Symbolbild
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Die Stadtwerke in Deutschland stehen vor einem Investitionsschub, wie es ihn in dieser Größenordnung noch nie gegeben hat. Neun von zehn kommunalen Energieversorgern rechnen damit, dass ihre Ausgaben in den kommenden Jahren das bisherige Niveau deutlich übersteigen werden. Ein Viertel geht sogar von einer Steigerung um mehr als 200 Prozent aus. Das geht aus der neuen Stadtwerkestudie 2026 hervor, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY auf Basis einer bundesweiten Befragung von 100 Unternehmen vorgelegt hat.

Der Kraftakt verteilt sich auf mehrere Großbaustellen gleichzeitig: den Ausbau der Stromnetze, die Wärmewende, den Zubau Erneuerbarer Energien und die Digitalisierung der gesamten Branche. Damit verschiebt sich der Charakter der Energiewende spürbar. Was lange als technisches und regulatorisches Projekt galt, entwickelt sich zunehmend zu einer Finanzierungs- und Strukturierungsaufgabe von beachtlicher Tragweite.

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Doch der Hochlauf trifft auf eine Branche, deren Stimmung gedämpft ist. Nur noch 47 Prozent der befragten Stadtwerke bewerten ihren aktuellen Geschäftserfolg als „gut“ oder „sehr gut“. Vor vier Jahren waren es noch 75 Prozent. Auch der Blick nach vorn fällt verhalten aus: Lediglich 43 Prozent der Unternehmen schauen optimistisch in die Zukunft. Politische Entscheidungen, regulatorische Verschiebungen und wechselnde Rahmenbedingungen drücken auf die Planbarkeit von Investitionen.

„Die Energiewende vor Ort erhöht die regulären Investitionssummen der Stadtwerke um ein Vielfaches. Dies zeigt den Bedarf an neuen, innovativen Finanzierungskonzepten“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Zugleich brauche es „verlässliche und investitionsfördernde Rahmenbedingungen sowie langfristige Planungssicherheit“. Diese Forderung zieht sich wie ein roter Faden durch die Studie.

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Mit dem Bedarf wächst der Wettbewerb um Kapital – und zwar national wie international. 92 Prozent der Stadtwerke gehen davon aus, dass die anstehenden Vorhaben ohne zusätzliche externe Finanzierungsinstrumente nicht zu stemmen sind. Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die früher eher eine Randnotiz war: Unter welchen Bedingungen gelten kommunale Investitionen aus Sicht der Kapitalgeber überhaupt als planbar, risikoangemessen und attraktiv? Strategische Entscheidungen über Portfolio, Geschäftsfelder und Partnerschaften gewinnen entsprechend an Gewicht.

Intern haben die Versorger ihre Hausaufgaben bereits begonnen. 84 Prozent setzen auf Kostensenkungen, 77 Prozent thesaurieren stärker Gewinne, 76 Prozent optimieren ihre Investitionsplanung. Diese Stellschrauben sind notwendig, stoßen jedoch angesichts der Höhe und Gleichzeitigkeit der Vorhaben an strukturelle Grenzen. Parallel mobilisieren Stadtwerke zusätzliches Kapital über Schuldscheine, Darlehen der Europäischen Investitionsbank, eigenkapitalähnliche Gesellschafterdarlehen sowie Beteiligungen von Private-Equity-Investoren oder Bürgerinnen und Bürgern – etwa über Crowdfunding, Genussrechte oder Kooperationen mit lokalen Kreditinstituten.

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Entscheidend, so ein Kernbefund der Studie, sei dabei nicht der einzelne Baustein, sondern die kluge Kombination im Rahmen einer ganzheitlichen Finanzierungsstrategie. „Stadtwerke sind das Rückgrat der Energiewende und zentrale Gestalter vor Ort“, betont Metin Fidan, Industrials & Energy Partner bei EY. „Entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung bleiben klare politische Leitplanken, regulatorische Verlässlichkeit und stabile Investitionsbedingungen.“ Ob der Umbau gelingt, wird sich also nicht allein an Leitungstrassen oder Wärmenetzen entscheiden, sondern auch an der Frage, ob Politik und Kapitalmarkt der kommunalen Energiewirtschaft den nötigen Rückenwind geben.

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