Foto: Protestantische Kirchengemeinde Homburg

Obdachlose, suchtkranke und arme Menschen werden in der öffentlichen Wahrnehmung fast ausschließlich über ihre Bedürftigkeit definiert. Die Ausstellung „Nomaden der Neuzeit“ dreht diese Perspektive konsequent um – und rückt Kreativität, Talent und Schaffenskraft in den Mittelpunkt. Am Pfingstsonntag, dem 24. Mai, ist sie ab 19 Uhr in der Protestantischen Stadtkirche Homburg zu erleben, eingebettet in ein vierstündiges Programm aus Musik, Begegnungen und einem Pfingstfeuer zum Ausklang.

Hinter dem Titel verbergen sich keine Vanlife-Abenteurer mit Wohnmobil und Instagram-Account. Gemeint sind Menschen, die Tag für Tag ihre Runde drehen, von Ort zu Ort, durch Tage und Nächte, auf der Suche nach Wärme, Sicherheit und einer Mahlzeit. Ein fester Anlaufpunkt für viele von ihnen ist die Wärmestube in Saarbrücken. In dieser niedrigschwelligen Einrichtung bietet die Künstlerin Annette Orlinski jede Woche Kreativgruppen für Frauen und Männer an. Dort entstehen Werke, die individuelle Talente sichtbar machen und den Blick auf das Leben ihrer Schöpferinnen und Schöpfer grundlegend verändern.

Das Spektrum der gezeigten Arbeiten reicht von Rauminstallationen und Acrylbildern über Kristalle, Glaskunst und Skulpturen bis hin zu sogenannten Schuhgeschichten, T-Shirt-Kunst und geometrischen Häkelwerken. Bereits Anfang Januar 2026 waren die Kunstwerke anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Wärmestube erstmals einer größeren Öffentlichkeit in Saarbrücken präsentiert worden. Nun wandert die Ausstellung nach Homburg und wird dort in den sakralen Raum der Stadtkirche eingebettet – ein bewusst gewählter Rahmen, der den Werken zusätzliche Wirkung verleiht.

Der Abend beginnt um 19 Uhr mit Saxophonklängen von Thomas Girard und Orgelmusik von Stefan Ulrich. Nach der Begrüßung durch Annette Orlinski und Pfarrer Joachim Wörner folgt ein Ausstellungsdialog, bei dem die Besucherinnen und Besucher die Hintergründe der gezeigten Arbeiten erfahren können. Ab 20:10 Uhr öffnet sich dann der Raum für direkte Begegnungen mit den Künstlerinnen und Künstlern – ein Moment, der den Kern des Abends ausmacht. Wer die Menschen hinter den Werken kennenlernt, wird die Ausstellung mit anderen Augen sehen. Um 21 Uhr übernehmen „Annika & Levin“ mit ihrem Programm „It takes two“ den musikalischen Part, bevor um 22:30 Uhr ein Pfingstfeuer den Abend beschließt.

Die Protestantische Stadtkirche liegt in der Kirchenstraße in der Homburger Innenstadt. Direkt gegenüber stehen zwar einige Parkplätze zur Verfügung, diese sind jedoch häufig belegt. Autofahrerinnen und Autofahrern wird daher empfohlen, die Parkplätze am Amtsgericht Homburg zu nutzen, die über die Obere- und Unterallee erreichbar sind. Von dort gelangt man über die Schwesternhausstraße zur Kirche.

Die Nacht der Kirchen in Homburg setzt damit ein deutliches Zeichen: Sie gibt Menschen eine Bühne, die im Alltag oft übersehen werden, und zeigt, dass künstlerischer Ausdruck keine Frage der Lebensverhältnisse ist. Wer am Pfingstsonntag den Weg in die Stadtkirche findet, darf sich auf Einblicke einstellen, die weit über das hinausgehen, was Statistiken und Sozialberichte über Obdachlosigkeit erzählen.

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