Rund 1,75 Milliarden Euro stellt der Bund bereit, um bis 2029 insgesamt 90.000 Hektar Moorfläche in Deutschland wiederzuvernässen – bei Förderquoten von bis zu 100 Prozent. Für Homburg und das dortige Königsbruch könnte dieses Programm zum entscheidenden Impuls werden. Die Stadtverbandssprecher von Bündnis 90/Die Grünen in Homburg, Katrin Lauer und Andreas Filler, sehen darin eine historische Gelegenheit: „Das ist ein echter Wendepunkt im Moorschutz. Die finanziellen Hürden für Projekte wie im Königsbruch sind damit praktisch weggefallen.“
Das Königsbruch, ein Moorboden im Homburger Stadtgebiet, steht seit Längerem im Fokus der Debatte um Klima- und Naturschutz vor Ort. Derzeit läuft ein hydrogeologisches Gutachten, das als Grundlage für eine mögliche Wiedervernässung dient. Die Grünen mahnen allerdings, dass wissenschaftliche Expertise nicht zum Vorwand für politisches Zögern werden dürfe. „Gutachten sind notwendig – aber sie ersetzen keine politischen Entscheidungen“, formulieren Lauer und Filler ihren Anspruch an die Verantwortlichen in Stadt und Land.
Wie dringlich das Thema ist, zeigt ein Blick auf die ökologischen Zusammenhänge. Trockengelegte Moorböden gehören zu den größten Quellen von Treibhausgasen in der Landnutzung. Werden sie hingegen wiedervernässt, binden sie Kohlenstoff, stabilisieren den Wasserhaushalt und wirken als natürlicher Puffer gegen Dürreperioden und Starkregenereignisse. Der Deutsche Naturschutzring stuft die Wiedervernässung als einen der wirksamsten Hebel im Klimaschutz ein. „Gerade in Zeiten zunehmender Trockenheit und extremer Wetterereignisse ist es entscheidend, Wasser in der Fläche zu halten. Das Königsbruch bietet hier ein enormes Potenzial – ökologisch wie klimapolitisch“, betonen die beiden Sprecher.

Das neue Bundesprogramm richtet sich an Kommunen, Flächeneigentümer, land- und forstwirtschaftliche Betriebe sowie Wasser- und Bodenverbände. Gefördert werden nicht nur Planung und Umsetzung der Vernässungsmaßnahmen, sondern auch der Ausgleich wirtschaftlicher Nachteile und neue Nutzungsformen wie die sogenannte Paludikultur – also die landwirtschaftliche Bewirtschaftung nasser Moorstandorte. Konkret geht es in Homburg etwa um das Verschließen von Entwässerungsgräben und einen verantwortungsvolleren Umgang mit der Grundwasserförderung. Maßnahmen, die nach Einschätzung der Grünen vergleichsweise einfach umzusetzen wären und dennoch erhebliche Wirkung entfalten könnten.
Die Grünen nehmen dabei ausdrücklich auch die saarländische Landesregierung in die Pflicht. Ohne aktive Unterstützung bei Koordination, Beratung und Flächenmanagement könnten Kommunen wie Homburg ein Projekt dieser Größenordnung kaum stemmen. „Die Kommunen dürfen mit dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden“, fordern Lauer und Filler. Sie verweisen zudem auf die verbindlichen Klimaziele Deutschlands: Bis 2030 müssen die Emissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken, bis 2040 soll Klimaneutralität erreicht sein. Diese Vorgaben gelten auf allen staatlichen Ebenen.
Dass Klimaschutz längst keine freiwillige Angelegenheit mehr ist, verdeutlichen die Grünen mit einem Verweis auf die Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen den Freistaat Bayern wegen unzureichender Klimaschutzmaßnahmen. Solche juristischen Auseinandersetzungen machten klar, dass unterlassener Klimaschutz rechtlich überprüfbar sei. Für Homburg ziehen Lauer und Filler daraus eine unmissverständliche Schlussfolgerung: „Jetzt kommt es darauf an, dass Stadt und Land gemeinsam mit allen Beteiligten die notwendigen Schritte einleiten, um Fördermittel zu sichern und das Projekt aktiv voranzubringen. Die Zeit des Abwartens muss ein Ende haben.“
Ihr abschließendes Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Mit dem neuen Bundesprogramm sind die Voraussetzungen so gut wie nie zuvor. Wenn jetzt nichts passiert, liegt es nicht mehr am fehlenden Geld, sondern am fehlenden politischen Willen – auf allen Ebenen.“




















