Die Geschichte der Sinti und Roma gehört zum Kern der deutschen Erinnerungskultur – und doch bleibt Antiziganismus eine alltägliche Realität. Saarlands Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot hat mit einem Besuch im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg am 21. April 2026 ein klares Signal gesetzt: Erinnern allein reicht nicht, es braucht konkretes Handeln in Bildung und Gesellschaft.
Im Zentrum des Besuchs stand der Dialog über historische Verantwortung, gegenwärtige Diskriminierung und die Frage, wie das Thema stärker in Schulen und öffentlichem Bewusstsein verankert werden kann. „Die Geschichte der Sinti und Roma ist ein unverzichtbarer Teil unserer gemeinsamen Vergangenheit und muss fest in unserer Bildungsarbeit verankert sein – auch im Saarland“, betonte Streichert-Clivot. Sie verwies darauf, dass der saarländische Landtag derzeit eine Änderung der Landesverfassung berät, die den Schutz vor Antiziganismus und Antisemitismus ausdrücklich festschreiben soll. Zudem würden die gemeinsamen Empfehlungen der Kultusministerkonferenz und des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma konsequent an saarländischen Schulen umgesetzt.
Das Heidelberger Zentrum dokumentiert seit 1997 die rund 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland. Seine Dauerausstellung zum Holocaust gilt als europaweit einzigartig und lässt unter anderem Überlebende selbst zu Wort kommen. Neben der Ausstellungsarbeit forscht die Einrichtung zur Geschichte der Minderheit, engagiert sich in der politischen Bildung gegen Antiziganismus, initiiert Kulturprojekte und unterstützt gezielt junge Sinti und Roma.
Wie dringend dieses Engagement bleibt, zeigt ein Blick ins Saarland: Das 2024 im Saarbrücker Echelmeyerpark eingeweihte interaktive Mahnmal „Nachhall“ wurde bereits 2025 zwei Mal beschädigt. Solche Vorfälle verdeutlichen, dass Antiziganismus kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern sich im Alltag auf vielfältige Weise äußert. Im selben Jahr verabschiedete die Kultusministerkonferenz gemeinsam mit dem Zentralrat eine Empfehlung zum schulischen Umgang mit Antiziganismus, die das saarländische Bildungsministerium seither aktiv umsetzt.
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, würdigte die Fortschritte an der Saar ausdrücklich: „Die praktische Umsetzung der Empfehlungen der Kultusministerkonferenz ist im Saarland in beispielhafter Weise gelungen.“ Diesen Erfolg führte er nicht zuletzt auf die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Bildungsministerium und dem saarländischen Landesverband der Sinti und Roma unter dem Vorsitz von Diana Bastian zurück.
Streichert-Clivot unterstrich, dass gerade junge Menschen begreifen müssten, dass hinter historischen Ereignissen immer persönliche Schicksale stehen. „Nur wenn wir erinnern und aufklären, können wir Vorurteilen entgegenwirken und Vielfalt als das verstehen, was sie ist: eine Bereicherung für unsere Gesellschaft“, sagte die Ministerin. Ihr besonderer Dank galt den Mitarbeitenden vor Ort, die mit ihrer täglichen Bildungs- und Erinnerungsarbeit Vorurteile abbauen und neue Perspektiven eröffnen.
Der Besuch in Heidelberg macht eines deutlich: Erinnerungskultur entfaltet ihre Wirkung erst dann vollständig, wenn sie über den Rückblick hinausgeht und zur aktiven Auseinandersetzung in der Gegenwart wird. Demokratische Bildung entsteht nicht allein im Klassenzimmer, sondern überall dort, wo Gedenken und gesellschaftliches Engagement zusammenfinden.


















