmigungen sollten bundesweit anerkannt werden. Erst dann, so die Argumentation, könnten freie Kapazitäten auch tatsächlich in Beton, Stahl und Wohnraum übersetzt werden.

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Die Botschaft an Politik und Öffentlichkeit fällt entsprechend selbstbewusst aus. Die Bauwirtschaft, so das gemeinsame Fazit, sei mehr als ein Wirtschaftszweig: Sie sei Garant für Wachstum, Beschäftigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Investitionen in Wohnungsbau, Infrastruktur und digitale Netze schüfen bleibende Werte und sicherten die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften, heißt es abschließend, stünden gemeinsam in der Verantwortung, die Rahmenbedingungen für eine starke Branche zu setzen.

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