Symbolbild

Mehr als 55.000 Menschen im Saarland arbeiten ausschließlich in einem Minijob – und damit liegt das Bundesland deutlich über dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Genau hier setzt eine neue Kampagne des saarländischen Arbeitsministeriums an, die seit dem 20. Mai unter dem Motto „Minijob? – Mach was Großes draus!“ für einen bewussteren Umgang mit geringfügiger Beschäftigung werben will. Das Ziel: Aufklären, Orientierung geben und den Weg in reguläre, sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse ebnen.

Arbeitsminister Magnus Jung ordnet die Initiative differenziert ein. „Minijobs leisten in bestimmten Lebenssituationen einen wichtigen Beitrag zur Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und bieten beispielsweise für Studierende eine sinnvolle Möglichkeit zur Arbeit“, sagte er zum Kampagnenstart. Zugleich betonte Jung, dass geringfügige Beschäftigung keine gleichwertige Alternative zu sozialversicherungspflichtiger Arbeit darstelle. Die Kampagne solle Transparenz schaffen, über Chancen und Risiken aufklären und Orientierung im komplexen System der Beschäftigungsformen bieten.

Die Zahlen, die das Ministerium vorlegt, unterstreichen den Handlungsbedarf. Im Jahr 2025 waren saarlandweit 55.453 Personen ausschließlich geringfügig entlohnt beschäftigt – das entspricht einem Anteil von 12,5 Prozent. Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung: Knapp 32.000 der Betroffenen waren Frauen, rund 23.500 Männer. Ein Drittel aller Minijobbenden sind Frauen, die keiner weiteren Beschäftigung nachgehen. Dabei bringen viele von ihnen durchaus berufliche Qualifikationen mit. Rund 44,8 Prozent der ausschließlich geringfügig beschäftigten Frauen verfügen über einen Berufsabschluss, bei den Männern liegt der Wert sogar bei 49,6 Prozent. Reinigung, Gastronomie und Bürotätigkeiten zählen zu den häufigsten Einsatzfeldern.

Hinter der Kampagne steckt mehr als reine Informationsarbeit. Das Ministerium versteht sie als Baustein einer breiteren Strategie, die gleich mehrere Ziele verfolgt: die Sicherung von Fachkräften, die Stärkung der individuellen sozialen Absicherung und den Abbau struktureller Benachteiligungen, von denen insbesondere Frauen betroffen sind. Gerade das ungenutzte Potenzial qualifizierter Beschäftigter in Minijobs soll gehoben werden. Die Initiative fügt sich damit in die übergeordnete Fachkräfte- und Gleichstellungsstrategie des Saarlandes ein, die darauf abzielt, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel aktiv zu gestalten und in allen Lebensbereichen gleiche Chancen zu schaffen.

Umgesetzt wurde die medienübergreifende Kampagne gemeinsam mit der Werbeagentur Jungen & Thönes. Bis Ende September wird sie auf Plakatflächen im gesamten Saarland, in Printmedien sowie auf den Social-Media-Kanälen des Ministeriums präsent sein. Als zentrale Anlaufstelle dient die eigens eingerichtete Website unter www.saarland.de/minijob, die ab sofort erreichbar ist. Dort finden Betroffene und Interessierte weiterführende Informationen zu Beschäftigungsformen, Rechten und konkreten Wegen aus der geringfügigen Beschäftigung.

Die Kampagne versteht sich ausdrücklich als Impuls – nicht als Allheilmittel. Sie soll Bewusstsein schaffen und Veränderungsprozesse anstoßen, die von den regulären arbeitsmarkt- und gleichstellungspolitischen Maßnahmen des Ministeriums begleitet werden. Ob sie tatsächlich dazu beiträgt, dass mehr Saarländerinnen und Saarländer den Sprung vom Minijob in eine vollwertige Beschäftigung wagen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

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