Sechs Monate ohne Lohnerhöhung, ein Ultimatum bei der Laufzeit und die Weigerung, Streikende vor Nachteilen zu schützen – die erste Tarifverhandlung für den saarländischen Einzel- und Versandhandel ist am Mittwoch gescheitert, noch bevor sie richtig begonnen hat. Die ver.di-Tarifkommission wies das Arbeitgeberangebot einstimmig zurück.
Dabei hatte die Arbeitgeberseite durchaus Zahlen auf den Tisch gelegt. Ihr Vorschlag sieht eine Gesamtlaufzeit von 24 Monaten ab dem 1. April 2026 vor. In den ersten sechs Monaten würden die Beschäftigten allerdings keinerlei Erhöhung erhalten. Erst zum 1. Oktober 2026 sollen die Entgelte um zwei Prozent steigen, ab dem 1. Juli 2027 kämen weitere 1,5 Prozent hinzu. Unterm Strich bedeutet das: Über neun Monate hinweg keine tabellenwirksame Verbesserung. Für eine Branche, in der viele Beschäftigte ohnehin am unteren Ende der Einkommensskala arbeiten, ist das aus Gewerkschaftssicht eine Provokation.
Zusätzlich verschärften die Arbeitgeber den Druck mit einer ungewöhnlichen Ansage. Sollte bis zum 31. August 2026 keine Einigung stehen, wollen sie ab September ausschließlich über eine Laufzeit von 36 Monaten verhandeln. Gleichzeitig lehnten sie eine sogenannte Maßregelungsklausel ab – jene Regelung, die Beschäftigte davor bewahrt, wegen der Teilnahme an Streikmaßnahmen benachteiligt zu werden. Ver.di wertet beides als Versuch, die Verhandlungsposition der Arbeitnehmerseite gezielt zu schwächen.
Monika Di Silvestre, ver.di-Landesfachbereichsleiterin und Verhandlungsführerin für den Handel in Rheinland-Pfalz-Saarland, fand deutliche Worte: „Dieses Angebot deckt noch nicht einmal die Inflation ab. Viele Beschäftigte wissen schon jetzt nicht mehr, wie sie die täglichen Kosten stemmen sollen. Für zahlreiche Kolleginnen und Kollegen ist in diesem Jahr kein Urlaub möglich, und dann sollen sie auch noch Reallohn verlieren. Das ist völlig inakzeptabel.“ Die Gewinne im Handel seien keineswegs eingebrochen, so Di Silvestre weiter – nur bei den abhängig Beschäftigten komme davon nichts an. „Der Geiz der Arbeitgeber ist unverschämt und für die Beschäftigten ein Schlag ins Gesicht.“
Die Gewerkschaft geht mit klar bezifferten Forderungen in die nächste Runde. Sie verlangt eine lineare Erhöhung aller Löhne und Gehälter um 225 Euro monatlich, eine Anhebung der Ausbildungsvergütung um 150 Euro pro Ausbildungsjahr sowie eine Laufzeit von lediglich zwölf Monaten. Gerade die Forderung nach einem festen Euro-Betrag statt einer prozentualen Steigerung zielt darauf ab, die unteren Einkommensgruppen überproportional zu entlasten – ein bewährtes Instrument in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten.
Ver.di erwartet zur zweiten Verhandlungsrunde am 17. Juni 2026 ein substanziell verbessertes Angebot. Die Tarifkommission machte unmissverständlich klar, dass sie bereit ist, den Druck zu erhöhen, sollte die Arbeitgeberseite an ihrer bisherigen Linie festhalten. Für die rund tausenden Beschäftigten im saarländischen Einzel- und Versandhandel steht damit ein konfliktreicher Sommer bevor – denn die Kluft zwischen den Positionen könnte kaum größer sein.




















