Architektur, die Erinnerung bewahrt und Zukunft formt – dafür steht das Werk von Andrea Wandel. Die Saarbrücker Architektin und Professorin hat nun die höchste Auszeichnung erhalten, die das Saarland im Bereich Kunst und Kultur zu vergeben hat: den mit 7.500 Euro dotierten Kunstpreis des Saarlandes 2026 in der Sparte Bildende Kunst/Architektur. Die feierliche Verleihung fand in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums statt.
Kulturministerin Christine Streichert-Clivot machte in ihrer Laudatio deutlich, dass die Ehrung weit über eine rein ästhetische Würdigung hinausgeht. „Prof. Andrea Wandels Arbeiten sind der lebendige Beweis, dass Architektur weit mehr ist als das Entwerfen von Gebäuden“, sagte die Ministerin. Wandels Projekte schüfen Räume der Begegnung, des Austauschs und der Erinnerung. „Sie prägt unsere gebaute Umwelt auf höchstem baukünstlerischem Niveau und eröffnet Räume, die Erinnerung, Dialog und Zukunft miteinander verknüpfen.“
Die Jury hob in ihrer Begründung besonders die kulturelle Relevanz von Wandels Schaffen hervor. „Ihre Projekte setzen Maßstäbe weit über das Saarland hinaus und zeigen, wie Haltung und Präzision die Zukunft gestalten“, heißt es in dem Votum des fünfköpfigen Gremiums, dem unter anderem die Architektin Prof. Dr. Ing. Ulrike Fischer von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarland, Daniel Kempf als Leiter der Obersten Landesbaubehörde sowie Cathrin Moll von der Architektenkammer des Saarlandes angehörten. Komplettiert wurde die Runde durch Oliver Brünjes, Vorsitzender des Deutschen Werkbundes Saar, und Prof. Burkhard Detzler, Rektor der Hochschule der Bildenden Künste Saar.
Was Wandels Werk so besonders macht, lässt sich an ihren bekanntesten Projekten ablesen. Im Bereich der Erinnerungskultur hat sie Orte geschaffen, die weit über architektonische Fachkreise hinaus Beachtung finden: die Gedenkstätte Neuer Börneplatz in Frankfurt, das Mahnmal Gleis 17 in Berlin-Grunewald, die Synagoge in Dresden und das Besucherzentrum des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbrück. Jedes dieser Projekte verbindet historische Verantwortung mit einer materialbewussten, detailgenauen Formensprache. Auch im Saarland selbst hat die Architektin sichtbare Spuren hinterlassen – etwa mit dem Cloefatrium in Orscholz oder dem Johanneskirchgarten in Saarbrücken.
Die gebürtige Saarbrückerin wuchs in einer Architektenfamilie auf und kam dadurch früh mit Fragen der Gestaltung in Berührung. Nach ihrem Studium arbeitete sie als freischaffende Architektin, bevor sie 2011 auf die Professur für Entwerfen, Raumbildung und Darstellung an der Hochschule Trier berufen wurde. Streichert-Clivot betonte diesen Aspekt ausdrücklich: Durch ihre Lehrtätigkeit stehe Wandel in direktem Kontakt zu Studierenden und forme eine neue Generation von Architektinnen und Architekten. Gemeinsam mit ihrem Mann Prof. Wolfgang Lorch führt sie das Büro Wandel Lorch Götze Wach, in dem rund 50 Architektinnen und Architekten an den Standorten Saarbrücken, Frankfurt und Stuttgart arbeiten.
Der Kunstpreis des Saarlandes wird seit 1966 alle zwei Jahre in den Bereichen Musik, Literatur und Bildende Kunst/Architektur vergeben. Er richtet sich an Künstlerinnen und Künstler, die im Saarland leben, dort geboren sind oder in besonderer Weise mit dem kulturellen Leben des Landes verbunden sind. In der Sparte Architektur ging die Auszeichnung bislang erst zwei Mal an Bauschaffende: 1974 an Dr. Karl Hanus und 2002 an Hanns Schönecker. Dass nun, mehr als zwei Jahrzehnte später, erneut eine Architektin geehrt wird, unterstreicht die Bedeutung, die das Land dem Zusammenspiel von Baukunst und gesellschaftlicher Verantwortung beimisst. Wandels bisherige Auszeichnungen – darunter der Hessische Kulturpreis 2019, der BDA Hamburg Architektur Preis 2020 und die Friedrich-Schlomo-Rülf-Medaille 2015 – belegen, dass diese Anerkennung längst auch überregional gefestigt ist.


















